Unter Konservativen – Von einem, der aus Versehen zur Vernunft kam

Folgender Text ist schon einige Wochen alt. Er passte allerdings nicht in mein altes Blog, daher blieb er bislang unveröffentlicht. Hier und jetzt ist er aber ein guter Einstieg:

Und plötzlich ist vieles anders. Man kehrt zurück und wiederum plötzlich ergeben sich ganz neue Zusammenhänge. Ein Weltbild bricht nicht zusammen, wenn man dem Konservatismus abschwört, vielmehr entsteht erst eines.
Jeder ehrliche Konservative wird früher oder später an seine (selbst auferlegten) Grenzen stoßen und in Erklärungsnot geraten. Der Konservatismus ist wenig konkret und bietet auch keine wirklichen Lösungen. Der Konservatismus bietet hauptsächlich einen präzisen Fundus an Dekadenzdiagnosen. Wann immer, wo immer etwas passiert, was dem Konservativen gegen sein Weltbild geht, ist er sofort zur Stelle um den Finger in die Wunde zu legen. Er nennt dies Gegenöffentlichkeit und er ist ein Meister darin, sich selbst einen seriösen Anstrich zu geben. Er sieht sich ganz elitär im Range eines Welterklärers. Es klingt dann oft verlockend, schlüssig und logisch, wenn er beginnt zu sezieren. Vielleicht ist das der Grund, warum der Konservative sich im Aufwind sieht, viele nicht-Konservative sind wenigstens beeindruckt von seinen publizistischen Fähigkeiten. Doch diese Fähigkeiten beschränken sich auf die Diagnose und eben dem Finger in der Wunde. Leider wissen auch viele nicht-Konservative von diesen Problemen, teilen vielleicht sogar teilweise seine Diagnosen und nehmen dem Konservativen damit ein Stück seines alleinigen, elitären Welterklärerranges. Nur fehlt den nicht-Konservativen die Lust oder Einfältigkeit, sich mit dem Finger in der Wunde wohl zu fühlen und es bei der ausführlichen Diagnose zu belassen. Denn was an Medizin folgt, verschrieben von konservativer Seite, ist lediglich ein fragwürdiges Allheilmittel: der (starke) Staat. Der jetzige Staat sei zu schwach und zudem im höchsten Maße dekadent. Eigentlich müsse man ihm beim Untergehen zuschauen und lediglich während des Untergangs postulieren, man habe es ja schon immer gewusst. Auf Dauer wird dies sogar dem Konservativen zu langweilig und er verzichtet auf seine Medikation, dies nennt er dann geheimnisvoll die „Innere Emigration“.
Wenn der Konservative diese Emigration wirklich mal zum nachdenken jenseits des eigenen Horizonts nutzt, dann entstehen kleine, unfertige Texte, also Fragmente, wie dieser Text. Vielleicht wird er noch verändert oder in einen längeren Kommentar oder Artikel eingearbeitet. Auf jeden Fall bleibt er erstmal so stehen und wartet auf freundliche Beachtung. Und auf jeden Fall hat der Autor die Emigration verlassen, aber auch den Konservatismus.
Die Überschrift ist übrigens Jan Fleischauer gewidmet, der mit seinem Buch „Unter Linken – Von einem, der aus Versehen konservativ wurde“ einen großen Erfolg feierte. Mein Beileid.
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2 Responses to Unter Konservativen – Von einem, der aus Versehen zur Vernunft kam

  1. Nico sagt:

    „Jeder ehrliche Konservative wird früher oder später an seine (selbst auferlegten) Grenzen stoßen und in Erklärungsnot geraten.“

    Falsch-„Der Konservative“, so es ihn denn gibt, wird gar nicht erst versuchen, alles zu erklären, da er die Sinnlosigkeit eines solchen Unterfangens begriffen hat. Er will die Welt überhaupt nicht erklären!Er akzeptiert Grenzen, die von Natur /oder meinetwegen Gott) gegeben sind, nicht von ihm selbst. Diese Grenzen wollen Ideologen jeglicher couloeur gerne überwinden, weil sie der Meinug sind, die Welt erklären und einen Himmel auf Erden schaffen zu können, wenn ihnen doch nur alle Menschen zuhörten. Die massenmörderischen Konsequenzen solcher Zwangsbeglückung können anschaulich am letzten Jahrhundert studiert werden. Der Konservativismus ist keine Ideologie und daher manchem vielleicht zu wenig „konkret“.
    Und das das Geschrei nach einem starken Staat nun
    Der Konservativismus orientiert sich lieber an Realitäten, an Machbarem. Daher gibt es eigentlich auch nicht „den Konservativismus“, da Realitäten wechseln (zeitlich und räumlich). Gemein ist allerdings wohl den meisten Konservativen, dass sie eine gesunde Fortschrittskepsis besitzen und eher das Neue in der Pflicht sehen, sich als dem Bewährten überlegen zu beweisen (bei Linken dürfte das umgekehrt sein). Konservative hätte wohl nicht so schnell das deutsche Unisystem durch Bachelor/Master beseitigt.
    Und bei dem zeigefingerschwingenden Welterklärer, der es ja schon immer gewusst hat, muss ich beim besten Willen eher an unsere linksgrünen Gutmenschen denken. Deren publizistische Quantität, die ihre Qualität um den Faktor 34543236754234 übertrifft, wohl alles konservative/rechte (die Grenzen sind fließend, die Begriffe unscharf) bei WEITEM übertrifft! Wo soll denn der „Durchschnittsdeutsche“ von konservativen „Dekadenzdiagnosen“ (die ich im übrigen für angebracht halte, auch wenn mir kein „Fundus“ bekannt wäre) erfahren, damit er beeindruckt wird? In den großen Zeitschriften (Spiegel, Stern)? Bei den öffentlich-rechtlichen? An der Uni? Mal ehrlich, das linksgrüne Geschrei ist auf allen Ebenen derart laut, dass man von einer „Gegenöffentlichkeit“ gar nicht sprechen kann.
    Und dass das Geschrei nach einem starken Staat nun der Hinweis auf eine konservative Position sei, ist natürlich auch blanker Unsinn Vielmehr ist die Forderung nach Eigenverantwortung eine konservative (auch libertäre, auch da gibt es Berührungspunkte). Verantwortungsdelegation vom Bürger zum Staat, der (Staat) dadurch immer aufgeblähter wird, sich in alle Bereiche einmischt, „stärker“ wird, das ist linker Quatsch, zwangsbeglückung. Der Staat soll aufpassen, dass niemand diskriminiert wird, niemand verletzt wird, dass das Kind und die Alten versorgt werden, das alle gleich sind. Dafür werden Ämter und Posten geschaffen. Die momentane Staatsaufblähung hat nichts konservatives an sich. Vielleicht aber meintest du mit „stark“ tatsächlich, dass der Staat in der Lage ist, für Sicherheit, Ordnung und Zukunft (durch Beachtung der Vergangenheit) unter der Prämisse der Freiheit zu sorgen. Diese Forderung ist in der tat richtig, aktuell und, jedenfalls nach meiner Definition, konservativ.
    Ich hatte bei deinem Artikel eher den Eindruck, du schreibst einen Konservativismus herbei, der leicht zu kritisieren ist, den es aber gar nicht gibt.

    PS.:Bin gespannt, ob du das hier veröffentlichst!

  2. Florian sagt:

    @ Nico
    Nein richtig! Jeder ehrliche Konservative wird früher oder später an seine (selbst auferlegten) Grenzen stoßen und in Erklärungsnot geraten.

    „an unsere linksgrünen Gutmenschen denken“
    Sind das die, die gerade die Laufzeiten der AKWs verlängern?
    Oder sind das die, die Milliarden für Banken übrig haben, wenn es aber um Menschen geht, immer kein Geld haben?

    Übrigens bist Du einer Grenze in deinem Kommentar bereits selbst begegnet: „dass der Staat in der Lage ist, für Sicherheit, Ordnung und Zukunft (durch Beachtung der Vergangenheit) unter der Prämisse der Freiheit zu sorgen.“
    Gib hier doch mal unter Beachtung aller genannten Punkte die richtige Antwort. Wie soll das bitte funktionieren? Das klingt ja ganz nett, aber fülle das doch mal mit Inhalten. Schon die Themen Sicherheit und Freiheit sprengen dabei jeden Rahmen. Und halte dich bei der Beantwortung an die Grenzen eines konservativen Horizonts 😉

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