In Gedenken an Hermann

Bild: Wikipedia)(Bild: Wikipedia)

Eines der Hauptereignisse der deutschen und europäischen Geschichte jährt sich 2009 zum zweitausendsten Mal: die Varusschlacht – auch bekannt als „Schlacht im Teutoburger Wald“. Aus diesem Anlass gibt das Bundesministerium der Finanzen im Juni 2009 ein Sonderpostwertzeichen heraus. (Quelle)

Wenn man dann noch etwas googelt findet man ziemlich viele Informationen, Ausstellungen und Veranstaltungshinweise zum 2000jährigen Jubiläum. Diese Tatasache hält allerdings die Damen und Herren der Nationalen Sozialisten aus Wolfenbüttel und Salzgitter nicht davon ab, noch einmal ausführlich daran zu erinnern. So verteilten sie am 24. Oktober nach eigenen Angaben 200 Postkarten an „interessierte“ Bürger in der Wolfenbütteler Innenstadt. Weitere 800 Postkarten landeten in Briefkästen von ebenfalls sicherlich interessieren Bürgern. Dies im Rahmen einer Kampagne „2000 Jahre deutscher Widerstand“.

Folgt man dem Link Verweis auf der verteilten Postkarte, so kommt man auf eine Informationsseite. Hier dann gleich zur Begrüßung: „Im Jahr 2009 jährt sich ein Ereignis, welches in der Öffentlichkeit kaum Beachtung findet und dabei zu den wichtigsten der Weltgeschichte gehört.“ Natürlich, es wird mal wieder totgeschwiegen (siehe Briefmarke)!

Aber was wollen die Nationalen Sozialisten? Geht es um Bildung? Nein, nur darum: „Mit unserer Kampagne werden wir Hermann den Cherusker zum 2000jährigen Jubiläum seines Sieges aus den Nebeln der Geschichte in das Gedächtnis der Menschen zurückholen. Er soll uns Vorbild sein und uns zum Einsatz für Deutschland mahnen.“ Also, Volk steh‘ auf und Sturm brich‘ los.

Nebenbei kam es laut dem „Sprachrohr politischer Aktivisten aus Wolfenbüttel & Salzgitter“ noch zu einer Säuberungsaktion: „Nebenbei säuberten Aktivisten die Innenstadt von kommunistischer Propaganda. Die kleine Putzaktion kam bei Passanten und Ladenbesitzern sehr gut an, denn das Material der „MLPD“ und anderer rotfachistischer Organisationen war äußerst willkürlich und zum Teil sogar an privatem Eigentum verklebt worden.“ Die Überreste der roten Propaganda übergab man dann dem Feuer, unter dem Beifall der erleichterten Bürger, natürlich.

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4 Responses to In Gedenken an Hermann

  1. Oberlehrer sagt:

    Ich finde es sehr lobenswert, dass sich engagierte Jugendliche Gedanken um ein sauberes Stadtbild machen und selbiges von störender Propaganda befreien.

    Fraglich ist allerdings nur, warum gerade MLPD-Aufkleber Ziel dieser Reinigung sind. Haben die nationalen Saubermänner etwa das Parteiprogramm der MLPD nicht gelesen? Mit einem anderen Deckblatt versehen, könnte es doch in weiten Teilen locker als NPD-Programm durchgehen und auch die auf den Aufklebern propagierten Inhalte sind denen der Autonomen Nationalisten mehr als ähnlich. Antikapitalismus, Revolution, usw.

    Bleibt nur zu hoffen, dass sich die flächendeckend über ganze Straßenzüge, Privateigentum und Gewerkschaftseinrichtungen verklebten Aufkleber der Autonomen Nationalisten in Zukunft inhaltlich und gestalterisch noch weiter linken Aufklebern annähern. Vielleicht können die arischen Putzteufel dann irgendwann selber nicht mehr den Unterschied erkennen und beseitigen den Unrat selber, den sie als arische Propagandakämpfer einen Tag vorher selber in der ganzen Stadt verklebt haben.

    Man hat ja auch schon von konservativ gekleideten Nazitruppen gehört, die ihre eigenen Kameraden verprügelt haben, weil diese in Bezug auf Kleidung, Aufnäher etc. kaum von den verhassten linken Autonomen zu unterscheiden waren. Schön, wenn sich Probleme von selbst erledigen.

  2. frankye-boy sagt:

    Ich wollte bloß mal Grüß Dich sagen. Ich lese nun bei dir schon einige Zeit mit. Darum: Hallo 🙂

  3. […] Bereits im Oktober fand eine ähnliche Aktion statt, die als voller Erfolg verbucht werden konnte, zumindest bildete man sich das so ein. Nebenbei reinigte man die Innenstadt von „rotfaschistischer Propaganda“, ich berichtete bereits darüber. […]

  4. […] zum Thema „Infoportal Wolfenbüttel/Salzgitter auch interessant: In Gedenken an Hermann & Unfreiwillig komisch – In Gedenken an Hermann […]

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