Die Sezession über alltäglichen Rassismus

Gerade noch verweise ich auf die neue Broschüre des Vereins Opferhilfe, da stolpere ich schon über einen Artikel von Ellen Kositza im Tagebuch der wahren, guten und schönen Rechten, Sezession.

Der Artikel ist nicht mehr ganz frisch, wurde am 19. Oktober veröffentlicht. Frau Kositza verbeißt sich in Herrn Wallraff, bzw. in seinem neuen Buch „Schwarz auf Weiß“. Günter Wallraff schlüpft dort u.a. in die Rolle eines Schwarzen und erfährt Alltagsrassismus am eigenen Leib. Dass Wallraff für sein neues Buch und den gerade erschienenen Film auch viel Kritik einstecken musste, das verschweigt Frau Kositza.

Frau Kositza lässt auf jeden Fall die Kritik an Herrn Wallraff aus und prangert lieber an, denn „Wallraffs „Erlebnisse“ als geschminkter Schwarzer bringt derzeit jede Zeitung, die in punkto Antirassismus was auf sich hält.“ Nach weiterer Kritik an Wallraff, die lasse ich hier mal aus, kommt Frau Kositza dann zum Punkt. Nachdem sie festellt, selbst auch schon geduzt worden zu sein, kommentiert sie den von Wallraff erlebten Alltagsrassismus mit „Meine Güte! Wenn es eine Beratungsstelle (…) für verbal oder tätlich attackierte Deutsche gäbe (…)„. Hat Frau Kositza einfach die Bedeutung des Worts Alltagsrassismus nicht verstanden?

Frau Kositza möchte auf jeden Fall mal ihr eigenes Leid klagen und tut dies dann auch sehr bezeichnend. „Just als ich von der Buchmesse mit dem autogrammgebenden Wallraff kam, hatte ich einen langen Gang in Frankfurt zu erledigen. Von früher her hab ich meine persönliche Übergriffquote (als „Opfer“) noch ganz gut im Kopf. Pro halbe Stunde zu Fuß in rhein-mainischen Innenstadtgefilden sind´s etwa 5 „Übergriffe“ aus Migrantenmund (Schwarze sind da allerdings noch weniger offensiv als deutsche Bauarbeiter), wenn ich Kinder dabei hab, reduziert sich’s deutlich. Ich war mit Kindern unterwegs und zählte drei „Übergriffe“ auf dem langen Weg von der Innenstadt ins Gallusviertel. (Kommentar einer Freundin: „Selbst schuld, mit kurzem Rock und Stiefeln geht man halt nicht durch Frankfurt.“)“ Ich möchte an dieser Stelle dieses Unrecht, was Frau Kositza da erfahren hat, nicht in Frage stellen, allerdings würde ich von sexueller Belästigung sprechen. Und sexuelle Belästigung, so schlimm sie auch ist, ist kein Alltagsrassismus und Frau Kositza scheint tatsächlich nicht verstanden zu haben, worum es eigentlich geht.

Dann schildert sie ein weiteres Erlebnis: „Auf der Mainzer Landstraße gingen wir dann an einer Familie vorbei, deren Kinder Eicheln vom Boden aufhoben. Mein Sohn, der sich mit Sprachreglementierungen noch nicht so gut auskennt, fragte mich laut, ob er mit dem „Negerjungen“ Eicheln sammeln dürfte. Die Eltern gingen ihn sofort bitterbös an: „Was hast Du gesagt?! Sag das noch mal!?“ Ich schaltete mich moderierend ein, mein Sohn (der gleich mit dem anderen Eicheln tauschte) habe da nichts bös gemeint, in unserer Familie gelte „Neger“ nicht als Schimpfwort. Als sie mir die üblichen Schmähworte (Nazi, Rassistin) an den Kopf warf, packte ich meinen Sohn: „Jetzt bitte, haben Sie sich nicht so, es gibt Schlimmeres!“ Da spuckte sie aus – ein Klatscher auf meinen Schuh. Keine Ahnung, wie sich der Vorfall im Kopf meines Sohnes verknüpft. Wir werden’s aufarbeiten.“ Und mit dieser Aufarbeitung möchte ich hier gleich mal ganz kurz beginnen. Natürlich ist der Sohn von Frau Kositza unschuldig. Natürlich ist es nicht in Ordnung, wenn sich Erwachsene (besonders in Anwesenheit von Kindern) beleidigen und anspucken, man hat ja eine Vorbildfunktion. Aber warum besteht die Familie Kositza/Kubitschek auf die Bezeichnung „Neger“? Ist es wirklich ein Problem, dieses Wort aus dem Sprachgebrauch zu entfernen, einfach „nur“, weil sich Schwarze dadurch beleidigt fühlen? Das ist doch eine Fage des Anstands und sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Muss darüber tatsächlich noch diskutiert werden? Ich denke nein. Aber hier liegt wohl eine wichtige Ursache, warum Frau Kositza mit „Alltagsrassismus“ nichts anfangen kann. Bitte familienintern aufarbeiten, Frau Kositza.

Eine weitere Ursache kann man aus meinem Artikel „Sezession – Überfremdung und Abwanderung – Ein Gegenvorschlag“ ableiten. Wenn man von Ausländerrückführungsprogrammen träumt, dann ist natürlich Alltagsrassismus nicht relevant und sicherlich ein Fremdwort.

Es bleibt natürlich in Richtung der Sezession die Frage im Raum stehen: Was ist daran wahr, gut und schön?

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4 Responses to Die Sezession über alltäglichen Rassismus

  1. […] Ich habe es im letzten Absatz schon getan, ich schrieb von schwarzen Menschen. So nennt man schwarze Menschen, wenn die Hautfarbe irgendwie eine Rolle spielt, z.B. bei einer Vermisstenanzeige, bei rassistischen Übergriffen, oder wenn man kurz Rassismus erklären möchte, ansonsten ist die Hautfarbe doch eh egal, also außer für Rassisten natürlich. Da sich die Bezeichnung „Schwarze(r)“ in der modernen Welt, auch auf Wunsch schwarzer Menschen, verbreitet hat, kann man das Wort „Neger“ aus dem Sprachgebrauch streichen, es wird oftmals als Beleidigung aufgefasst. Und da man ja kein Arschloch sein möchte, sagt man einfach nicht mehr „Neger“, das ist doch ganz einfach. (Lesempfehlung von hier: Die Sezession über alltäglichen Rassismus) […]

  2. […] Da haben sich die guten, wahren und schönen Rechten wirklich einen ausgesprochen guten Ansprechpartner für ihre Kategorie gesucht. Man darf jedes mal wieder gespannt sein, was da den Lesern inhaltlich so erwarten wird! Wenn ich mir nun vorstelle, wie z.B. ein Götz Kubitschek ernsthaft „Politically Incorrect“ liest und sich dann auch noch denkt, das könne man ja mal in die Presseschau aufnehmen, dann bin ich wirklich irritiert. Aber man kann ja Menschen durchaus auch überschätzen. Und so geschehen in Schnellroda eben doch nicht nur geistige Höhenflüge. Frau Kositza nicht ausgenommen. […]

  3. […] Bei den guten, wahren und schönen Rechten ist Frau Kositza übrigens ebenfalls mal über das Wort “Neger” gestolpert. […]

  4. […] Altagsrassismus wurde anscheinend schlicht nicht verstanden […]

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