Wolfenbüttel schiebt ab – Pflichterfüllung und Deutsche Gründlichkeit gehen in die nächste Runde

Vor einigen Monaten habe ich über zwei Abschiebungen aus Wolfenbüttel berichtet. Hier ein Auszug:

„Am 18.06. berichtete die Braunschweiger Zeitung über eine Abschiebung. Abgeschoben wurde eine 21-jährige Frau mit ihren zwei kleinen Kindern in den Kosovo. Die Frau kam mit einem Jahr nach Deutschland, lebte also seit 20 Jahren völlig „normal“ und selbstverständlich unter uns. Die Abschiebung wurde kritisiert, mit Erfolg. Am 29.06. berichtete die Braunschweiger Zeitung, dass die Familie zurück dürfe. Nun sollte man eigentlich meinen, dass ein solcher Fall hohe Wellen schlägt und sich nicht wiederholt, dem ist leider nicht so.
(…) Am 14.07. schrieb die Braunschweiger Zeitung: „Gericht: Familie darf abgeschoben werden„. Und so kam es dann auch, eine weitere Abschiebung in den Kosovo. Dass die Familie ein Kind mit Behinderung hat, dass sie seit 13 Jahren hier unter uns leben, das alles ist nicht von Relevanz. Nicht einmal straffällig sind sie geworden, nichts dergleichen. Die mindestens bedenkliche Situation von Roma im Kosovo hätte relevant sein müssen, war sie aber nicht. Und nun herrscht Stille.
Ich habe keine Quelle gefunden, ob die junge Frau mit ihren zwei kleinen Kindern wieder wohlbehalten in Wolfenbüttel angekommen ist. Ebenso fehlen Informationen, wie es der zweiten Familie geht. Aus dem Leben aus dem Sinn.()“

Die junge Frau mit ihren zwei kleinen Kindern ist übrigens noch immer nicht wohlbehalten zurück in Wolfenbüttel, sie scheint für die Abschieber unauffindlich zu sein. Wie es der Familie ergangen ist, wie es ihnen jetzt geht: unbekannt.

Jetzt berichtet PRO ASYL über eine weitere Abschiebung aus Wolfenbüttel. Und dieses Mal hat man wohl den Vogel endgültig abgeschossen!

„Behördendilettantismus und mangelhafte Prüfung von Asylentscheidungen durch die Gerichte haben einen abgeschobenen Ruander in größte Gefahr gebracht. Dem am 14. Oktober 2009 nach Kigali/Ruanda abgeschobenen ruandischen Staatsangehörigen Innocent Irankunda droht eine jahrzehntelange Haftstrafe. Unmittelbar nach seiner Landung wurde er in Haft genommen und langen Verhören unterzogen. Zur Last gelegt werden dem Inhaftierten die Verbreitung von Genozidideologie, Verrat und die Fälschung von Dokumenten. Nach Auskunft der deutschen Botschaft droht ihm eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Die ruandische Presse spricht von möglicherweise 20 Jahren Haft, die Irankunda zu erwarten habe.()“

In der Braunschweiger Zeitung habe ich darüber bislang nichts gelesen. Vielleicht stellt man als Zeitungsmonopolist für die Region Wolfenbüttel/Braunschweig einfach die Berichterstattung ein, wenn es um solche Themen geht. Dann ist das Thema nämlich nicht öffentlich, eine andere Regionalzeitung gibt es ja nicht, aber das nur nebenbei. Es gibt ja das Internet und um eine weite Verbreitung der Informationen über diese weitere Abschiebung möchte ich an dieser Stelle bitten.

Ergänzung: Der Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags Victor Perli (Die Linke) hat ebenfalls auf die aktuelle Abschiebung hingewiesen. Sogar schon gestern. Auf der Homepage „Die Linke Wolfenbüttel“ findet sich ebenfalls ein Hinweis zur Nichtberichterstattung der Braunschweiger Zeitung. Der Abgeordnete Perli hat eine kleine Anfrage zu diesem Thema im Landtag eingereicht. Über den weiteren Verlauf werde ich hier berichten.

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2 Responses to Wolfenbüttel schiebt ab – Pflichterfüllung und Deutsche Gründlichkeit gehen in die nächste Runde

  1. Kein Mensch ist illegal! sagt:

    Die Kritik ist sehr berechtigt. In Wolfenbüttel weiß kaum jemand davon. Nur der Landtagsabgeordnete Perli hat Informationen veröffentlicht. Und es ist schon erstaunlich, dass die Hannversche Allgemeine über diesen Fall berichtet, nicht aber die Braunschweiger Zeitung.

    Florian: Ich habe den Hinweis auf Herrn Perli als Ergänzung in den Artikel aufgenommen.

  2. Lodmund der Alte sagt:

    Wie viele der z.Z. 6,7 Milliarden Menschen der Welt würdet Ihr gerne hier untergebracht sehen? Alle? Oder doch nur alle, die es wünschen? Der Gülleschwätzer Wiglaf Droste postulierte seinerzeit (da hattet Ihr noch keine Haare am Geschlecht) 100 Millionen, allerdings mindestens – (Mann Chef, is‘ dat nich ’n beten veel? – aus: Werner II, Schnapsbrennen).

    Florian: Nein, nicht alle. Dann würde ja die Erde umkippen und wir würden alle ins Universum fallen und sterben.

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