Die Blaue Narzisse und der Kern unserer Bildungsprobleme

Das ist nämlich alles ganz einfach. Weniger Studenten bringen mehr Platz in den Universitäten, jeder bekommt also einen Sitzplatz. Weniger Studenten sparen zudem jede Menge Geld. Weniger Studenten können dann auch besser betreut werden, das Niveau steigt. Die Abschlüsse der wenigeren Studenten sind dann mehr Wert und diese Studenten können dann wertvolle Beiträge für die Gesellschaft leisten, weil sie natürlich bessere Jobs bekommen, zudem irgendwann Einfluss und Macht. Eine klassische Win-Win-Situation für die Beteiligten. Doch wer möchte denn freiwillig nicht studieren? Wer hat was von freiwillig gesagt?

Die Neue Rechte macht sich da natürlich so ihre Gedanken, immerhin arbeitet man ja fleißig an einer Gegenöffentlichkeit, erhofft sich mehr politischen und kulturellen Einfluss und gehört intellektuell, zumindest in der Selbstwahrnehmung, zu den ganz Großen. Und mit dieser Selbsteinschätzung fällt es einen Felix Menzel natürlich nicht schwer, mal eben „seinen Ansatz“ zu formulieren:

„(…) Zuletzt noch zu den inhaltlichen Forderungen der Studenten: Diese lassen sich auf “Mehr Geld” und “Mehr Mitbestimmung” reduzieren und befassen sich damit nicht mit dem Kern unserer Bildungsprobleme. Mein Ansatz: Wir müssen weg von der Massenuniversität hin zu einer echten Elitenbildung.

Interessant, wie man sich im Ansatz schon täuschen kann! Wo diese zukünftigen Eliten rekrutiert werden, welche Maßstäbe angesetzt werden sollen, man kann es nur vermuten. Es ist alerdings mehr als ein Verdacht, wenn man interpretiert, wer dabei wohl auf der Strecke bleibt. Der linke Pöbel und die Ausländer, um es mal in neurechter Sprache ganz deutlich zu sagen.

Denn während unser Bildungssystem ganz klar Menschen benachteiligt, die finanziell schlecht dastehen, möchte Menzel durch eine gezielte Elitenbildung noch einen draufsetzen. Das Argument, man könne ja auch gezielt aus diesen „unteren“ Schichten fähiges Personal fördern halte ich für verlogen. Das nur schon vorweg, falls es jemand auf den Lippen hat. Denn daran wird man bei der Blauen Narzisse sicherlich keinen ernsthaften Gedanken verschwenden.

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4 Responses to Die Blaue Narzisse und der Kern unserer Bildungsprobleme

  1. Guess who sagt:

    „Die Abschlüsse der wenigeren Studenten sind dann mehr Wert und diese Studenten können dann wertvolle Beiträge für die Gesellschaft leisten, weil sie natürlich bessere Jobs bekommen, zudem irgendwann Einfluss und Macht.“

    Nicht abstreiten kann man, dass diese Bildungselite nach der Ausbildung sicherlich bessere Jobs bekommt. Dass das Innehaben eines „besseren Jobs“ und die (denkt man diesen Elitegedanken zuende) damit verbundene Macht, bzw. der Einfluss allerdings wirklich zu „wertvollen Beiträgen für die Gesellschaft“ führt, zweifele ich in den allermeisten Fällen jedoch strikt an. Meist ist es so, dass diese Positionen lediglich zu privater Bereicherung, Machtkonsolidierung und Machtausbau, Vetternwirtschaft und Interessenklüngel führen, die eben die Gesellschaft nicht voranbringt, sondern lediglich die Mitglieder der Elite.

    Übrigens: Fundstück der Woche 🙂

    Florian: „Der wertvolle Beitrag für die Gesellschaft“ war aus deren Sicht gemeint, nicht aus Sicht der richtigen Gesellschaft. Deshalb ja auch die Win-Win-Situation für DIE Beteiligten und eben nicht für alle.

  2. Lodmund der Alte sagt:

    Uns führt der Florian Röpke an, heijo, hoho, den Sowietstern führt er in der Fahn‘, heijo, hoho…
    Spearmen ho, forward go, let on the castles roof the red cock crow…

    Florian: Alles klar bei Ihnen?

  3. Guess Who sagt:

    Eben dieser Ausdruck war dann wohl das Missverständnis. Denn es ist ja nicht für DIE Beteiligten eine Win-Win-Situation. Die Otto-Normalbürger sind ja auch beteiligt, da deren Steuergelder auch in Hochschulen wandern, die die Eliten dann produzieren… und diese Normalbürger haben eben in den meisten Fällen ja nur sehr wenig davon. Diese Elitenbildung erfolgt ja nicht NUR in Form von Studiengebühren etc. über die Eigenfinanzen derer, die später die Elite bilden (oder deren Eltern) und somit dem Ausschluss von Armen, sondern ebenso durch die Verwendung der Steuergelder AUCH der armen Schichten.

    Da kam dann die Ironie deiner Worte wohl nicht ganz an.

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