Blaue Narzisse: Überwindung der Überfremdung

Felix Menzel philosophiert über das Minarettverbot und eine gestoppte Umfrage von Spiegel-Online

Spiegel-Online hatte das Minarettbauverbot der Schweiz zum Anlass genommen eine entsprechende Umfrage zu starten. Diese Umfrage wurde inzwischen gelöscht. Ich selbst kann sie ebenfalls nicht mehr finden. Wenn es stimmt, was Felix Menzel schreibt, dann hatte die Umfrage kurz vor der Löschung ca. 27000 Teilnehmer und über 70% davon votierten für ein Minarettverbot in Deutschland. Gedanken darüber, wie repräsentativ eine solche Umfrage ist, bzw. überhaupt sein kann, darüber verliert Menzel leider kein Wort. Denn obwohl ich auch glaube, dass ein Volksentscheid in Deutschland zu einen ähnlichen Resultat führen würde wie in der Schweiz, so bleibt bei der Spiegel-Online Umfrage natürlich offen, wer da abgestimmt hat (vieleicht sogar doppelt und dreifach) und aus welchen Beweggründen. Soll heißen, den Verweis zu dieser Umfrage habe ich auf diversen rechten Internetseiten gefunden – mit der Aufforderung für ein Verbot zu stimmen – allerdings nicht auf anderen Seiten eine gegenteilige Aufforderung, bzw. überhaupt den Verweis auf die Umfrage. Ich möchte hier aber generell den repräsentativen Charakter solcher Umfragen in Frage stellen, egal wie das Ergebnis am Ende auch sein mag. Ein Menzel verbucht das natürlich als Vertuschung:

„Inzwischen hat der Spiegel die Umfrage gelöscht, da sie wohl unangenehme Wahrheiten zu Tage befördert hat.“

Menzel möchte nun die Leser vielleicht entäuschen und hat eine andere Meinung zum Thema Minarettverbot. Anders wohl in Bezug auf seine rechten Mitstreiter. Und tatsächlich, im ersten Moment war ich tatsächlich überrascht: Menzel verweist auf die Religionsfreiheit.

Aber dann legt er los, denn Minarette seien ja nicht das eigentliche Problem (Hervorhebungen von mir):

„(…) Wir haben aber in Deutschland ein viel größeres Problem – nämlich das der Überfremdung und schleichenden Islamisierung. Es geht eben nicht um ein paar kleine Minarette, sondern um dasZusammenleben einer aggressiven, wachsenden, millionenstarken Minderheit aus einem anderen Kulturkreis mit dem deutschen Volk. Und da ist es leider bereits fünf nach (!) zwölf. Die deutsche Politik hat die Islamisierung selbst groß gezüchtet und nun haben wir den Salat. In der jetzigen Situation, in die uns die Multikulti-Ideologen gebracht haben, tritt aufgrund der entstandenen, natürlichen Fronten (Wir und die Anderen) die individuelle Freiheit in den Hintergrund und die Bewahrung der eigenen Kollektiv-Identität wird zur dringendsten Aufgabe. (…)“

Diese Passage ist dann wohl auch der Grund, warum Menzel dann doch sagt, er hätte auch für das Minarettverbot gestimmt. Also dann doch keine Religionsfreiheit, zumindest nicht für den Islam. Denn ein Minarettverbot sei ein „symbolischer Akt und eine Machtdemonstration, um die eigene Identität zu verteidigen“.

Soweit so interessant typisch. Aber was möchte denn Menzel nun tun gegen diese „Überfremdung“ und die „schleichende Islamisierung“? (Hervorhebungen wieder von mir):

„(…) Damit gelangen wir zur Bedeutung der Volksabstimmung in der Schweiz für uns: Ich halte es für einen Irrglauben, daß durch demokratische Prozesse auf Bundesebene die Überfremdung in Deutschland überwunden werden kann. Wer daran glaubt, unterschätzt den Selbsterhaltungstrieb unserer politischen Eliten. Es helfen hierzulande weiterhin ausschließlich private und auf kommunaler Ebene ansetzende Initiativen, die die Probleme vor Ort wirkungsvoll bekämpfen. Alles andere ist Träumerei und führt im schlimmsten Fall dazu, daß wir mit Placebobonbons (wie z.B. einer nichtigen Volksabstimmung) ruhig gehalten werden und nicht zur Tat schreiten.

Was ist das eigentlich, was Menzel da so selbstverständlich „Überfremdung“ nennt und gegen die es keine demokratischen Mittel und Wege gibt? Ich übersetze das mal alles in eine deutlichere Sprache.

Was Menzel eigentlich sagen wollte: „Fremd sind Ausländer aus anderen Kulturkreisen, denn nur die nehme ich wahr und zwar negativ. Da ich nur mit meinen neurechten Kameraden zu tun habe und mit anderen Menschen nur selten rede, fallen mir z.B. Menschen polnischer Herkunft nicht auf, die sehen ja so aus wie ich. Die ethnischen Unterschiede sind nämlich eigentlich auch wichtig, wenn es um das deutsche Volk geht, bzw. seinen Erhalt, aber das möchte ich hier jetzt lieber nicht weiter ausführen. Denn sonst werde ich von den Schuldkult- Holocaustreligionsanbetern- Multi-Kulti-Ideologen- Antifanten- Gutmenschen- Deutschen mit der Nazi-Keule erschlagen.

Und da ich mich jetzt nicht so recht traue, meine Meinung zu sagen bleibe ich unkonkret und lasse mir Hintertüren offen. Eigentlich kann man „Überfremdung“ nämlich nur stoppen, indem man das Fremde verbietet oder den Fremden sagt, sie sollen bitte gehen. Da ich natürlich nur Ausländer meine, die meiner deutschen Volksidentität in die Quere kommen, also Türken, Araber und wie sie alle heißen, verbitte ich mir die Wörter „Ausländerfeindlichkeit“ und „Xenophobie“. Und da ich andere Kulturen gut finde, nur nicht in Deutschland und ethnische Unterschiede nunmal vorhanden sind, nur eben meistens nicht Kompatibel mit meiner deutschen Leitkultur, verbitte ich mir auch „Rassismus“.

Also: Wir brauchen überall Leute, die denen sagen, dass sie hier nicht erwünscht sind! Und Gegenöffentlichkeit: Die Deutschen müssen bescheid wissen! Schürt Ängste, behauptet einfach irgendetwas, hauptsache es wirkt. Und wer jetzt wieder behauptet es ginge im Kern um „Ausländer raus!“, der hat nicht verstanden. Und zwar weil ich das so will und Kubitschek auch und andere auch meiner Meinung sind.“

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6 Responses to Blaue Narzisse: Überwindung der Überfremdung

  1. NDM sagt:

    Was Online-Umfragen angeht:

    Es gibt Programme, die eigentlich Webdesignern zur Qualitätssicherung dienen, mit denen man vollautomatisiert Umfragen fälschen kann. Je nach Internetanbindung und Geschwindigkeit des Rechners kann eine einzelne Person locker während des Mittagessens >50 Stimmen/min abgeben. Beobachten konnte ich derartiges in der Vergangenheit einmal live, im Zusammenhang mit Pro-NRW und einem Kommentar bei WELT-Online. Ein Kommentar, der zur Wahl von Pro-NRW aufrief, hatte innerhalb ca. 30 Minuten beinahe 2.000 mal „Zustimmung“ erhalten. Vor und nach diesen 30 Minuten änderte sich der Zähler praktisch nicht. Es liegt an den Verlagen, die Umfragesysteme fälschungssicherer (eine Stimme Pro IP statt einer Stimme pro Cookie) zu machen.

    Zum Rest: Zustimmung. Konservativ ist es nicht, was der Mann da schreibt. Inhaltlich passt es auch in die Deutsche Stimme.

  2. […] philosophiert über das Minarettverbot und eine gestoppte Umfrage von Spiegel-Online. Florian Röpke übersetzt Menzels Geschwurbel von “einer aggressiven, wachsenden, millionenstarken […]

  3. Nikita Bondarev sagt:

    „Scheiß Schweizer! Zuerst Steueroase – nun Nazi-Paradies!“ – „Durch diese hohle Gasse muss der Rechtspopulist kommen“ – ironische Artikel zu diesem Thema –

    hxxp://freidemzen.wordpress.com/2009/11/29/scheis-schweizer-zuerst-steueroase-%E2%80%93-nun-nazi-paradies/

    hxxp://freidemzen.wordpress.com/

    Genau, wie wir alle dachten – zwar waren zwei Antwortmöglichkeiten erlaubt aber eigentlich doch nur eine gestattet – „Für den Minarettbau heißt: aufgeschlossen, aufgeklärt, intelligent; gegen ebendiesen heißt nun mal: intolerant, rechtsextrem, faschistisch! Da kann man ja eigentlich nicht so viel falsch machen! Macht das Kreuzchen, wo es hingehört und alle sind glücklich!“
    ansonsten wird diffamiert und kräftig mit der braunen Keule geschwungen – so funktioniert Demokratie – aber irgendwie stinkt Demokratie ja!
    Toll, dass auch noch alle wissen wieso genau die Schweizer sich so entschieden haben. Und zwar aus den falschen Gründen…
    Ich rufe auf die Wahlen dann einfach abzuschaffen, so wird immer richtig entschieden!

    Nikita Bondarev

    Florian: Bitte die Eigenwerbung nicht übertreiben. Und vielleicht das Geschriebene nochmal überdenken. Wie alt sind Sie, 14?

  4. Info sagt:

    Merkt euch eins: Das Phänomen Neue Rechte ist nicht zwingend etwas anderes als das Phänomen Rechtsradikalismus. „Neue Rechte“ ist immerhin ein Eigenname der französischen Counterparts (Nouvelle Droite), in Deutschland lehnt Dieter Stein den Begriff für sich ab, Kubitschek benutzt ihn für sich selbst.

    Es ergibt keinen Sinn, den Eigennamen einer Spielart des Rechtsradikalismus als objektiven politikwissenschaftlichen Begriff anzuerkennen, und dann aus einem bloßen (Eigen)Namen auch noch abzuleiten, dass die Vertreter dieser Neuen Rechten weniger radikal seien als zB die DVU oder bestimmte Reps.
    Die „Argumentation“, (Neo)Faschismus müsse ja notwendig etwas anderes sein als die Neue Rechte, weil es ja zwei verschiedene Worte gibt, erfüllt keinen Sinn. Die Neue Rechte ist in der Tat eine Variante des Faschismus (nicht an der Macht und in Nichtkriegszeiten natürlich derzeit etwas schwächer als der Kriegsfaschismus, aber Grundkategorien, die Ideen, sowie die Ziele sind die selben; außerdem gibt es eine ungebrochene ideengeschichtliche Entwicklungslinie – vgl. Konservative Revolution oder faschistische Theoretiker wie Nae Ionescu, der aus dem Kreis der altfaschistischen Eisernen Garde stammt, welche Hitlerverbündete waren) und ist in ihren Zielsetzungen rechtsradikal, in ihren Methoden aber verwendet sie Mimikry und erscheint daher meist (aber nicht immer) „gemäßigter“.

    Die Neue Rechte baut, zumal in der Kubitschek-Spielart, auf dem völkischen Gedanken auf, welche gegen die Verunreinigung des deutschen/germanischen Blutes ankämpfte, und ist somit im Kern rassistisch.

    Kubitschek und Pierre Krebs sind – trotz Mimikry – ohne Zweifel rechtsradikal und nicht „konservativ“.
    Dieter Stein und Alain de Benoist in Frankreich befinden sich an der Scharnierstelle, und tendieren eher zu Rechtskonservatismus und starkem Rechtsliberalismus. Rechtsradikal kann man die beiden letztgenannten (derzeit) nicht (mehr) nennen. Zumal Benoist.

  5. Lodmund der Alte sagt:

    Daß jedermann lesen lernen darf, verdirbt auf die Dauer nicht nur das Schreiben, sondern auch das Denken.
    Einst war der Geist Gott, dann wurde er zum Menschen, und nun wird er gar noch Pöbel. – F.Nietzsche – …Er scheint Euch gemeint zu haben…

    Florian: Ja, er wird ganz bestimmt mich gemeint haben.

  6. […] Rechte: Immer wieder Überfremdung By Florian Im Artikel „Überwindung der Überfremdung“ habe ich ja mal für Felix Menzel, bzw. die Neue Rechte, Tacheles geschrieben. Das klang […]

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