Leitbegriffe – „ein metapolitischer Meilenstein!“

Im neurechten Verlag Edition Antaios ist der erste Band des „Staatspolitischen Handbuchs“ erschienen. Auf ca. 200 Seiten werden über 100 Begriffe aus konservativer Sicht definiert. In der Buchbeschreibung heißt es:

„Begriffe sind dazu da, die Wirklichkeit zu beschreiben – oder sie zu verschleiern. Wer weiß, wovon er spricht, findet über kurz oder lang Gehör, gerade auch in der politischen Auseinandersetzung. Dort gilt seit jeher: Wer die Begriffe definieren und setzen kann, gewinnt die Deutungshoheit.“

Einige dieser zu definierenden Begriffe sind z.B. Abendland, Dekadenz, Weltbürgerkrieg und Anarchie. Schon alleine diese vier Begriffe sind neurechtes Standardvokabular und deren konservative Neu-Definitionen werden wohl das rechte Milieu nicht verlassen. Natürlich wird sich das Buch gut verkaufen, aber es wird nicht den gewünschten Effekt erzielen, nämlich Deutungshoheit. Es sei denn man definiert Deutungshoheit in diesem Fall einfach neu (Weil wir die guten, wahren und schönen Rechten sind und die Begriffe jetzt so im Staatspolitischen Handbuch stehen,  sind sie auch richtig!), oder man bezieht die Deutungshoheit ausschließlich auf das eigene rechte Milieu. Und das ist auch nicht abwegig, denn gerade Götz Kubitschek diskutiert nicht gerne, er stellt fest und ärgert sich, wenn es interne Ausreißer gibt. Dann stellt er in dieser Unzufriedenheit gerne mal die Frage „Wie weiter?“ und dies auch gerne in X-Teilen, oder er veröffentlicht einen Ordnungsruf, wie er erst kürzlich den „jungen Männern“ gewidmet war, die in ihrer „unreife“ die falsche Meinung vertraten und somit den „alten Herren“ in die Quere kamen.

Ich sehe daher diesen ersten Band „Leitbegriffe“ als zweiten Versuch, intern endlich die gewünschte Homogenität herzustellen. Auf Dauer sind die zwei-drei Dutzend Männer nämlich zu wenig. Die „konservativ-subversiven Aktionen“ hatten nicht den erhofften Nachahmereffekt und auch ansonsten tritt man eher auf der Stelle.  Zu viele Personen kochen da ihr eigenes neurechtes Süppchen.

Der erste Versuch diese Homogenität herzustellen war das erste Buch der Reihe Kaplaken von Karlheinz Weißmann „Das Konservative Minimum“. Auch dieses Buch wurde begeistert aufgenommen, gerne zitiert, aber nie wirklich umgesetzt. Vielmehr wurde über den Inhalt diskutiert und gestritten, man war nicht Willens, dieses Minimum, den Grundkonsens, anzunehmen. Das zeigt natürlich: Es gibt nicht DIE „Neue Rechte“, sondern nur einen harten Kern um das Institut für Staatspolitik herum und dann viele Personen die sich zugehörig fühlen.

Grundprobleme dieser Rechten im Allgemeinen sind zwei Dinge: 1. Während man sich selbst gerne differenziert betrachtet sieht, besitzt man selbst diese Fähigkeit der Differenzierung nur ungenügend. Begründen möchte ich diese Annahme mit 2. der geistigen Inzucht! Die Rechte schmort im eigenen Saft. Was nicht sein darf, das kann auch nicht sein. Provokativ zugespitzt möchte ich behaupten, der Drang nach Deutungshoheit, die gewollte Gegenöffentlichkeit,  beides beruht auf einer rechten „Gegenrealität“, in der man sich befindet.

Wenn Herr Kubitschek im aktuellen Antaios-Rundbrief nun schreibt: „(…) Ich halte diese neue Reihe für einen metapolitischen Meilenstein. So etwas können nur wir (…)“, dann mischt sich diese „Gegenrealität“ mit dem Zweckoptimismus eines rechten Verlegers.

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6 Responses to Leitbegriffe – „ein metapolitischer Meilenstein!“

  1. […] Um die eine oder andere Andeutung zu erklären ein älterer Artikel: Leitbegriffe – “ein metapolitischer Meilenstein!” […]

  2. […] Leitbegriffe – Das Konservative Minimum war nicht genug?! […]

  3. […] wird es nicht geben. In Bezug zum Buch “Leitbegriffe” hatte ich schon diverse Anmerkungen gemacht, die in die gleiche Richtung gehen. Es “mischt sich (…) ‘Gegenrealität’ […]

  4. […] ähnlich gab es das schon einmal, willkommen in der “Gegenrealität”… Finanziell könnte sich das aber durchaus […]

  5. […] zur bestätigten Gemeinnützigkeit, zur Feier des Jahres gibt es aber nächste Woche den „metapolitischen Meilenstein“, das Buch „Leitbegriffe“ kostenlos im Internet. Und ihre Netzseite haben sie […]

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