Den Rechten auf’s Maul geschaut (9)

Dietmar Munier, rechtsextremer Verleger und Herausgeber des monatlich erscheinenden Magazins „Zuerst!“, gab dem rechtsextremen Portal „Gesamtrechts“ das zweite Interview. Natürlich ist er sehr zufrieden usw. usf. und sagt dann das:

„Die linke TAZ hat über das Erscheinen berichtet und Mathias Brodkorb von ENDSTATION RECHTS hat uns mit Komplimenten geradezu überschüttet: “ZUERST! ist also in Sachen Professionalität und Ausrichtung eine nicht zu unterschätzende ‚Bereicherung‘ der publizistischen Landschaft von rechts.”(…)“

Ohne Herrn Brodkorb da zu nahe treten zu wollen, ähnliche Komplimente erhält er auch hin und wieder von der „Neuen Rechten“. Naja, wenigstens wird sich artig bedankt, wenn die „Differenzierung“ mal wieder sehr wohlwollend ausgefallen ist…

Meinen Senf zu Zuerst! gibt es hier, an dieser Meinung hat sich auch nichts geändert.

Und nochmal zur Erinnerung die Selbstdarstellung von Zuerst!, da habe zumindest ich keine Fragen mehr:

Die starke Stimme für deutsche Interessen!

Deutschland soll deutsch bleiben (Umvolkung, Multikulti, Integration, Asyl, Islam)

Deutschland soll souverän sein (Europa, Lissabon-Vertrag, Zahlmeister Deutschland)

Deutschland soll Leistung belohnen (Arbeit, Elite, Forschung, deutscher Geist)

Deutschland soll seine Würde bewahren (Schuldkult, Tradition, historische Wahrheit)

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3 Responses to Den Rechten auf’s Maul geschaut (9)

  1. Brodkorb sagt:

    Herr Röpke, meinen’s nicht, dass Sie sich gerade von Munier instrumentalisieren lassen? In der Tat habe ich „Zuerst“ attestiert, recht professionell zu sein. Das kann man ja auch nicht bestreiten. Allerdings ist meine Analyse kein „Kompliment“, wie Herr Munier meint, sondern eine Warnung – und zwar an uns selbst. Das kann man ganz leicht feststellen, wenn man nicht Muniers selektiver Zitation folgt, sondern den ganzen dazu gehörigen Absatz liest:

    „Dieter Stein ist stolz darauf, dass sich die Leser der JF überdurchschnittlich aus einem sozial gehobenen und akademisch gebildeten rechten Milieu speisen. Ein Nachrichtenmagazin hingegen, das sich an Bahnhofskiosken ebenso behaupten soll wie im Zeitschriftenfachgeschäft, muss intellektuell und politisch anders vorgehen. Auch hieraus erklärt sich – neben der Mitarbeit Günther Deschners und Manuel Ochsenreiters sowie weiterer konservativer Autoren – der eher gemäßigte Kurs des zutiefst parteiischen Blattes, den Deschner salomonisch als „im Zweifelsfall jedenfalls nicht links“ umschreibt. Dass dies nicht nur geschieht, um nicht auf den mit dem Magazin verbundenen erheblichen Kosten sitzen zu bleiben, sondern auch, um in aller Behutsamkeit weitere NS-Nostalgiker für die Bücher der eigenen Verlage zu gewinnen, kann kaum überraschen. „Zuerst!“ ist also in Sachen Professionalität und Ausrichtung eine nicht zu unterschätzende „Bereicherung“ der publizistischen Landschaft von rechts – gerade weil das Nachrichtenmagazin so gemäßigt daherkommt und sein Verleger dennoch keine Fragen über seine eigene politische Verortung offen gelassen hat. Spannend bleibt daher nur die Frage, ob und wie lange sich konservative Rechte zu diesem Zwecke instrumentalisieren lassen wollen. Munier jedenfalls sieht selbst dann keinen Grund auf „romantische Stauffenberg-Verehrer“ zu verzichten, „wenn sie vielleicht nur für eine Etappe des Weges hilfreich sind.““

    Man sollte diese Postille eben nicht unterschätzen – das ist die eindeutige Botschaft und nichts anderes. Und dass dabei „Bereicherung“ unter Anführungszeichen stand, hat auch so seinen Grund. Merkwürdig, dass man auf so etwas auch noch hinweisen muss…

    Hallo Herr Brodkorb. Die „Bereicherung“ steht doch auch im von mir verwendeten Zitat in Anführungszeichen, wenn auch in einfachen, dass man auf so etwas auch noch hinweisen muss…
    Eine Instrumentalisierung möchte ich von mir weisen, im Gegenteil aber anmerken, dass ihre „Differenzierungen“ offenbar nicht nur innerhalb der „Neuen Rechten“ hin und wieder als „wohlwollend“ aufgenommen werden, siehe eben Munier. Aber diesen Kritikpunkt habe ich ja bereits in der Vergangenheit geäußert („Ausländer-raus!-Mentalität“ von Kubitschek und Co.), sie nennen es „Vorsicht“, ich habe dafür bis zu einem gewissen Punkt auch Verständnis und insgesamt kommen wir da wohl nicht auf einen Nenner. Was aber auch nicht weiter schlimm ist, ich persönlich finde verschiedene Perspektiven und Standpunkte durchaus spannend und sinnvoll, gerade auch für Lerserinnen und Leser auf der Suche nach Informationen.

  2. Herr Röpke, was ich meinte, war, dass Sie selbst – ohne Anführungszeichen – von „Komplimenten“ sprechen und damit einer Instrumentalisierung meiner Texte auf den Leim gehen – und das ist nur möglich, wenn man die Anführungszeichen beim Wort „Bereicherung“ in der Sache ignoriert. Und selbstverständlich werden solche Texte instrumentalisiert: So platt kann man doch gar nicht schreiben, dass nicht irgendwann ein Idiot vorbei kommt und sich durch selektive Zitation seine Suppe daraus kocht. Man muss sich halt entscheiden, was man will: ob in einer offenen Gesellschaft schreiben, was man für wahr hält – oder sich stets auf die Zunge beißen und die Frage stellen, ob dann wieder ein Herr Munier vorbei kommt und daraus etwas anderes macht. So zu schreiben, bedeutete aber am Ende, sich von den Muniers dieser Welt den Stift führen zu lassen. Ich schreibe daher lieber, was ich denke. Aber, sei’s drum. Wir müssen da ja nicht einer Meinung sein, wollte es nur klargestellt haben.

    Florian: Aber genau das möchte ich Ihnen doch auch zugestehen und verweise aus genau diesem Grund auf unterschiedliche Meinungen, wohl auch unterschiedliche Perspektiven. Weder Sie, noch ich, lassen sich dabei den Stift von einem Munier führen. Und ganz ehrlich, diesen Diskussionsverlauf fand ich damals ärgerlich, seitdem versuche ich auf ER solchen Sachen aus dem Weg zu gehen. Und eine Passage aus dem E-Mail-Wechsel mit Broder hat mich dann jetzt nachträglich auch irritiert, finde ich rätselhaft.

  3. […] ich sehe mich bestätigt, hier zitiere ich mich mal selbst: “(…) aber anmerken, dass ihre “Differenzierungen” offenbar nicht nur innerhalb der […]

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