Gedanken zu einer Einladung zum geistigen Selbstmord

Als Gastautorin schreibt Monika Maron auf der „Achse des Guten“ ihre „Einladung zum geistigen Selbstmord„, erschienen ist der Artikel auch im Spiegel vom 25.01.10. Soviel zur Einleitung und ich möchte den Text auch nicht detailliert diskutieren, sondern mir lediglich einige Häppchen nehmen, die ich besonders „bemerkenswert“ finde.

„(…) Am klarsten erkennbar ist das Interesse all derer, die einen größeren Einfluß der Kirchen wünschen, denen der Säkularismus, egal ob in islamischen oder christlichen Ländern, nicht erstrebenswert ist, und die darum in Necla Kelek und anderen säkularen Muslimen Gegner der eigenen Vorstellungen und Ziele sehen. Man könnte fast fürchten, für sie sei die Scharia, gemessen an einem drohenden Atheismus, das kleinere Übel. (…)“

Mich nervt ja in der Diskussion generell der religiöse Anspruch und in Teilen auch der religiöse Anstrich. Als Agnostiker fühle ich mich zudem in der Diskussion schlecht bis überhaupt nicht vertreten. Für eine angemessene Islamkritik sollte eine Schützenhilfe von christlicher Seite ohnehin gemieden werden, da bin ich ganz ehrlich und wünschte mir zudem mehr Nüchternheit und Augenmaß. Ausserdem sehe ich eine Islamkritik im engeren Zusammenhang mit einer Religionskritik. Alleine diese Zuordnung würde für mich schon etwas mehr Klarheit fördern und dann auch die eine oder andere Perspektive näher beleuchten. Die Befürchtung, die Scharia sei für die Vertreter eines größeren Einflusses der Kirche, „gemessen an einem drohenden Atheismus, das kleinere Übel„, halte ich allerdings für völlig absurd. Da Frau Maron hier ohne konkrete Beispiele bleibt und auch weder Urheber noch Interessenten benennen kann oder möchte, die ihren Befürchtungen zumindest einen rationalen Kern geben könnten, scheint das Gesagte, bzw. Geschriebene wohl keiner Beweisführung standhalten zu können.

„(…) Nun sind in Westeuropa die Grundbegriffe der Demokratie keine Gebote, sondern Gesetze, zu denen man sich nicht bekennen, aber die man befolgen muß, wenn man hier lebt. Dazu gehören die Meinungsfreiheit, auch Religionsfreiheit, die Selbstbestimmung des Individuums, eine weitgehende Trennung von Kirche und Staat und die Gleichstellung der Frau. Nichts anderes fordern die gescholtenen Kritiker des Islam. Sie verteidigen, was ihnen in einer, in unserer, freiheitlichen Gesellschaft kostbar ist. Wer sie attackiert, hält ihren Anspruch anscheinend für unangemessen.(…)“

Während ich ihre Ausführung zur Demokratie durchaus unterschreiben kann, halte ich ihre Schlussfolgerung wieder für völlig absurd, schon wegen der völlig unangemessenen Verallgemeinerungen. Hatte denn Frau Maron keine Zeit, ihre vagen Formulierungen durch konkrete Fakten und Beispiele zu ersetzen. Es wird so niemals eine vernünftige Diskussion geben und somit auch niemals irgendein akzeptables Ergebnis, oder eine Grundlage. Alleine schon folgendes: Wer Kritiker kritisiert „hält ihren Anspruch anscheinend für unangemessen„. Geht es noch pauschaler? Warum sollte ein Kritiker nicht kritisiert werden, impliziert das nicht seine Selbstbezeichnung als Kritiker? Da wird also zuerst der Kritiker als potentieller Retter der Grundrechte aufgestellt und Kritiker der Kritiker müssen dann automatisch auf der anderen Seite stehen, gegen Grundrechte. So funktioniert das nicht. Zumal da auch die Frage zu klären wäre, ob denn Islamkritiker, während sie um die Grundrechte kämpfen, diese selbst auch verinnerlicht haben. Denn genau dort ist doch der Übergang zur Islamophobie, denn jede Kritik hat auch Grenzen, dieses Wort Islamophobie findet sich bei Frau Maron übrigens nicht. Und Kritiker der Kritiker können und müssen auf diese Grenzen hinweisen, der „Anspruch“ ist nämlich nicht über jeden Zweifel erhaben.

„(…) Wären die kämpferischen Kritiker der Islamkritiker in einer islamischen Kultur aufgewachsen, wie Necla Kelek, oder hätten sie, wie ich, den größten Teil ihres Lebens in der DDR verbracht, wären ihnen die westlichen Werte, bei all ihrer Unvollkommenheit, vielleicht wertvoller.(…)“

Also hier wird es nun fast schon unverschämt, wäre der Tonfall nicht so weinerlich. Es ist sicherlich dünnes Eis, auf das ich mich da begebe, aber die Ex-Raucher sind immer die militantesten Nicht-Raucher. Ich bitte diesen Vergleich zu entschuldigen und er soll sicherlich nicht menschliche Schicksale verharmlosen, vielleicht ist der Vergleich aber auch nur der Lektüre diverser Broder-Ausfälle geschuldet.

Was für mich bleibt:

Islamkritik ist richtig und wichtig, muss aber konkret und differenziert sein, zudem hat sie Grenzen. Wem da der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen ist, der kann es mit Moral, im Zweifel einfach mal mit den genannten Grundrechten versuchen.

Der Islam ist eine Religion, Anhänger einer Religion unterscheiden sich innerhalb einer bestimmten Religion immer in der konkreten Ausübung, bis hin zu einem „Extremismus“. Verallgemeinerung und Pauschalisierungen, in diesem Fall „der Islam“ sind nicht nur falsch, sondern in Anbetracht des eigentlichen Wissensstandes fahrlässig.

Und: Es scheinen sich tatsächlich die Fronten so verhärtet zu haben, dass die gesamte Diskussion schon als problematisch bezeichnet werden kann. Da nahezu jede Meinung irgendwo dann auch publiziert wird, hier ist es der Spiegel, kann doch eine Meinungsfreiheit im Kern nicht bedroht sein, weder durch „den Islam“, noch durch die Kritiker der Kritiker (oder dann deren Kritiker).

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