Blaue Narzisse: Tränen, Indianer und ein offener Mund

Es ist natürlich eine Frage der Perspektive. Wer möchte, der kann und darf natürlich trauern, wer sollte das auch verbieten. Und so glaube ich persönlich nicht, dass man in Deutschland nicht auch um Tote der beiden Weltkriege trauern darf. Was man allerdings dabei unbedingt bedenken und beachten sollte: Die Geschichte. Und an der Geschichte kommt man nicht vorbei. Das heißt, wer auch oder gerade um „deutsche“ Tote trauern möchte, der darf die unzähligen anderen Toten nicht verschweigen. Hierzu wurde schon viel gesagt und auch geschrieben. Wer „A“ sagt muss eben auch „B“ sagen, wäre hier vielleicht der entsprechende Volksmund.

Ein Beispiel dafür, wie man versucht dem „A“ kein „B“ folgen zu lassen, liefert der anonyme Autor Joschka Pfuscher bei der Blauen Narzisse. Dabei stellt er sich allerdings sehr ungeschickt an, seine Vergleiche wirken im Kontext eher albern und noch dazu ist der gesamte Artikel insgesamt eher etwas für den Papierkorb. Aber damit ist er bei einer „Neuen Rechten“ in bester Gesellschaft.

„Ein Indianer weint nicht. Ein Indianer schluckt seine Tränen herunter. Dieses Gebot gilt seit 1945 bekanntlich auch für deutsche Indigene: wie immer man mit ihnen umgeht, sie haben es zu schlucken. Der politischen Schickeria sind die Gedenkfeiern zur Dresdner Bombennacht daher vor allem deshalb unheimlich, weil die Deutschen dort etwas tun, was sie nicht sollen: sie weinen, und wer weint, ist nicht mehr willens zu schlucken. Seit 1945 lastet das große Schweigen über unserem Land (…) Seit jener Zeit lastet eine innere Totenstille über unserem Land. (…) Aus Sicht der herrschenden Schickeria ist die Trauer in Dresden daher tatsächlich gefährlich: wenn ein Volk anfängt, seine verschwiegenen Toten zu beklagen, wird es eines Tages auch nicht mehr bereit sein, über andere verdrängte Wahrheiten zu schweigen. Denn wer endlich angefangen hat zu weinen, hat auch angefangen seinen Mund zu öffnen.“

Zugegeben, ich habe den Text sehr stark gekürzt, in voller Länge kann man ihn aber hier nachlesen, so denn Bedarf besteht. Also und generell: Es gibt einen Unterschied zwischen „weinen“ und „jammern“, dann gibt es ebenfalls einen Unterschied zwischen „ehrlicher Trauer“ und „instrumentalisierter Trauer“, ferner würde mich interessieren, um welche „andere(n) verdrängte Wahrheiten“ es sich da konkret handeln soll. Geht es hier im zweiten Schritt  um die „Schuldfrage“, nachdem man im ersten Schritt die Deutschen als Täter ausgeblendet und die Deutschen als Opfer eingeblendet hat? Ansonsten habe ich keine Fragen mehr und wie immer häufiger hier im Blog, überlasse ich weitere Gedanken den Leserinnen und Lesern.

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One Response to Blaue Narzisse: Tränen, Indianer und ein offener Mund

  1. […] vorbei, Schwamm drüber, alles vergessen und vergeben – ABER: Opfer Volksgenosse. Ich habe hier schon etwas dazu geschrieben. Über die Opferzahlen hat man sich scheinbar bei Herrn von Oven […]

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