Dresden – Eine kleine Betrachtung

Aufgrund der Mobilisierung, die sich über die rechtsextreme Szene und offen neonazistische Kreise erstreckte, fand und finde ich eine Gegendemonstration mit der Absicht, die Demonstration zu blockieren, völlig legitim. Die Bilder der Demonstration zeigen ja auch was für Leute da so alles anwesend waren. Eben nicht Otto Normalbürger, der ein Gedenkbedürfnis hat, sondern ausschließlich Rechte jeglicher Couleur. Ich habe das „Geschehen“ u.a. via Twitter verfolgt und auf Gegendemo-Seite immer und immer wieder die Aufrufe gelesen, friedlich zu bleiben. Während man auf Seiten der Rechten diverse direkte oder indirekte Aufrufe zur Gewalt lesen konnte. Da werde ich jetzt aber nicht suchen und zur Not die Beweise eben schuldig bleiben. Gewalt fand jedenfalls statt und das finde ich grundsätzlich nicht in Ordnung. Der „Gedenk“marsch fand nicht statt und das ist gut so.

Wurde die Demonstration und das Thema „Dresden“ schon im Vorfeld instrumentalisiert von rechter Weltanschauung, so wird dies wohl in nächster Zeit noch zu diversen geschmacklosen Höhepukten führen. Die „Neue Rechte“ schärft bereits ihr Vokabular, denn hier kann man vom „Bügerkrieg“ oder zumindest ähnlichen Zuständen schreiben, der „linke Zeitgeist“ lässt sicherlich auch nicht lange auf sich warten. Die Neonazis rund um Altermedia sehen bereits „Kumpanei zwischen Staat und Antifa„, auch nicht gerade neu. Die erfolgreichen Blockierer feiern, die Journalisten veröffentlichen erste Berichte und siehe da: Vielleicht etwas weniger, vielleicht etwas mehr als 10000 Menschen bildeten in der Dresdener Altstadt eine Menschenkette. Das ist aus rechter Sicht natürlich lächerlich, aber doch eigentlich das, was man selbst vorgibt ausschließlich im Schilde zu führen. Bemerkenswert.

Advertisements

2 Responses to Dresden – Eine kleine Betrachtung

  1. NDM sagt:

    Lustigerweise war diese Blockade nach recht einhelliger Meinung weit friedlicher als anderswo – auch friedlicher als die Gegenaktivitäten im letzten Jahr. Es gab aber Randalierer. Ich hatte irgendwo von sieben *richtigen* Festnahmen gelesen, aber auch von über 100 Ingewahrsahmen. Wenn man nun hypothetisch von einer Teilnehmerzahl von 10.000 ausgeht (dresden-nazifrei.com schreibt 12.000, woanders steht weit weniger, die Menschenkette nicht mitgerechnet), dann sind es 1-2% der Teilnehmer. Dass bei derart polarisierenden Anlässen leider auch Polithooligans ihr Unwesen treiben ist wohl einleuchtend, lässt sich jedoch wahrscheinlich auch nie zu 100% verhindern, jedoch mit einem klaren Einwirken auf diese Personen zumindest eindämmen. Teilweise begeben sich hierbei auch linksstehende vor Ort selbst in Gefahr.

    Der Punkt, warum rechtsaußen wieder rethorische Geschütze aufgefahren werden, ist mMn der: Das machen die immer. Hätte es mehr sinnlose Gewalt auf der Gegendemo-Seite gegeben, und wären die rechten dennoch marschiert, wäre die Rethorik kaum eine andere gewesen. Etwas anders gewichtet vielleicht. Lediglich der „Sieg!“-Aspekt wäre noch dazu gekommen. Aber der wird sicher noch nachgeliefert:

    Angesichts der deutlich erkennbaren Entschlossenheit der Gegenaktivitäten hätten sie aber schon im Vorfeld wissen müssen, dass das Exerzieren sehr wahrscheinlich in die Elbe fallen wird. Darauf waren sie jedoch ganz offenbar nicht vorbereitet. Das zeigen auch die „Spontandemos“, die anschließend offenbar in verschiedenen Städten stattgefunden haben. Diese sind bei den Nazis immer ein Zeichen von Hilflosigkeit, denn *irgendeinen* „Erfolg“ *müssen* sie ihrem Fußvolk vorweisen können: Morgen werden unter Garantie eben diese Spontandemos als „Sieg“ verkauft. Ich kenne es nicht anders. Ohne andauernde „Wir haben *wieder* gesiegt“-Propaganda gewinnen die keinen Blumentopf bei orientierungslosen Jugendlichen, die auf der Suche nach der „Siegerstraße“ sind.

    Die gleichzeitige Opferrolle gegenüber Staat und politischen Gegnern ist zudem eine Konstante, die man eigentlich in nahezu jeder rechtsaußen-Schrift erkennen kann.

    Aus der Zusammenfassung zu Ecos „Urfaschismus“:

    8. Das Gefühl der Demütigung. „Urfaschisten“ bräuchten dieses Gefühl, durch Macht und Reichtum innerer und äußerer „Feinde“ gedemütigt zu werden. Gleichzeitig müssten sie davon überzeugt sein, die „Feinde“ trotzdem besiegen zu können. Durch ständige Verlagerung des rhetorischen Brennpunkts seien die „Feinde“ gleichermaßen „zu stark“ und „zu schwach“. Faschistische Regierungen seien dazu verurteilt, Kriege zu verlieren, weil sie konstitutiv unfähig seien, die Stärke des Feindes richtig einzuschätzen.

    Ich könnte noch weiterschreiben, lasse es jedoch mal aufgrund der fortgeschrittenen Zeit. 🙂

  2. André sagt:

    http://www.npd.de/html/714/artikel/detail/1127/

    Der Komemntar von Frank Rennicke und Jürgen Kretzsch ist in diesem Zusammenhang einfach zu köstlich und fügt sich nahtlos ins Bild.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: