Wäre das Thema nicht so ernst…

Was ist gemeint, wenn man etwas nicht religiöses als Religion bezeichnet? Was macht eine Religion aus? Also zuerst wäre da der unerschütterliche Glaube an etwas Höheres, im monotheistischen Sinne, an einen Gott. Und natürlich richten Menschen ihr Leben nach dieser Religion aus, so sie es für geboten halten. Da wären beispielsweise die Zehn Gebote als mögliche Richtschnur des Lebens zu erwähnen. Aber auch Praktiken wie das Fasten dürfen an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, man kann nämlich auch Opfer bringen, für seine Religion. Das alles variiert natürlich und ich bin kein Religionswissenschaftler. Auch noch wichtig, Rituale. Man geht z.B. in die Kirche, betet vor dem Essen. Ich denke Leserinnen und Leser sind jetzt einigermaßen bei mir und wissen wohin die Reise gleich gehen soll.

Und jetzt, etwas nicht religiöses als Religion bezeichnen: Holocaust-Religion, Holocaust-Religion, Holocaust-Religion, Holocaust-Religion, Holocaust-Religion, Holocaust-Religion, Holocaust-Religion, Holocaust-Religion, Holocaust-Religion, Holocaust-Religion, Holocaust-Religion

Es gibt verschiedene Interpretationsmöglichkeiten, warum jemand von einer oder der „Holocaust-Religion“ spricht. Ich halte alle Möglichkeiten für Mist, egal wer der Urheber ist. Mir ist das Thema zu ernst. Mir sind die jeweiligen Gründe zu banal. Wer „Holocaust-Religion“ sagt, dem fehlen offenbar Argumente oder die Zeit, sich differenzierter mit einem Thema zu beschäftigen.

Am wenigsten negativ ist der Nutzer, der mit dem Mut der Verzweiflung „Holocaust-Religion“ sagt, eine schreiende Menge zum verstummen bringt und sich somit Aufmerksamkeit verschafft, zumindest für den Moment. Die anderen Inhalte werden dann allerdings abgewertet und es kann sein, dass dem Nutzer  niemand mehr zuhören mag. Das ist verständlich und eben Pech für den Nutzer. Das ist aber keine Bestätigung, mit der „Holocaust-Religion“ ins Schwarze getroffen zu haben! Aber das werden viele nie verstehen.

So richtig negativ sind Jene, die „Holocaust-Religion“ sagen, weil sie tatsächlich den Holocaust bezweifeln oder zumindest relativieren. Jenen fehlt der Respekt, daher können sie problemlos „Holocaust-Religion“ sagen, es ist für sie nichts besonderes.

Auch richtig negativ sind Jene, die auf die Nutzung von „Holocaust-Religion“ angewiesen sind, weil es zu ihren affigen Weltbild gehört und quasi Erkenntnisgrundlage bildet. Man müsste hier mal nach der „Holocaust-Religion-Religion“ fragen.

Auch ausschließlich das Problem der „Holocaust-Religion“-Nutzer sind die Verwechslungsmöglichkeiten, also zu welcher Negativ-Kategorie sie denn wohl gehören.

Insgesamt und etwas provokativ zusammengefasst: „Holocaust-Religion“ sagt man nicht. Intelligente sollten einfach keinen Bedarf haben, Dumme vielleicht lieber mal die Klappe halten.

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2 Responses to Wäre das Thema nicht so ernst…

  1. monologe sagt:

    Gemeint sind wohl doch die Rituale und die Andacht. Gemeint sind auch die Opfer. Die christliche Religion gründet sich darauf: das Opfer Jesu, dem sie täglich ritualisierte Andacht hält. Was ist schlecht an Holocaust-Religion? Weil das Wort scheinbar unterstellt, man hätte sonst keine andere? Juden pflegen die Holocaust-Religion? Blödsinn. Warum ist es so schwer, auch die Religions-Geschichte als Teil unserer Geschichte zu sehen und anzuerkennen? So ist der Holocaust Teil der jüdischen Geschichte, die Opfer Teil ihrer Religion wie die Märtyrer in jeder anderen.
    Negativ wird nur etwas wie „Religion“ im Geist der Herabwürdigung. So konnte „Jude“ Schimpfwort werden „Judensau“ entstehen usw. Dieser Geist ist hier tief verwurzelt, sonst könnte nicht „Opfer“ oder „Gutmensch“ auch Schimpfwort sein. Wie sagte Brecht? „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“

  2. @ monologe
    Ich kann diese Perspektive nachvollziehen. Aber besteht für mich schon ein Unterschied, ob ich den negativ gemeinten Ausdruck „Gutmensch“ mit der Frage begegne, was daran schlimm sei, ein guter Mensch zu sein, oder ob ich die Bezeichnung „Holocaust-Religion“ ebenso handhabe. Da ziehe ich eben eine Grenze, die übrigens mit einer „Herabwürdigung“ von Religion nichts zu tun haben soll. Aber wenn wir schon dabei sind: Als Agnostiker möchte ich im Idealfall mit Religionen nichts zu tun haben.

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