Zitierfähiges: „Grenzen des Universalismus“

Sicherlich ein streitbarer Artikel, aber lesenswert allemal, auch vor und hinter der zitierten Passage.

() Der Drogenanbau ruiniert die sicherheitspolitische Selbst verantwortlichkeit der Afghanen. Wenn die Ernte beginnt, legen selbst viele Armeeoffiziere die Uniform ab und gehen als Pflücker auf die Felder, Lehrer verdingen sich als Schmuggler, Bürgermeister unterhalten Heroinlabore. Die Verdienste im Drogengeschäft sind um ein Vielfaches höher als die Regierungsgehälter. Ausländische Soldaten vertreten gewissermaßen die verhinderten afghanischen Soldaten. Begriffe wie Patriotismus, Verantwortung und Gemeinwohl sind hier völlig deplaziert. Sobald auswärtige Kräfte die Geschäfte stören, laufen sie Gefahr, Ziel von Angriffen zu werden: Sie mutieren dann vom Geldgeber zum Störenfried und nach der Mobilisierung kulturalistischer Feindschaft vom Befreier zum Besatzer.

Wie konnte der Westen nur in einen derartigen Schlamassel hineingeraten? Der äußere Anlass ist bekannt: Nach dem 11. September 2001 hatte die Nato ihre erfolgreiche Abschreckungs- und Eindämmungsstrategie zugunsten der Vorstellung aufgegeben, dass diese gegen islamistische Extremisten nichts ausrichtet. Man könne nicht mit ihnen leben und sie überleben, sondern müsse sie erstens zerstören und zweitens die von ihnen befallenen Staaten demokratisieren und entwickeln. ()

Quelle: Theisen, Heinz: Grenzen des Universalismus. Nach Afghanistan muss sich der Westen zurücknehmen; In: Merkur – Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, Ausgabe 03/2010

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