Sezession: Offensiv keine Ahnung

Götz Kubitschek fragt aktuell zum neunten Mal „Wie weiter?„. Er zitiert dabei die Frage einer Leserin nach „Finanz- und Wirtschaftsthemen„, die sie vermisse. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf und ein Motto der guten, wahren und schönen Rechten doch lautet „Right is right and left is wrong„, wird das Armutszeugnis schön verpackt und als „Privileg“ verschenkt.

Ich habe zur Wirtschaftsordnung keine Meinung und kann Fragen danach nur ganz kleinteilig, konkret, lebenspraktisch beantworten, mithin: subjektiv, mithin: mit beiden Füßen in der ‚Beispielfalle‘.

Das heißt doch eigentlich, Hand auf’s Herz, er hat keine Ahnung. Aber auch „keine Meinung“ ist ehrlich und ein Eingeständnis, das so schon lange mal überfällig war.  Nur hätte man sich dann auch vor einiger Zeit die Unabhängigkeitserklärung in Form einer dürftigen Kapitalismuskritik des Herrn Wolfschlag sparen können, das wirkte damals schon halbgar und jetzt sowieso. Aber zur schönen Verpackung:

(…) Abstraktion oder Beispiel, das ist das, was wir können (oder „nur“ können), und das ist das, was erwarten kann, wer dieses Netztagebuch liest oder die um vieles konzentriertere Druckausgabe: das Grundsätzliche und das Konkrete, und nur zu Themen, von denen wir etwas verstehen. Denn zum Glück haben wir es so einrichten können, daß wir nicht zu allem etwas sagen müssen.

Und hier irrt Kubitschek, oder er hat ein Problem mit dem Wort „konkret“. Wenn innerhalb der Neuen Rechten überhaupt etwas „konkret“ ist, dann höchstens ihre Diagnosen, ihre selektiven Wahrnehmungen. Wenn es um Lösungen geht, dann findet man nur wenig konkrete Vorschläge, dafür aber viel Eiertanz. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass man „Finanz- und Wirtschaftsthemen“ meidet, weil man dort den Teufel, in Form des „linken Zeitgeistes“, nicht so einfach an die Wand malen kann.

Ob eine Metapolitik, in diesem Fall ja quasi ausgehend von einer bestimmten Weltanschauung (Metapolitik kann auch „objektiv“ sein), überhaupt noch Daseinsberechtigung hat oder einfordern kann, wenn man offensichtlich nicht in der Lage ist, Politik und Wirtschaft zu verknüpfen, ob es nicht geradezu eine Voraussetzung für „Staatspolitik“ ist, eben auch wirtschaftliche Zusammenhänge angemessen erklären und deuten zu können, diese Fragen möchte ich zumindest mal in den Raum stellen. In Frage stünden dann allerdings auch die Themen, von denen man vorgibt etwas zu verstehen, aber das stelle ich hier ja ohnehin schon regelmäßig „zur Debatte“.

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One Response to Sezession: Offensiv keine Ahnung

  1. […] Pulver scheint verschossen, richtig festlegen möchte man sich  dann aber auch nicht. So ein wenig neurechter Eiertanz, wie ich ihn schon mehrmals beschrieben […]

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