taz: "Ackermann ist gefährlich"

Die taz im Interview mit Ex-IWF-Chefökonom Simon Johnson, dieser über Josef Ackermann und die Deutsche Bank:

„Der deutsche Finanzsektor ist sehr problematisch, und die Deutsche Bank ist besonders gefährdet, sich selbst in die Luft zu jagen. Ihr Chef Josef Ackermann ist einer der gefährlichsten Bankmanager der Welt, weil er darauf besteht, eine Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent zu erzielen. Ein so hoher Gewinn ist nur möglich, weil er genau weiß, dass die Deutsche Bank ein Systemrisiko darstellt und daher von den Steuerzahlern gerettet würde, falls ein Konkurs droht. Also wird auf Gewinn spekuliert – was dann auch die Boni der Manager maximiert.“

Es ist also alles genau so, wie man es diesen Leuten immer unterstellt. Und es bleibt eben auch wahr, dass es für solche Leute immer genug Geld zu ergaunern gibt, während Geld für Bedürftige angeblich nicht vorhanden ist.

Bild: Frank Vincentz

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4 Responses to taz: "Ackermann ist gefährlich"

  1. Gamander sagt:

    Das Argument, dass die Person Ackermann böse ist, weil er nach Gewinn strebt, ist aus zwei Gründen dumm.

    1. Die Person Ackermann handelt im Namen der Aktionäre. Wenn es denn schon sein soll ist er nicht als Person zu kritisieren sondern nur die Politik, die er in seiner Funktion ausübt. Ihn als „gefährlichsten Bankmanager der Welt“ zu bezeichnen kann doch ernsthaft höchstens metaphorisch gemeint sein, was allerdings bei den TAZ-LeserInnen und wohl auch hier kaum so verstanden werden dürfte.

    2. Dass Gewinnstreben an sich etwas verwerfliches sein soll, ist an Bigotterie nicht kaum zu überbieten. Dieses Konzept liegt im Wesen des Kapilismus. Ein Maßhalten war darin nie vorgesehen. Ein Argument, inwieweit die Gewinnorientierung Risiken erhöht, bleibt uns Mr. Johnson leider schuldig. Oder er hat es erläutert, ist aber von der Redaktion nicht gedruckt worden, weil die nicht ganz unkomplexen Fakten die TAZ-Leserschaft sicherlich überfordert hätten und nicht dazu beigetragen hätten, einen knackigen und stringenten Artikel zu basteln, welcher die TAZ-Leser ausschließlich in Ihrem Bekenntnis bestätigt.

    Viel wichtiger als dieser erste Absatz des Interviews sind die folgenden, in welchen strukturelle Änderungen des Banksektors diskutiert werden: Eigenkapitalquote, Transparenz bei Derivaten und so weiter.

    Dieses Zitat sowie der eigene redaktionelle Beitrag bewegen sich leider auf politischem wie fachlichem Pöbelniveau. Aber offensichtlich scheint sich in der Öffentlichkeit das Thema nicht anders greifen zu lassen bzw. ein sich politische wie auch immer links wähnendes Pendant zu einem Bild-Milieu zu etablieren. Leider mit banalen eben solchen banalen Mechanismen.

  2. @Gamander
    Vergessen haben Sie in ihrer Argumentation leider, dass es hier ja eben um ein quasi risokoloses Streben nach Gewinn geht, da man einer Deutschen Bank „systemrelevanz“ bescheinigt und sie eben im Falle eines Falles retten würde. Weiterhin verstehe ich nicht, warum man die Person Ackermann zurückstellen sollte. Dass mit dieser einen Person das System weder steht noch fällt, sollte ja klar sein. Trotzdem ist er rücksichtslos und verfügt dazu über eine gewisse Macht. Mir fällt es in diesen Größenordnungen schwer, eine Verantwortung nur gegenüber den Aktionären zu sehen und nicht auch gegenüber den Gesellschaften. Zudem eben auch eine Verantwortlichkeit der Person Ackermanns persönlich, auch wenn er aus ihrer Perspektive nur „Dienst nach Vorschrift“ macht. Als „böse“ würde ich Ackermann aber nicht bezeichnen, meine entsprechende Kategorie heißt „Arschlöcher und Co.“.

    • Gamander sagt:

      Zitat: „Vergessen haben Sie in ihrer Argumentation leider, dass es hier ja eben um ein quasi risokoloses Streben nach Gewinn geht, da man einer Deutschen Bank „systemrelevanz“ bescheinigt und sie eben im Falle eines Falles retten würde.“

      Ich Zitiere: „Ihr Chef Josef Ackermann ist einer der gefährlichsten Bankmanager der Welt, weil er darauf besteht, eine Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent zu erzielen.“
      Eben dieser Zusammenhang (Gewinnstreben – Risiko) wird nicht für nötig befunden zu erklären. Die Existenz der Bank in Ihrer jetzigen Form und die Rahmenbedingungen sind natürlich riskant. Dass Gewinnstreben an sich riskant ist ist ja klar, nur das man hier plötzlich einen Unterschied macht zwischen einem guten Unternehmer (der maßhält) und einem schlechten Unternehmer (hier „gefährlich“), welcher nicht maßhält sondern unverschämter Weise seine Gewinne maximiert. Das ist schizophren. So lange Ackermann darf, was er tut ist Ackermann in seiner Funktion weder gut noch böse sondern eine Charaktermaske des Systems. Wenn wir alle Unternehmer von jeglichen Regeln und Steuerpflichten entbünden und sie zum Maßhalten aufforderten sowie zur freiwilligen Zahlung von Steuern dann… naja. Ich habe schon Leute kennengelernt, die bei wesentlich weniger Geld wesentlich rücksichtsloser vorgegangen sind.

      • Dann nehmen Sie doch aber auch den nachfolgenden Satz dazu: „Ein so hoher Gewinn ist nur möglich, weil er genau weiß, dass die Deutsche Bank ein Systemrisiko darstellt und daher von den Steuerzahlern gerettet würde (…)“. Und für mich liegt hier der Kern meines Zitates, meines Kommentares und auch meines Kurzartikels dazu. Ihre Unterteilung in lediglich „gute“ und „schlechte“ Unternehmer ist doch ihre Interpretation. Und auch die Gefährlichkeit bezieht sich nicht auf „gute“ oder „schlechte“ Unternehmer, sondern auf die behauptete Systemrelevanz der Deutschen Bank und die möglichen Konsequenzen. Und eine Gewinnmaximierung ist nicht per se schlecht („gefährlich“), es kommt da schon auf die Art und Weise an, bzw. wie man ein solches Maximun definiert und zu erreichen gedenkt.

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