Nein, das gefällt mir nicht

Gestern veröffentlichte das Antifaschistische Café Braunschweig eine Pressemitteilung, in der es um einen Neonazi aus Goslar ging. Dieser sei Mitarbeiter eines Autohauses und ein Aktivist des NPD-Kreisverbandes Goslar und kandidiere auch für die NPD zur Kommunalwahl am 11. September in Goslar. Zitiert wird dann Frau Anja Meier, Sprecherin des Antifaschistischen Plenums: „Wir haben uns entschlossen mit den Informationen über die NPD-Aktivitäten des Autohausmitarbeiters an die Öffentlichkeit zu gehen. Seine Kolleginnen und Kollegen, seine Kundinnen und Kunden und die Partner des Autohauses sollten wissen, mit wem sie es da zu tun haben. Wer für die NPD kandidiert, in der Nazi-Szene aktiv ist oder sich an Naziaufmärschen beteiligt, der muss damit rechnen, dass wir ihm mit solchen Öffentlichkeitsaktionen auf die Pelle rücken.“

Was mich daran stört, dass es offenbar überhaupt keinen Vorlauf gegeben hat, man also gezielt und als erste Handlung den Weg der Öffentlichkeit gewählt hat. Wobei natürlich anzumerken ist, dass man ja nicht heimlich für eine Partei kandidieren kann, der besagte Neonazi somit also von selbst bereits einen großen Schritt in die Öffentlichkeit getan hat, ebenso wenn er auf Aufmärschen anwesend ist. Frau Meier weiter: „Gerade manch jüngerer Sympathisant überlegt es sich da vielleicht zweimal, ob er in Zukunft für die NPD kandidiert oder an Aufmärschen teilnimmt, wenn er damit rechnen muss, dass das für ihn unangenehme Konsequenzen auf der Arbeit, in der Schule oder im Bekanntenkreis nach sich ziehen kann.“

Hierzu möchte ich mal folgende Fragen in den Raum stellen: 1. Ist es hilfreich, wenn Rechtsextremisten es sich lediglich aus Angst vor Konsequenzen nicht mehr trauen öffentlich in Erscheinung zu treten? 2. Ändert dies etwas an rechtsextremen Einstellungen, oder werden dadurch vielleicht nicht sogar bestehende Strukturen gestärkt? 3. Wird überhaupt das Ziel verfolgt, zumindest junge Neonazis, wieder in die Gesellschaft zu integrieren?

Heute hat nun das Autohaus, bzw. die Geschäftsleitung, reagiert. In einem Schreiben an das Antifaschistische Café Braunschweig heißt es (den Nachnamen habe ich gekürzt): „Sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank für die Information. Sie können sicher sein, dass uns diese Aktivitäten nicht bekannt waren und dass wir diese Aktivitäten- insofern sie denn auch tatsächlich zutreffen – aufs Schärfste verurteilen. Wir haben soeben das Anstellungsverhältnis mit sofortiger Wirkung beendet, wobei wir sagen müssen, dass wir in Nico H. einen sehr tüchtigen, kompetenten und in jeder Hinsicht höflichen Mitarbeiter verlieren. Dennoch ist die politische Einstellung von Nico H. in keiner Weise mit unserer Unternehmensphilosophie vereinbar.“

Nein, das gefällt mir nicht. Man hätte mit dem jungen Mann das Gespräch suchen müssen. Gerade bei jungen Neonazis besteht doch eine realistische Chance, sie noch von diesem Irrweg abzubringen. Eine Kündigung wäre die letzte Alternative gewesen und dann sicherlich auch nicht unbegründet.

Zu dieser hier angedeuteten, aber offenbar vergessenen Strategie der „Eingrenzung“ wurde von mir auf MiGAZIN vor knapp zwei Jahren ein entsprechender Artikel veröffentlicht, daraus ein kurzer Abschnitt: „Die Gesellschaft befindet sich hier im direkten Wettbewerb mit den rechtsextremen Parteien und Organisationen um die Köpfe dieser jungen Menschen. Die NPD ist da in ihrem Drei-Säulen-Konzept sehr deutlich. Neben dem Kampf um die Straße, dem Kampf um die Parlamente, geht es in der dritten Säule um nicht weniger als die Köpfe, also auch die Köpfe unserer Jugendlichen. Und diesen Kampf muss die Gesellschaft annehmen und gewinnen.“

Und diese Meinung vertrete ich noch immer.

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2 Responses to Nein, das gefällt mir nicht

  1. Klaas sagt:

    Nein, mir gefällt das auch nicht. Und am allerwenigsten das reflexhafte und sofortige Kuschen eines Unternehmens vor irgendwelchen obskuren Politaktivisten – inklusive devot-beflissenen Antwortschreibens.

  2. Antonia sagt:

    Naja. Wenn man bedenkt, dass der NPD Kader Nic H. -wahrscheinlich über Nacht geläutert- im Autohaus H. wieder in anderer Funktion arbeitet, hätte die örtl. AntiFa eher noch mehr Druck machen sollen. Das Problem liegt ganz offenbar bei Geschäftsführung und Eigentümern des braunen Mazda- Händlers. Dieses fadenscheinige Vorgehen samt Bauernopfer, von Dir fälschlicherweise als „Kuschen vor Politaktivisten“ bezeichnet, war die eigentliche Verarschung, die mir so überhaupt nicht gefällt.

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