Gegen die Instrumentalisierung von Missbrauchsopfern durch Neonazis

Aufgrund der Verurteilung eines Menschen aus dem Landkreis Wolfenbüttel wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen rufen ein stadtbekannter Wolfenbütteler Neonazi und zwei weitere Personen zu einer Demonstration gegen „Kinderschänder“ am 25. März in Wolfenbüttel auf.

Wir wollen hier weder die Tat des Missbrauchs an sich, noch die Auswirkungen auf die Opfer verharmlosen. Kindesmissbrauch ist eine fürchterliche Tat.

Wir wollen hier lediglich auf die fadenscheinige und verlogene Instrumentalisierung der Missbrauchsopfer zu politischen Zwecken aufmerksam machen, denn:

Initiatoren dieses Aufrufes bei facebook sind drei Personen, von denen zumindest zwei aufgrund ihrer Profilgestaltung und/oder ihres öffentlichen Auftretens dem eindeutig rechtsradikalen bis neonazistischen Lager zuzuordnen sind. Auch etliche der Teilnehmer an dieser -bislang nicht angemeldeten- Demonstration machen auf ihren Profilen aus ihrer Nazigesinnung keinen Hehl, posten dort eindeutig strafrechtlich relevante Inhalte vom Mordaufruf bis hin zur offenen Verehrung von Adolf Hitler. In letzter Zeit ist ein vermehrtes „Engagement“ von Nazis in dieser Hinsicht zu bemerken, was unserer Meinung nach den Anfang in der NPD-Kampagne „Todesstrafe für Kinderschänder“ hatte. Die Nazi-Szene versucht hier über ein verständlicherweise emotional extrem aufgeladenes Thema weiter in die Gesellschaft vorzudringen und vordergründig unpolitische Schulterschlüsse zur bürgerlichen Mitte zu schließen, um so ihre kruden Vorstellungen von Hass, Gewalt, Lynchjustiz und Mob-Mentalität weiter im Volk zu verbreiten.

Beachten Sie dabei bitte immer: ES GEHT DEN NAZIS NICHT UM DIE OPFER!
Kinderschutz über den eigenen wie auch immer definierten Dunstkreis hinaus war und ist den Nazis allgemein aus rein ideologischen Gründen vollkommen egal:

– Wir alle erinnern uns z.B. an Nazi-Brandanschläge auf Häuser von MigrantInnen, bei denen auch Kinder ums Leben kamen. Wo war da der Ruf der NPD nach härteren Strafen für die Täter?
-Wir alle erinnern uns z.B. an die Zeit, in der die Nazis an der Macht waren und ihre Vernichtungsmaschinerie auch vor Kindern nicht halt machen ließen… diese Zeit wird nach wie vor von den heutigen Nazis jeglicher Couleur verehrt, auch wenn es manchmal hinter vorgehaltener Hand oder über für Außenstehende nur schwer zu entschlüsselnde Codes stattfindet.

Nachdem gestern einige wache Bürgerinnen und Bürger bei der besagten facebook-Veranstaltung ihre Meinung kundtaten und Fakten offenbarten, wurden Hinweise auf den politischen Charakter dieser angeblich unpolitischen Demonstration kurzerhand gelöscht und die Veranstaltung wurde dahingehend eingeschränkt, dass besagte Personen sich nicht mehr äußern können.

Um die Öffentlichkeit auch weiter davon in Kenntnis zu setzen, wer und was sich hinter diesem Aufruf verbirgt, haben wir diese Veranstaltung ins Leben gerufen. Hinter diesem Projekt stehen Menschen aus unterschiedlichsten politischen Richtungen, denen lediglich eins gemeinsam ist: Die Ablehnung des Faschismus in all seinen Formen.

DIES IST KEIN AUFRUF, SICH ZU EINEM BESTIMMTEN ZEITPUNKT AN EINEM BESTIMMTEN ORT ZU VERSAMMELN! Wir möchten lediglich informieren. Datum und Ort dieser „Veranstaltung“ sind lediglich der von den Nazis geplanten Veranstaltung angelehnt, um den eindeutigen Bezug zu verdeutlichen.

Wir wollen diese „Veranstaltung“ so offen wie möglich halten, um einen möglichst breiten Streueffekt und eine größtmögliche Aufklärung zu erreichen. Wir werden hier jedoch in keinem Fall den Nazis und dem Grauzonenmilieu eine Plattform für ihre Propaganda und kreidefresserische Heuchelei bieten. Sollte uns derartiges auffallen, werden entsprechende Einträge umgehend gelöscht und betreffende Personen gesperrt. Die Nazi-Ideologie ist menschenverachtend, intolerant und gewaltverherrlichend. Toleranz dieser Ideologie gegenüber würde das Ende der Toleranz bedeuten.

Sagen auch SIE „nein“. Diese dort offen heißblütig geforderte Lynchjustiz nützt niemandem. Wollen Sie den Opfern wirklich helfen, engagieren sie sich in ernstzunehmenden Opferinitiativen. Das Problem des Kindesmissbrauchs ist vielschichtiger, ernster und komplizierter, als dass wir es auf dem Altar des blindwütigen Kurzschlusses und der Engstirnigkeit opfern sollten.

Hier geht es zur Veranstaltung bei Facebook

Ergänzung vom 15.03.: Warnung vor einem Demo-Aufruf

Ergänzung vom 20.03.: Initiator sagt geplante Großdemo ab

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One Response to Gegen die Instrumentalisierung von Missbrauchsopfern durch Neonazis

  1. nordstadt sagt:

    Reblogged this on Die Linke in der Nordstadt (Braunschweig) und kommentierte:
    Obwohl in WF, ein wichtiges Thema.

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