Happy End mit Beigeschmack

Gestern berichtete das Polizeikommissariat Wolfenbüttel in einer Pressemitteilung über folgendes Geschehen: „Nach einem Einkauf setzte eine 28-jährige Mutter ihre 2-jährigen Zwillinge in die Kindersitze ihres Pkw. Als sie die Türen geschlossen hatte und einsteigen wollte, verriegelte eines der Kinder das Fahrzeug von innen. Unglücklicherweise hatte die Frau zuvor den Fahrzeugschlüssel auf dem Fahrersitz abgelegt. Daraufhin wurde die Polizei um Hilfe gebeten. Vor Eintreffen der Polizei hatte der eingetroffene Ehemann bereits vorsichtig eine Seitenscheibe eingeschlagen und beide Kinder befreit. Alle glücklich, alles gut! „

Nun ist es so, dass es sich bei dem Ehemann um mich selbst, bei der Mutter um meine Ehefrau und den Zwillingen um meine Kinder handelt und ich an dieser Stelle einfach mal zwei Anmerkungen hinzufügen möchte.

  • [Ergänzung, siehe unten] Nach einiger Zeit hat meine Frau den Notruf (112) gewählt und wurde dort, nach eigener Auskunft, unfreundlich behandelt. […] Meine Frau hat niemanden eingesperrt, sie wurde ausgesperrt. Und grundsätzlich erwarte ich in solchen Fällen Einfühlungsvermögen, wenn eine aufgelöste und hilflose Mutter den Notruf wählt. […] Die eingetroffenen Polizisten waren […] übrigens sehr freundlich und einfühlsam. Zur Freude meines kleinen Sohnes haben sie ihm sogar kurz das „Tatütata“ (Blaulicht) angemacht.
  • NIEMAND hat meiner Frau geholfen, sehr VIELE haben es aber gesehen, sind direkt am Auto vorbeigegangen und haben teilweise dann aus sicherer Entfernung zugeschaut. Auch das Eintreffen der Polizei war dann natürlich ein Hingucker. Das Auto stand direkt (!!) vor den Eingangsbereichen der easy-Apotheke und dem dm-Markt, wirklich niemand hat auch nur gefragt, ob eventuell Hilfe benötigt werde. Es gab dort keinen handfesten Streit, keinen Überfall, keine Geiselnahme, nur eine hilflose Mutter, die versucht hat ihre weinenden – und dann ja auch schwitzenden – Kinder aus dem Auto zu befreien. NIEMAND wollte der 28-jährigen Mutter und ihren 2-jährigen Zwillingen helfen.

Das ist der Beigeschmack und eben auch die Entäuschung.

Aber wie die netten Polizisten in ihrer Mitteilung geschrieben haben: „Alle glücklich, alles gut!“ – Meiner Frau und den Kindern geht es gut, bis auf eine kaputte Scheibe ist nichts passiert.

Ergänzung, 11.07.2014: Herr Raedlein von WolfenbüttelHeute hat bei der Notrufzentrale nachgefragt und nach Prüfung konnte man dort den von mir geschilderten Vorgang so nicht nachvollziehen. Entsprechende Textstellen habe ich daher nachträglich gekürzt, auch wenn ich natürlich bei der Formulierung sehr darauf geachtet hatte, dass es sich dabei um eine persönliche Schilderung und auch ein persönliches Empfinden handelt.

 

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