AfD – Es riecht nach Bohnerwachs und Spießigkeit

Roberto De Lapuente hat auf seinem Blog „ad sinistram“ über die AfD geschrieben. Allein die Überschrift hätte fast schon gereicht. Alternative für Deutschland? Es riecht nach Bohnerwachs und Spießigkeit. Ich hatte ja angekündigt, mich hier in Zukundt mal etwas ausführlicher mit der AfD beschäftigen zu wollen. Dieser Beitrag ist also ein kleiner Auftakt, ein polemischer vielleicht, aber nüchtern-langweilige Textarbeit wird ebenfalls noch folgen.

Das Wort hat De Lapuente, weil ich es nicht besser hätte sagen können: „Diese »Alternative für Deutschland« ist in erster Linie ein Sammelbecken für kleinbürgerliche Spießer und Biedermänner, ein Pool schulmeisterlicher Pedanten. Insofern ist sie wirklich eine richtig deutsche Partei, denn sie formiert den Typus, der immer brav den Gehsteig kehrt und beim Nachbarn schielt, ob er es ja auch tut. Die AfD will vorschreiben, erklären was in Deutschland moralisch zu sein hat und was nicht, ruft nach Ordnung in einer pluralistischen Welt, die sie »Chaos« nennt.“  Und trefflich weiter: „Bei der AfD haben sich ganz einfach Heile-Welt-Fünfzigerjahre-Fans um Parteigründer geschart, die in Aussicht gestellt haben, Deutschland wieder in untadelige Bahnen zu lenken. Und das nicht etwa in entscheidenden Punkten, sondern auf jener Ebene, die dem Spießer immer schon besonders zugesagt hat: Er will erziehen, seinem Umfeld seinen Duktus aufzwingen, die Leute so haben, wie er sie gerne hätte.“

Und die AfD füllt damit ein Vakuum, durchaus glaubwürdig. Diese Parteigründung war, hat man die Parteienlandschaft über einen längeren Zeitraum beobachtet, völlig konsequent und folgerichtig. Von einer Partei rechts der CDU wurde schon vor Jahren gesprochen und auch die beachtliche Wählerschaft wurde einer solchen Partei bereits vorab angekündigt. Gefehlt hatte es immer an den „richtigen“ Leuten, also jenen, die eine solche Partei auch glaubwürdig nach außen darstellen können. Nun würde ich der CDU keinen Vorwurf machen wollen, ihre konservativen oder rechten Wähler nicht abgeholt zu haben, das wäre zynisch. Mein Vorwurf liegt im jahrelangen verschweigen dieser Tendenzen und im Umgang damit, sowohl gestern als auch heute.

Die AfD ist auf der einen Seite eine marktradikale und somit rechtsliberale Partei. Auf der anderen Seite ist sie schlicht konservativ bis rechts. Das reicht völlig, um sie für gefährlich zu halten, das reicht aber nicht dafür aus, sie in eine rechtsextreme oder gar neonazistische Ecke zu stellen. Der Mangel an Differenzierung, ob gewollt oder aus Unwissen, ist ein unbemerkter Bumerang, den man nicht mehr fängt, sondern schmerzhaft gegen den Kopf kriegt. Wenn jeder Hans Wurst für seinen blöden Quatsch gleich den Nazi übergestülpt bekommt, dann wird dieser Begriff irgendwann unscharf und bedeutungslos (von der Verharmlosung echter alter oder neuer Nazis mal abgesehen). Die AfD hat dies offenbar erkannt und so kann sie gelassen ihre Erfolge einfahren. Man hindert Leute nicht daran die AfD zu wählen indem man sagt, die seien ganz böse rechtsradikal, man muss sich inhaltlich auseinandersetzen. Tut man dies nicht, kommt man sogar zu dem absurden Schluss, dass AfD und DIE LINKE viele Gemeinsamkeiten hätten.

De Lapuente scheint dies ähnlich zu sehen, er soll hier und jetzt das letzte Wort haben: Gleichwohl muss man natürlich festhalten, dass diese Leute wesentlich gefährlicher sind als jene Parteien der Neonazis, die jetzt nach und nach politische Relevanz verlieren. Die Neonazis waren trotz allem relativ isoliert, diskreditierten sich selbst mit ihren Auftritten. Aber die für manches Laienauge professorale Vorstellung dieser etablierten Bürger mit Blockwartsinn, der findet überall Anknüpfungspunkte […] im Zeitalter neuer Spießigkeit und Enge und Prüderie. Neonazis konnten diese Gesellschaft nicht nach ihren Idealbildern formen. Wer will sich denn von Leuten, die ihren Hass in aller Widerlichkeit darboten und sich von Glatzköpfen begleiten ließen, die Welt erklären lassen? Aber der spröde Spießer hat das Zeug dazu. Sein Deutschland soll ein abgeschlossenes, in sich gekehrtes, provinzielles sein. Das macht ihn nicht zum Nazi, wohl aber zur Gefahr für Toleranz, Kosmopolitismus und Gleichstellung.

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