Kommentar: „Ice Bucket Challenge: Ich habe ALS – und finde das Spektakel verlogen“

Der Ice Bucket Challenge stehe ich mit kritischer Distanz gegenüber. Verschiedene Fässer, die sowohl Befürworter als auch Gegner in der Zwischenzeit aufgemacht haben, halte ich schlicht für Unsinn. Zugeben muss ich aber, dass ich ohne diese Challenge nichts von der Krankheit ALS gewusst hätte, was aber den Betroffenen natürlich nichts nützt.

Im Tagesspiegel schreibt nun Benedict Maria Mülder eine lesenswerte Reportage über sich, sein Leben und eben diese Ice Bucket Challenge. Er hat ALS und findet das Spektakel verlogen: „Ich würde auch gerne meine Arme erheben. Doch ich bin gelähmt, kann nicht sprechen, schreibe mit den Augen, leide unter ALS. Seit Wochen schaue ich auf lachende Menschen, die sich Eiswasser über den Kopf schütten. Was hat das mit ALS zu tun? Nichts. Es ist Symptom einer gestörten Öffentlichkeit.“ Die Krankheit sei seit hundert Jahren bekannt. „Die narzisstische Mobilisierung, die manche mit dem Etikett ‚Altruistisch‘ adeln, ist aufgesetzt, vermessen und meilenweit von aufklärerischen Absichten entfernt.“ Und auch wenn es um einen guten Zweck ginge und Geld nicht stinke, heilige der Zweck für ihn nicht die Mittel.

Problematisch finde ich zudem, dass es überhaupt so weit gekommen ist, oder gar so weit kommen musste. Warum fehlen hier Forschungsgelder? Die gleiche Frage stellt sich aktuell auch beim Ebola-Virus. Warum wurde es so lange ignoriert, warum gibt es noch kein Heilmittel? Auf eine mögliche Begründung, nämlich die Funktionsweise des Kapitalismus, möchte ich jetzt nicht weiter eingehen. Aber, lieber 1000 Menschen, die sich einen Eimer Wasser über den Kopf gießen um irgendwie ja auch für die Sache Aufmerksamkeit zu erregen, als 1000 Tote und eine Epidemi als Aufmerksamkeitserreger.

Advertisements

One Response to Kommentar: „Ice Bucket Challenge: Ich habe ALS – und finde das Spektakel verlogen“

  1. Jan Wilhelms sagt:

    Sehr gelungener kleiner Artikel. Für die Bekämpfung von Kranheiten und ihre Erforschung sollten staatliche Institutionen zuständig sein – und nicht irgendwelches mildtätiges Mäzenatentum wie in Amerika.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: