Antifaschismus im Sonderangebot

Bei ad sinistram schreibt Roberto De Lapuente der bundesrepublikanische Antifaschismus sei nur eine dünne Lackschicht, nur oberflächlich aufgepinselt, nicht verinnerlicht. Insgesamt lesenswert und es fällt daher auch schwer einzelne Teile zu zitieren, ohne gleich den gesamten Text hier her zu holen. Für meine anschließende Ergänzung aber wichtig:

adsinistramMan kann zwar die faschistischen Freunde des Westens nachrichtlich leugnen, aber ein braunes Hemd geht auf keinen Fall. Man kann ohne Imageschaden Kinderarbeit ausbeuten, Rohstoffe plündern und mit Militärdiktaturen paktieren, so wie Procter & Gamble, dem Hersteller von Ariel, aber eine 88 […] führt zur großen Imagekampagne und zu Entschuldigungen. Eine Bluse mit kleinen Zeichen, die wie eine SS-Rune aussehen, ruft den »Antifaschismus« auf den Plan. Aber die Herstellung der Bluse unter Bedingungen, die einem faschistischen Lager entsprechen, kümmert uns schon wieder weniger.

Dieser symbolhafte Antifaschismus, der Hemden, Blusen und Waschmittel-Packungen entschuldigt, aber ansonsten eine flexible Größe bleibt, die ganz nach Lust, Laune und ökonomischen Notwendigkeiten formbar ist, soll die Lehre aus der Geschichte sein? Oder ist es die Leere der Geschichte, die etwas entstehen lässt, das sich Antifaschismus ruft, aber nicht mehr als oberflächliche Aufgebrachtheit ist? […]

Was da so aussieht, als sei es das Resultat von historischer Sensibilisierung, dürfte aber das glatte Gegenteil dessen sein. Dieser optische Antifaschismus, der sich am Design und am Outfit aufgeilt, ist ein Surrogat. Der Ersatz dafür, dass man den inhaltlichen Rechtsruck schon lange akzeptiert hat. Heute ist diese Haltung gegen den Faschismus wie alles nur noch äußerliche Empörungskultur. Kurz angebunden. Schnelllebig. Ohne Tiefgang.

Und diese Form von Antifaschismus ist eben auch – neben Robertos Erläuterungen – einfach sehr billig zu haben. Alles hingegen, was tiefer geht, was die Oberfläche durchdringen will, ist teuer und mit dem Restrisiko verbunden mächtig auf die Schnauze zu fallen, weil jene Formen des nicht oberflächlichen Antifaschismus dann doch nicht erwünscht sind. Oberflächlich ist in Ordnung, mehr kostet extra. Man könnte sogar noch weiter gehen und folgende These aufstellen: Sobald der Antifaschismus beginnt wirklich links zu werden, wird er als Gefahr wahrgenommen, der den geliebten Status quo in Frage stellt. Und dieses Schauspiel wird von Rechten dann zum linken Zeitgeist aufgebläht. Insgesamt kurios.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: