Presseschau KW 45

++ Vor 300 Jahren starb Gottfried Wilhelm Leibniz ++ Der Dritte Kolonialismus ++ It´s the end of the left as we know it ++ Nicht für die Schule, für das Leben hassen wir ++ Eine Niederlage für den Journalismus ++ Die Irrtümer der Wähler-Beschimpfer ++ Die Umfragen lagen daneben – warum? ++ (Links)liberale Arroganz ++ Der Hass als neue Konstante ++ Was macht eigentlich Peter Neururer? ++ Wie Milliardäre die US-Wahl beeinflussen ++ Schnaps für die Wähler ++ Das ist aus den Warnungen des Sachverständigenrats geworden ++ Bei Merkel ist nicht eindeutig, was Inszenierung und was Überzeugung ist ++ Für den jungen Sigmar Gabriel waren Spontis Spinner ++ Der Irrglaube an die Privatisierung ++ Der Kult der Unmittelbarkeit ++ Es ist für einen Politiker immer gut, zu wissen, wer gerade mit wem ins Bett geht ++ Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat ++ Urfaschismus ++

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Vor 300 Jahren starb Gottfried Wilhelm Leibniz: Mathematiker und Weltverbesserer – Neue Züricher Zeitung

„Leibniz‘ Wissensdurst war buchstäblich unstillbar. Bereits als kleiner Junge verschlang er jedes Buch in der Bibliothek seines Vaters, der Professor der Moral und Notar an der Universität Leipzig war. Später träumte er von einer Universalbibliothek, die alles Wissen der Welt enthielt, und bemühte sich in Hannover und Wolfenbüttel eigenhändig um den Aufbau grosser Büchersammlungen. Er selbst war wie eine wandelnde Bibliothek und vereinigte in seiner Person das Wissen einer ganzen Akademie.“

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Der Dritte Kolonialismus – Le Monde diplomatique

„Die heutige Erste Welt hat ganz bewusst eine neue Finanzarchitektur geschaffen, die es den Herrschern von armen und, noch entscheidender, schlecht regierten Staaten ermöglicht, sich zu Hause zu bereichern, aber im Ausland zu investieren, also sowohl von der im globalen Süden herrschenden Unordnung als auch von der im globalen Norden aufgebauten Ordnung zu profitieren. Unter diesen Umständen lässt sich die Korruption nicht erfolgreich von unten bekämpfen, wenn ihr nicht zugleich von oben entgegengetreten wird.“

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It´s the end of the left as we know it – Ruhrbarone

„Diese Linke, nennen wir sie der Einfachheit weiter Neue Linke, trifft nun auf eine mit Wucht auftretende rechtspopulistische Bewegung und hat ihr nichts entgegenzusetzen. Ihre Brandmauern gegen rassistische oder sexistische Diskurse, die so wunderbar in den akademischen Blasen funktionieren, werden nun schlicht ignoriert und verlacht. Eine Diskussion über Probleme in Stadtteilen durch Zuwanderer aus Südosteuropa lässt sich beispielsweise nicht mehr durch den Verweis auf vermeintliche oder wirkliche rassistische Stereotypen steuern oder beenden.“

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Lehren aus Trumps Erfolg: Nicht für die Schule, für das Leben hassen wir – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Mit der Wahl von Donald Trump beenden Amerikas Wähler acht Jahre erfolglose Massenerziehungsbemühungen durch Barack Obama. Wohin es führt, wenn Belehrung statt Streit als politisches Mittel gewählt wird.“

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US-Wahl: Eine Niederlage für den Journalismus – EurActiv

„In westlichen Gesellschaften hat sich ein Graben aufgetan und die große Mehrheit der Journalisten steht auf derselben Seite – da wo auch die politischen Eliten stehen. Diese Diskrepanz zwischen dem medialen Urteil und der Wahlentscheidung der Mehrheit der Amerikaner ist ein wichtiger Teil des Ereignisses, dessen Zeugen wir geworden sind.“

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Motive der Trump-Anhänger: Die Irrtümer der Wähler-Beschimpfer – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Wahlen sind keine Intelligenztests. Wer Trumps Erfolg an fehlenden Bildungsabschlüssen festmacht, übersieht die Fehler der Vergangenheit – und blendet Arroganz und Selbstzufriedenheit im Anti-Trump-Lager aus.“

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Demoskopen vor der US-Wahl: Die Umfragen lagen daneben – warum? – Tagesschau

„Die Umfragen waren ziemlich klar, die meisten Journalisten waren sich einig: Hillary Clinton wird die US-Wahl wohl gewinnen. Das war falsch, wie jetzt alle wissen. Woran lag das? ARD-Wahlexperte Jörg Schönenborn analysiert es.“

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Wahlausgang in den USA: (Links)liberale Arroganz – junge Welt

„Das vermeintlich Undenkbare ist passiert, und nun ist das Geschrei groß. Tatsächlich ist die Angst vor einem US-Präsidenten Donald Trump keinesfalls unberechtigt: Seine rassistischen, frauenfeindlichen und chauvinistischen Ausfälle und die massive Zustimmung, die er dafür erhielt, sollten ein Warnsignal für alle Linken und Demokraten sein. Gleichwohl haben auch viele jener, die nun mit selbstgerechter Empörung auf die angeblich dummen und ungebildeten Trump-Wähler zeigen, ihren eigenen großen Beitrag zum Ausgang der Wahlen geleistet.“

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Flüchtige Moderne 2.0: Der Hass als neue Konstante – Patrick Gensing

„Donald Trump hat die Wahl in den USA gewonnen. Fassungslos fragen sich viele: Wie war das möglich? Die Antwort: Trump bietet eine klare Erzählung an, ein Narrativ, eine Vision. Diese kann nicht durch Fakten entkräftet werden, denn die Erzählung basiert auf einer Ideologie der Irrationalität. Dies vereint ihn mit deutschen Rechtsaußen. Die Frage lautet nun: Wer könnte der deutsche Donald Trump werden?“

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Arbeitsloser Trainer Neururer: „Hast du nicht alle aufm Zaun?“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Kurz nach dem Aufstehen geht Peter Neururer in die Küche seines Hauses in Gelsenkirchen und ist irritiert. Er stellt fest, dass etwas nicht wie immer ist: Es sind keine Apfelsinen da. „Da dreh’ ich am Rad!“, ruft Neururer, der kurzzeitig ziemlich aufgebracht ist.“

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Wahlkampf des Geldes: Wie Milliardäre die US-Wahl beeinflussen – Stern

„Geld regiert die Welt. In den USA mischen einflussreiche Spender kräftig mit, wenn es gilt, den neuen Präsidenten zu bestimmen. Besonders in Swing-States werden die Menschen mit Wahlwerbung bombardiert. Auch 2016 fließen Milliarden.“

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Schnaps für die Wähler – Zeit Online

„Um Nichtwähler zu mobilisieren, bemühten sich die Parteien, Gegenleistungen für die Stimmabgabe zu bieten, etwa in Form von Alkohol oder einem Essen; über viele Jahrzehnte konnte ein Amerikaner seine Stimme auch für einen Dollar verkaufen. Wahlen mutierten zu einem Ritus weißer, wilder und junger Männlichkeit. Afroamerikaner mieden am Wahltag lieber die Straßen, und immer wieder kam es zu Mord und Totschlag unter den rivalisierenden Parteien. Am Wahltag trug dann häufig die physisch stärkste Partei den Sieg davon, was die erstaunlich einheitlichen Wahlergebnisse in den einzelnen Wahllokalen erklärt.“

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Mindestlohn: Das ist aus den Warnungen des Sachverständigenrats geworden – Berliner Zeitung

„Mit der Einführung des flächendeckenden Mindestlohns in Deutschland sahen viele Ökonomen das Ende des deutschen Job-Wunders gekommen. Bis zu eine Million Stellen seien gefährdet, hieß es. Denn vielen Unternehmen sei es nicht zuzumuten, ihren Beschäftigten einen Lohn an der Armutsschwelle zu zahlen.“

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Politische Rhetorik: „Bei Merkel ist nicht eindeutig, was Inszenierung und was Überzeugung ist“ – Frankurter Allgemeine Zeitung

„Politker nennen ihre Handlungen oft alternativlos. Die Politikwissenschaftlerin und Körber-Preisträgerin Astrid Séville erklärt im Interview, warum das der Demokratie schadet.“

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Für den jungen Sigmar Gabriel waren Spontis Spinner- WELT

„Das linke Göttinger Biotop betrachtete Sigmar Gabriel als Student mit Argwohn – trotz mancher wilder Party. Anders als viele Altersgenossen wusste er früh, was man mit Pragmatismus erreichen kann.“

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Rekommunalisierung: Der Irrglaube an die Privatisierung – Zeit Online

„Kommunen sollten die Niedrigzinsen nutzen, um Wohnungen, Krankenhäuser und Energiebetriebe zurückzukaufen.“

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Internet und Demokratie: Der Kult der Unmittelbarkeit – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Wer im Internet politisch agiert, ist nicht genötigt, in den genannten Dimensionen zu denken. Er kann ganz im Gegenteil seine Vorurteile ausleben und fehlenden Sachverstand durch Radikalität des Urteils ersetzen. Das fällt umso leichter, als hier Gefühlsäußerungen bereits als Wert gelten. Mit „likes“, also rein quantitativ gemessener Zustimmung, werden eigene Meinung und eigenes Ego aufgewertet. Politisches Urteil und geistige Anstrengung werden entkoppelt.“

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Michael Dobbs: „Es ist für einen Politiker immer gut, zu wissen, wer gerade mit wem ins Bett geht“ – Zeit Online

„Michael Dobbs hat die weltweit erfolgreiche Polit-Fernsehserie ‚House of Cards‘ erschaffen. Aber er kennt die Politik nicht nur von außen. Er war Stabschef von Margaret Thatcher und ist Mitglied des britischen Parlaments. Ein Gespräch über das Phänomen Donald Trump, Machtgewinn als Lebenszweck und die hohe Kunst der Erpressung.“

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(Aus dem Archiv) – Bürgerliche Werte: „Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung (2011)

„Im bürgerlichen Lager werden die Zweifel immer größer, ob man richtig gelegen hat, ein ganzes Leben lang. Gerade zeigt sich in Echtzeit, dass die Annahmen der größten Gegner zuzutreffen scheinen. Von Frank Schirrmacher.“

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(Aus dem Archiv) – Umberto Eco: Urfaschismus – Zeit Online

„Im Jahre 1942, ich war gerade zehn Jahre alt, errang ich in meiner Provinz den ersten Preis bei den Ludi Juveniles (einem erzwungen freiwilligen Wettbewerb für junge italienische Faschisten – also für jeden jungen Italiener). Ich hatte mit rhetorischem Geschick das Thema behandelt: ‚Sollen wir sterben für den Ruhm Mussolinis und die ewige Bestimmung Italiens?‘ Ich äußerte mich bejahend. Ich war ein heller Junge.“

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