Kommentar zu den „Kamikaze-Wählern“

Florian Aigner verweist in seinem sehr lesenswerten Artikel über die „Kamikaze-Wähler“ auf die Spieltheorie, hier auf das so genannte Ultimatumspiel. Ich bin ihm dafür dankbar und möchte diesen einen Punkt aufgreifen, weil es mal einen anderen Zugang auf Wahlentscheidungen anbietet: „Sie wählen, um andere zu ärgern. Manchmal ist das Ansporn genug. Die Bedeutung dieses Wahlmotivs wird oft unterschätzt.“ Manche Wahlergebnisse müsse man wohl genau auf diese Weise verstehen: Es gehe nicht darum, das oberflächlich betrachtet beste Ergebnis für sich selbst zu erreichen. Mehr Freude als der eigene Vorteil bringe manchmal der Frust, den man anderen verursachen könne. „Wer das Gefühl hat, ungerecht behandelt zu werden, schadet sich gerne ganz bewusst selbst, wenn er die Hoffnung hat, dem verhassten Establishment damit noch mehr zu schaden. Das Verhalten ist nicht irrational – nur eben destruktiv.“ Ein solches Verhalten kann man natürlich auch noch fördern – und dies wird viel zu oft getan –  indem man über jedes hingehaltene Stöckchen springt. Das ist eine wesentliche Stategie der Rechten, weil die Empörung eben einen Teil des eigenen Erfolges ausmacht. Denn in einer schnelllebigen Zeit bleibt am Ende oft nur hängen, dass sie es waren, die das Establishment zum aufheulen gebracht haben, dass es aus dieser destruktiven Perspektive heraus demnach sehr lohnenswert ist, sie dann auch zu wählen.

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