Presseschau KW 47

++ Die Geschichte wird ihn nicht freisprechen ++ Migration reduziert globale Ungleichheit ++ Identitätspolitik ist keine Politik ++ Ich vertrete SPD-Überzeugungen ++ Rückkehr des Moralpredigers ++ Egal was die Linke macht ++ Rot-Rot-Grün nur bei wirklichem Politikwechsel ++ Gulag-Gedenken in Russland ++ Der Hass auf uns Jäger ist fürchterlich ++ Taleb und die Intellektuellen ++ Die Wohlwissenden ++ Das Volk ist nicht dumm ++ Große Teile des Volkes sind dumm ++ Meine Mitarbeiter, meine Vollidioten ++ Boris wollte mich verbrennen ++ Die Wiederkehr der Dreißiger Jahre? ++ Die ungerechte Gleichheit des Grundeinkommens ++ An der Schwelle zum autoritären Jahrhundert ++

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Fidel Castro ist tot: „Die Geschichte wird ihn nicht freisprechen“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Jeder fünfte Kubaner hat die Insel seit der Revolution verlassen. Die meisten flohen vor Armut. Das Reich der Castros ist eine linke Militärdiktatur, der nun gestorbene Revolutionsführer selbst war ebenso intelligent wie starrköpfig, narzisstisch und paranoid.“

Aufrührer, Commandante, Präsident: Zum Tode der kubanischen Revolutionslegende Fidel Castro – Neues Deutschland

„Fidel Castro steht bis heute für die Besitzverhältnisse in Kuba und seine beispielhaften sozialen Standards: bei vielen Kennziffern für Bildung, Gesundheit, Einkommensunterschiede und Kriminalität erreicht das Land vorbildliche Spitzenwerte im internationalen Vergleich.“

Nachruf auf Fidel Castro: Kubas maximo Polarisierer – taz

„Fidel Castros Traum einer fairen Gesellschaft, wo jede und jeder nach ihrer beziehungsweise seiner Qualifikationen in Würde lebt, ist ohnehin längst ausgeträumt. Davon ist im Alltag der Insel kaum noch die Rede. Zu beschäftigt mit dem täglichen Überlebenskampf sind die 11,2 Millionen Kubaner, als dass sie über die Visionen des Mannes zu philosophieren, der mehr als fünfzig Jahren zu ihrem Alltag gehörte, aber dabei scheiterte seine Visionen auch umzusetzen.“

Der sture Revolutionär – Spiegel Online

„Dass Demokratie zur Nebensache wurde, übersahen Bewunderer gerne. Hunderte Kubaner wurden bereits in den ersten Jahren hingerichtet, es waren Widersacher, Kritiker und Anhänger des Batista-Regimes. Castro nannte sie Kriminelle. Die politische Freiheit, die er versprochen hatte, gab er dem Volk nicht. Berüchtigte ‚Komitees zur Verteidigung der Revolution‘ sollten Oppositionelle aufspüren, sie bespitzelten Nachbarn und ermöglichten der Regierung die totale Kontrolle. Dissidenten wurden verfolgt, ohne Gerichtsverfahren eingesperrt oder mussten Zwangsarbeit leisten.“

Die letzte Ikone der Revolution tritt ab – n-tv

„Als Revolutionär im Ruhestand meldete er sich kaum noch zu Wort. Kurz vor seinem Tod erlebte er noch die historische Annäherung Kubas an die USA – nur eines hat er nicht mehr erlebt: das Ende seiner Revolution.“

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Globalisierung: Migration reduziert globale Ungleichheit – Frankfurter Rundschau

„US-Wirtschaftswissenschaftler Branko Milanovic spricht im Interview über das Drama des westlichen Mittelstands, über gute und schlechte Ungleichheit und über den wachsenden Druck, Migration zu regeln.“

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Krise des Linksliberalismus: Identitätspolitik ist keine Politik – Neue Züricher Zeitung

„Die Linksliberalen in den USA hätten sich im Spiegelsaal der Identitätspolitik verirrt, konstatiert Mark Lilla. Statt Interessengruppen zu hofieren, müssten sie sich auf ihre Kernanliegen besinnen.“

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Butterwegge über Bundespräsidentschaft: „Ich vertrete SPD-Überzeugungen“ – taz

„Steinmeier hat mit der Agenda 2010 und den Hartz-Gesetzen neoliberale Reformen angeschoben. Ich war immer ein Gegner dieser Politik, durch die Deutschland nicht eben gerechter, humaner oder demokratischer geworden ist. 2005 bin ich genau deshalb aus der SPD ausgetreten und seitdem parteilos. Denn die Grundüberzeugungen der SPD vertrete ich immer noch: mehr soziale Gerechtigkeit, Umverteilung von oben nach unten, die Macht des großen Kapitals beschränken. Eigentlich habe ich mich nicht von der SPD abgewandt, sondern sie hat ihre Ideale verraten.“

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Uli Hoeness als FC-Bayern-Präsident: Rückkehr des Moralpredigers – Neue Züricher Zeitung

„Nun wird er zurückkehren. Es ist möglich, dass er, anders als früher, an Grenzen stossen wird, dass ihm manche Zirkel nicht mehr so leicht zugänglich sind, wie dies ehedem der Fall war. Für den Fussball wäre dies nicht schlecht. Er könnte endlich als das erkannt werden, was er seinem Wesen nach ist: nicht mehr und nicht weniger als ein mit Wettkampfcharakter versehener Teil der Unterhaltungsindustrie, die immer wieder die Illusion erzeugt, mehr zu sein, als sie tatsächlich ist.“

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Linke Identitätspolitik: „Egal was die Linke macht“ – Die Wochenzeitung

„Wenn die Diagnose stimmt, dass die Triebfeder der Unzufriedenheit ein gesellschaftlicher Bedeutungsverlust ist, dann fangen sie mit ein paar Franken mehr Sozialhilfe oder einer gut ausgebauten Arbeitslosenversicherung niemanden auf. Es geht hier nicht um materielle Fragen. Niemand will Almosen. Die Wurzeln des Rechtsnationalismus mögen ökonomisch sein, aber das Problem der sogenannten Modernisierungsverlierer ist in erster Linie ein identitäres. Deshalb ist die Politik, die verfängt, auch eine identitäre.“

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Rot-Rot-Grün nur bei „wirklichem Politikwechsel“ – Deutschlandfunk

„Der Linken-Politiker Oskar Lafontaine hat sich grundsätzlich offen für eine Koalition mit der SPD nach der Bundestagswahl gezeigt. ‚Einen Regierungswechsel wird es aber nur geben, wenn die Sozialdemokratie sich neu orientiert‘, sagte Lafontaine im DLF. In einem Punkt könne die Bundesregierung auch von Donald Trump lernen.“

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Gulag-Gedenken in Russland: Sich im unbedingten Recht fühlen – Neue Züricher Zeitung

„Dass Millionen von Menschen in Sibirien umkamen, lastet auf der Seele der Nation – würde man meinen. Die Russen aber sehen den Gulag als Teil einer Geschichte, die weitaus bedeutsamer ist.“

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Interview mit einem Wildhüter: „Der Hass auf uns Jäger ist fürchterlich“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Bernd Moos-Achenbach geht seit 33 Jahren in seinem Revier auf die Pirsch. Jetzt gibt der Jäger auf. Vorher rechnet er ab mit naiven Tierfreunden, Nacht-Joggern und sonstigen Störenfrieden im Wald.“

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Taleb und die Intellektuellen: Tu, was du sagst, sag, was du tust – Neue Züricher Zeitung

„Leben wir in intellektuellenfeindlichen Zeiten? Oder ist es genau andersherum: Machen es sich die Intellektuellen womöglich zu leicht?“

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Nassim Nicholas Taleb: Die Wohlwissenden – Neue Züricher Zeitung

„Die Rebellion gegen den Intellektuellen-Idioten hat eben erst begonnen. Dieser weiss stets, wie sich sein Tun und Handeln auf seine Reputation auswirkt. Aber: Er stemmt keine Gewichte.“

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Michael Hartmann kritisiert Herfried Münkler: „Das Volk ist nicht dumm“ – Deutschlandradio Kultur

„Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler hat im Deutschlandradio Kultur gesagt, große Teile des Volkes seien dumm. Die Eliten sollten sie mit ihrem Wissen unterstützen. Der Soziologe Michael Hartmann kritisiert die ‚herablassende Haltung‘ seines Kollegen.“

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Politikwissenschaftler Herfried Münkler: „Große Teile des Volkes sind dumm“ – Deutschlandradio Kultur

„Wenn Herfried Münkler ein Defizit anprangert, gehört für ihn gleichzeitig eine Lösungsempfehlung dazu: Einigen Teilen des Volkes fehle ein bestimmtes Wissen über politische Prozesse, sagt er. Darum müssten die Eliten dafür sorgen, mit ihrem Wissen diese Gruppe zu unterstützen, so der Publizist.“

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Harte Arbeit, wenig Geld: „Meine Mitarbeiter, meine Vollidioten“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Murat Can ist der Boss von achtzig Sicherheitsleuten und Türstehern. Früher war er selbst einer. Heute verleiht er die Männer. Die Kunst aber ist, sie zum Arbeiten zu bringen – irgendwie. Ein Tag im tiefsten Niedriglohnsektor.“

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Boris wollte mich verbrennen – falter.at

„Neben dem Linsensuppenteller lag mein Smartphone. Weil mir langweilig war, twitterte ich einen schnellen Gedanken: ‚Der ORF sollte die Nachrichten optional mit türkischen Untertiteln senden.‘ Die Männer hier, so meine Idee, könnten dann auch hiesige Erdoğan-kritische Nachrichten verstehen. Und vielleicht, so meine Hoffnung, lernen sie dabei auch ein bisschen Deutsch. Die BBC hat ähnliche Dienste im Angebot. Der Gedanke war etwas einfältig, aber ich fand ihn in dieser Sekunde nicht provokant, im Gegenteil.“

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Die Wiederkehr der Dreißiger Jahre? – Blätter für deutsche und internationale Politik

„Also: Nein, das sind nicht die 1930er, bloß mit Drohnen in der Luft und Trollen im Netz. Wir haben ein widerstandsfähiges globales System – und wir müssen es verteidigen. Denn allein ein Blick auf eine unzensierte Social-Media-Timeline zeigt, was uns sonst blüht.“

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(Aus dem Archiv) – Christoph Butterwegge: Die ungerechte Gleichheit des Grundeinkommens – Frankfurter Rundschau (2016)

„Nötig wären eine stärkere Besteuerung großer Einkommen, Vermögen und Erbschaften sowie der Ausbau des bestehenden Sozialsystems zu einer Bürgerversicherung, in die Selbstständige, Freiberufler und Beamte genauso einbezogen sein müssten wie Abgeordnete und Minister. […] In die solidarische Bürgerversicherung einzubetten wäre eine soziale Grundsicherung, die bedarfsgerecht, armutsfest und repressionsfrei sein müsste. Dadurch würden die sozial Benachteiligten aus ihrem Helotendasein befreit, das ihnen die ‚Agenda‘-Reformen der rot-grünen Koalition mittels strenger Zumutbarkeitsregeln und harter Sanktionsdrohungen auferlegt haben.“

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(Aus dem Archiv) – Ralf Dahrendorf: An der Schwelle zum autoritären Jahrhundert – Zeit Online (1997)

„Die Globalisierung und ihre sozialen Folgen werden zur nächsten Herausforderung einer Politik der Freiheit.“

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