Presseschau KW 24

++ Noch mehr Milliardengeschenke an die Atomindustrie ++ Der Film war zu unbequem ++ Die langweiligste Buchhandlung von New York ++ hpd startet „Themenwoche Nicht-Glauben“ ++ Niemand wollte die Verantwortung in der Flüchtlingskrise übernehmen ++ Wie Debatten Wahlen entscheiden ++ Die falschen Verheißungen der E-Mobilität ++ Die hysterische politische Korrektheit ++ Multikulti ist gescheitert ++ Wir befinden uns mitten in der islamischen Inquisitions­zeit ++

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Klage mit Ansage: Noch mehr Milliardengeschenke an die Atomindustrie – Monitor

„Was waren das für Festtage für die deutschen Atomkonzerne. Vor ein paar Monaten erst der sogenannte Atom-Deal mit der Bundesregierung, der sorgte dafür, dass der Großteil des Kostenrisikos für den Atommüll auf den Steuerzahler abgewälzt werden konnte. Und letzte Woche gab’s dann nochmal sieben Milliarden Euro oben drauf, weil Angela Merkels sogenannte Brennelemente-Steuer für verfassungswidrig erklärt wurde. Freut die Aktionäre und eigentlich müsste die Kanzlerin vor Scham im Boden versinken. Tut sie aber nicht. Der Grund dafür könnte sein, dass man das im Kanzleramt alles genau so einkalkuliert hat. […] Auf Deutsch, die 7 Milliarden Euro waren Teil der Verhandlungsmasse. 7 Mrd. Euro, die die Konzerne nun quasi weniger zahlen für die Entsorgung des Atommülls. Ein schönes Geschenk der Bundesregierung an die Atomkonzerne. Geld, das eigentlich dem Steuerzahler gehört. […] Oder den Stromkunden. Ob sie wenigstens einen Teil der Milliarden an ihre Kunden zurückzahlen wollen, das haben wir die Atomkonzerne gefragt. Die Antworten waren einmütig: Nichts da. Das Sieben-Milliarden-Geschenk soll also vor allem den Aktionären zugutekommen.“

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Ahmad Mansour: „Der Film war zu unbequem“ – Jüdische Allgemeine

„Aber ich halte muslimischen Antisemitismus in Europa für sehr problematisch, und mit mir wäre die Ausrichtung der Dokumentation nicht anders gewesen. Die Ausstrahlung wurde abgelehnt, weil der Film zu unbequem war. […] Ja, aber es war offenbar eine Frage der Political Correctness. Und es ist nicht das erste Mal, dass es Schwierigkeiten gibt, wenn wir Islamismus und Antisemitismus im Fernsehen zeigen wollen. Dann kommen immer die Relativierer und Verharmloser und sagen, das sollte man nicht zeigen, weil es ein gefundenes Fressen für die Rechten sei, und weil es den gesellschaftlichen Frieden gefährde. Aber man muss über Probleme berichten, das ist Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. In dieser Frage hat er jetzt total versagt. Er hat einen Film geblockt, der schockiert und klar auf Probleme hinweist, und das darf nicht hingenommen werden.“

Öffentlich-Rechtliche Omertà – Salonkolumnisten

„Die ganze Sache lässt den Betrachter wütend zurück. Will man den Sendern weder politische Einflussnahme noch Unfähigkeit unterstellen, ergibt nichts an ihr irgendeinen Sinn. Was von ‚Ausgewählt und ausgegrenzt‘ langfristig haften bleiben wird, ist somit weniger der Film selbst als vielmehr die stümperhaften Versuche der Sendeanstalten, eine äußerst fragwürdige redaktionelle Entscheidung der kritischen Öffentlichkeit gegenüber zu begründen, ebenso wie ihr offensichtliches Unvermögen, die sich verändernde Situation politisch richtig zu bewerten, und ihre Unfähigkeit, einen Fehler einzugestehen, selbst auf die Gefahr hin, die Glaubwürdigkeit des Rundfunks insgesamt zu beschädigen. Der einzige Lichtblick ist, nicht zum ersten Mal: Wenn das Fernsehen bockt, wird das Netz es schon richten. Den Vorwurf, dass man dies einfach so geschehen ließ und sich auf allen Ebenen konsequent selbst marginalisiert hat, müssen WDR und arte sich nun anhören. Auf Dauer.“

Arte hat eine Riesenchance verspielt – Perlentaucher

„Aber mit all dem lässt sich die Ablehnung des Films durch Arte und WDR nicht rechtfertigen. Dass er eine Tendenz hat, ist ihm nicht vorzuwerfen – eine Dokumentation darf subjektiv sein. Es kommt doch auf die Qualität der Argumente an, die man zur Not auch zerpflücken kann. Arte hat hier eine Riesenchance verspielt: Der Film zeigt antisemitische Umtriebe in Frankreich und in Deutschland. Arte hätte den Film zeigen und danach eine Debatte unter deutschen und französischen Intellektuellen lancieren können, warum nicht mit Götz Aly, Bernard-Henri Lévy und als Gegenposition der Korrespondentin Gemma Pörzgen, die den Film im Deutschlandfunk unter anderem mit dem Argument kritisierte, dass er die Besatzung nicht zeigt. Wozu haben wir eigentlich einen deutsch-französischen Sender? In Frankreich ist die Debatte um den Film bisher noch nicht mal angekommen. Dabei zeigt das Schweigen und jetzt zaghaft einsetzende Reden über den Mord an der französisch-jüdischen Rentnerin Sarah Halimi, dass die Frage nach der Verdrängung des Antisemitismus in Frankreich höchst akut ist.“

UPDATE: „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ – Das Erste zeigt ARTE-Doku über Antisemitismus am Mittwoch, 21. Juni 2017 – WDR

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Neuer Amazon Bookstore: Die langweiligste Buchhandlung von New York – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Manchmal hat man das Gefühl, mit seiner Verachtung für Amazon und alles, was diese Firma repräsentiert, allein zu sein. Die produzieren doch jetzt auch tolle Fernsehserien, wie soll man da noch böse sein? Dann betritt man das Geschäft im dritten Stock von ‚The Shops On Columbus Circle‘ und glaubt, die kulturelle und moralische Leere des Allesfressers Amazon mit der Hand greifen zu können. Die Marktkapitalisierung von Amazon steuert auf eine halbe Billion Dollar zu, ungefähr der zwanzigfache Wert von Volkswagen, obwohl der Online-Händler minimale Gewinne abwirft. Bei diesem Unternehmenswert ist das eingepreist, was man an der Wall Street ‚Phantasie‘ nennt: Die Aussicht darauf, dass Amazon mit seiner Strategie von Ausbeutung und Dumping noch viele Branchen bricht, wie es beim amerikanischen Buchhandel gelungen ist.“

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Kontrapunkt zur ARD Themenwoche „Woran glaubst du?“: hpd startet „Themenwoche Nicht-Glauben“ – Humanistischer Pressedienst

„Die ARD veranstaltet derzeit ihre Themenwoche Woran glaubst du?. Vielen Menschen, die mit dem Glauben nichts am Hut haben, geht diese Themenwoche gewaltig auf den Senkel. Mit seiner heute beginnenden hpd Themenwoche Nicht-Glauben möchte der Humanistische Pressedienst einen Kontrapunkt zur Glaubens-Woche der ARD setzen.“

Michael Schmidt-Salomon: „Es ist absurd und gefährlich, an etwas zu glauben, das den Tatsachen widerspricht“ – Humanistischer Pressedienst

„Moses führte sein Volk nicht aus Ägypten, Jesus stand nicht von den Toten auf, Mohammed ritt nicht auf einem geflügelten Pferd gen Himmel. Religionen sind Fake News aus der Vergangenheit. Je früher wir dies begreifen, umso besser. Es ist absurd und gefährlich, an etwas zu glauben, das den Tatsachen widerspricht. Daher sollten wir unsere Überzeugungen einem permanenten Fakten-Check unterziehen. Dies gilt natürlich auch für unseren Unglauben. Tatsächlich würde ich jede noch so große und edle Idee ohne Gewissensbisse verraten, wenn es dafür rational einleuchtende Argumente gäbe. Ja, ich würde sogar in die Katholische Kirche eintreten, falls belastbare Belege dafür sprechen würden, dass der katholische Glaube rational, evidenzbasiert und human ist – allerdings bezweifele ich stark, dass es zu einer solchen Situation jemals kommen wird.“

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Interview mit Buchautor Robin Alexander: „Niemand wollte die Verantwortung in der Flüchtlingskrise übernehmen“ – General-Anzeiger

„Die Bundesregierung hat in der Flüchtlingskrise Fehler gemacht. Aber wirklich versagt hat die Opposition: Grüne und Linke haben sich im Plenum vor Begeisterung über die Grenzöffnung überschlagen, anstatt zu fragen, auf welcher Rechtsgrundlage die Entscheidungen gefallen sind und wie lange die als Ausnahme angekündigten Regelverletzungen dauern sollen. Die Aufgabe der Opposition ist die Kontrolle der Regierung. Weil diese Kontrolle damals nicht wahrgenommen wurde, will Lindner die Flüchtlingskrise mit einem Untersuchungsausschuss aufarbeiten. […] Ich bin tatsächlich der Meinung, dass es besser gewesen wäre, wenn das Parlament frühzeitig über die Flüchtlingspolitik abgestimmt hätte. Dies hätte die Regierung gezwungen, ihre Position zu erläutern und den offenen Grenzen eine Legitimität gegeben, die sie in den Augen großer Teile der Bevölkerung nicht hatten. […] Am Anfang waren wir nicht skeptisch genug. Unsere Aufgabe besteht nicht darin, Begeisterung für die Willkommenskultur zu wecken – aber auch nicht im Gegenteil. Wir Berichterstatter hätten uns darauf beschränken sollen, skeptisch zu fragen, was die Regierung da eigentlich gerade tut – und auf welcher rechtlichen Grundlage.“

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Wählerverhalten: Wie Debatten Wahlen entscheiden – Süddeutsche Zeitung

„Da treffen zwei Modelle aufeinander: Soll Politik Angebote machen? Völlig unabhängig von dem, was die Bevölkerung will. Oder ist es die Aufgabe von Politik darauf zu schauen, was die Bevölkerung möchte? Politik ist heute sehr stark strategisch ausgerichtet. Auch hier orientiert man sich mehr und mehr am Publikum. Man macht Umfragen, schaut, was die möglichen Wähler so wollen und richtet dann in Teilen sein Wahlprogramm danach aus. […] Aber: Wenn alle Parteien Umfragen machen und alle Parteien repräsentative Stichproben befragen, kommen am Ende alle zum selben Ergebnis. Man konzentriert sich dann auf vielleicht weniger wichtige Themen, von denen man aber glaubt, sie könnten wahlentscheidend sein. Und wenn das die Medien und die Politik gemeinsam tun, dann bleiben am Ende wenige Themen übrig.“

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Die falschen Verheißungen der E-Mobilität – Blätter für deutsche und internationale Politik

„Aus alledem wird klar: Es bedarf nicht primär einer technologischen Erneuerung des bestehenden autodominierten Individualverkehrs, sondern einer umfassenden Mobilitätswende. Deren Ziel muss sein, den öffentlichen und schienengebundenen Verkehr zu stärken, die Fahrradinfrastruktur auszubauen und das Verkehrsaufkommen radikal zu verringern – und zwar auf den Straßen und in der Luft. Die fossilen Antriebsaggregate müssen zum Auslaufmodell werden und nur der unbedingt nötige Bedarf an individuellen Automobilen sollte auf eine elektrische Basis gestellt werden. Nur auf diese Weise könnten die gegenwärtigen Ansätze einer Verkehrswende zu einer umfassenden Mobilitätswende weiterentwickelt werden. […] Im Ergebnis muss also ein über hundert Jahre gewachsenes, vorwiegend auf Automobile zugeschnittenes Verkehrssystem grundlegend verändert werden. Dafür aber sind nicht nur die technischen, sondern auch die mentalen Infrastrukturen erst noch zu schaffen. Letztlich brauchen wir eher eine Revolution als eine Wende: Wir müssen das Automobil als zentrales Symbol für Fortschritt und sozialen Status wie auch für individuelle Freiheit entthronen – auf der Straße, aber auch in unseren Köpfen.“

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Die hysterische politische Korrektheit – Basler Zeitung

„Vier junge Frauen, Chelsea, Emily, Becca und Kayla, Vorsteherinnen des Studierendenverbandes der renommierten Universität von Guelph in Kanada, hatten an einer Univeranstaltung den legendären Lou-Reed-Song ‚Walk on the Wild Side‘ abgespielt. Am nächsten Tag entschuldigten sie sich eilends und devot dafür, bereuten ihre ‚Ignoranz‘, bedauerten den ‚Schmerz‘, den die Songverse ihren ‚Freunden aus der trans community zugefügt‘ hätten und versprachen, solche ‚Fehler‘ künftig zu vermeiden. Was war passiert? Ein transsexueller Student hatte sich beschwert, er fühle sich durch den Song emotional verletzt.“

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Integrationsdebatte „Multikulti ist gescheitert“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Aber wenn das so war, warum richtete sich dann die Wut der islamistischen Extremisten mit solcher Vehemenz gegen Schriftsteller, Filmemacher und Cartoonisten, statt gegen Arbeitgeber, Wohnungsbaugesellschaften und Bildungspolitiker? Warum gab es dann so viel Gewalt in den islamischen Ländern selbst, auch in solchen wie Nigeria oder Sudan, wo es keine westliche militärische Interventionen gegeben hatte, oder in Libyen, wo der Westen nun gerade geholfen hatte, einen brutalen Diktator, den er vorher nie unterstützt hatte, zu beseitigen? Was hatten die Jesiden in Irak, christliche Minderheiten in der islamischen Welt oder muslimische Minderheitsströmungen wie die pakistanischen Ahmadiyya verbrochen, um den radikalislamischen Zorn auf sich zu ziehen? Und warum gab es nichts, das die Islamisten so aus dem Häuschen brachte wie die Kritik aus den eigenen muslimischem Reihen durch Salman Rushdie, Ayaan Hirsi Ali oder die vielen ermordeten und bedrohten Künstler, Journalisten und Intellektuelle in Bangladesch, Ägypten und fast überall sonst in der islamischen Welt? Sie wagten es, Kritik am Islam zu äußern oder für Reform und Modernisierung der Religion einzutreten. Das Problem des islamischen Extremismus kann erst gelöst werden, wenn die Mehrheit der Muslime realisiert, dass sich die eigentlichen Feinde, die den Islam bedrohen, nicht in Jerusalem oder Washington oder unter den europäischen Rechtspopulisten befinden, sondern in ihren Herkunftsländern und in der Mitte ihrer eigenen Gemeinschaften.“

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Deutsch-libanesischer Regisseur Imad Karim: „Wir befinden uns mitten in der islamischen Inquisitions­zeit“ – Kurier

„Das westliche Lebensmodell ist heute viel labiler als vor 20 oder 30 Jahren. Das Gendermainstreaming und andere ideologisch forcierten Vielfaltmodelle überfordern viele Menschen. Die heutige Liberalität unserer Gesellschaft erschwert den Muslimen, aber auch allen anderen religiös behafteten Menschen die aktive Integration. Die Neuankömmlinge sind quasi kulturell geschockt, wenn das Kind daheim erzählt, dass heute in der Schule gelernt wurde, wie man ein Kondom überzieht. Das versteht nicht einmal ein gläubiger Christ. […] Absolut, sie scheitern an der liberalen Gesellschaft, sie haben nie gelernt für sich selbst zu bestimmen, und wenn, dann müssen sie den Koran als Grundlage verwenden. Diese Menschen brauchen Halt und den finden sie im Koran. Wir unterstützen sie dabei und bemerken nicht, dass wir eine auf Isolation gerichtete Minderheit fördern […].“

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