Presseschau KW 25

++ Der Pessimismus ist ein Meister aus Deutschland ++ Hauptsache, Kampf ++ Kommunalpolitiker genießen hohes Ansehen ++ Im Krankenhaus ist der Mensch kein Mensch mehr ++ Der Hochmut der Vernünftigen ++ Worthülsen und Sprechblasen ++ Bedingt zur Aufklärung bereit ++ Mit uns spricht seit sechs Monaten keiner ++ Schlechtes Zeugnis für die Große Koalition ++ Wann wacht Europa auf? ++ Mit Allah hinter Gittern ++ Über die Psychologie der Gaffer ++ Die Hasser und die Heuchler ++ Welchen Fakten können wir trauen? ++ Glücklicher Alexis – unglückliches Griechenland ++ FDP und CDU belügen die „Mitte“ ++ Deutschland spricht ++ Helmut Kohl über Werte ++ Dschihad auf Ecstasy ++

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Für einen Wettbewerb der Leitkulturen: Der Pessimismus ist ein Meister aus Deutschland – Neue Züricher Zeitung

„Eine neue Untersuchung der Bundesregierung stellt sogar ein Gefühl dreifacher Benachteiligung und Geringschätzung in einigen Regionen Ostdeutschlands fest: als Landbewohner gegenüber Städtern, als Ostdeutsche gegenüber Westdeutschen und als Deutsche gegenüber angeblich privilegierten Ausländern. Im Westen Deutschlands konnten Institutionen wie Parteien, Kirchen, Medien und Wirtschaft die Ängste und Hoffnungen der Bürger bisher auffangen und artikulieren. Ihr Vermögen, soziales Kapital zu produzieren, schwindet indes in einer zunehmend pluralistischen und heterogenen Gesellschaft. Deutschland fehlt ein einigendes positives Zukunftsbild. Die Polarisierung der Wertewelten ist weit fortgeschritten. Auf der einen Seite steht die linke Erzählung von der offenen, multikulturellen, solidarischen Weltgesellschaft, auf der anderen Seite die rechte Erzählung vom geschlossenen, identitären Nationalstaat. Beide Modelle scheitern an der Komplexität der heutigen Gesellschaft.“

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„Finis Germania“: Hauptsache, Kampf – Zeit-Online

„Sieferle liefert eine gängige, bisweilen zutreffende ‚Systemkritik‘, und nicht alles daran ist rechtsradikal. Doch was an seinen Notaten interessant ist, das wurde anderswo schon genauer und ohne den Sound dünkelhafter Verachtung beschrieben: das Elend eines leeren Fortschrittsglaubens; die Zunahme von Zwang in der ‚freien‘ Gesellschaft; die Selbstbanalisierung der Kultur; die Traurigkeit einer abstrakten Subjektivität, die gar nicht mehr weiß, wovon sie sich einmal emanzipiert hatte. Etliche Gedanken könnten aus dem Portfolio eines Botho Strauß oder Ernst Jünger stammen, dessen spekulativer Belletristik Sieferle die Idee entwendet, die Weltgeschichte werde tief unten von Elementarkräften bewegt. […] Symptomatisch aber ist der Umstand, dass darin Denkfiguren auftreten, die inzwischen im Ideenpool der internationalen Rechten Karriere gemacht haben. Es sind immer dieselben: Volk, Souveränität, Gemeinschaft, Opfer, Dekadenz und so weiter. Gleichwohl ist es müßig, im Gegenzug nun mahnend und warnend die Formeln von Demokratie und Freiheit hochzuhalten. Entscheidend ist die Frage, warum die rechten Begriffs-Zombies attraktiv sind. Welche psychosozialen Ängste fangen sie ein? Für welche Erfahrungen liefern sie den Deutungsrahmen? Von der antikisierenden Pose rechter Autoren darf man sich jedenfalls nicht täuschen lassen, nicht vom gebohnerten Manufactum-Deutsch, dem Schreiben aus der Tiefe der Zeiten und von ‚ganz weit her‘. Die Aufkündigung von Zeitgenossenschaft gehört zum Spiel, sie ist das Inkognito rechter Kritik und dient dazu, den Leser über den intensiven Gegenwartsbezug zu täuschen. Tatsächlich verhalten sich rechte Schlüsselwörter komplementär zum liberalen Diskurs: Die Rechten sagen nicht Gesellschaft, sondern Gemeinschaft. Nicht Zukunft, sondern Vergangenheit. Nicht Globalisierung, sondern Nation.“

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Kommunalpolitiker genießen hohes Ansehen – Kommunal.

„Insgesamt erklärten 40 Prozent der Befragten, die Politiker in ihrer Gemeinde oder Stadt in der sie leben, kümmerten sich in ausreichendem Maße um das, was die Menschen bewegt. 47 Prozent der Bundesbürger sind hingegen der Meinung, die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker vor Ort würden sich zu sehr an den ideologischen Vorstellungen ihrer Partei orientieren.“

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Ex-Chefarzt rechnet ab: „Im Krankenhaus ist der Mensch kein Mensch mehr“ – Spiegel Online

„Das Problem liegt darin, dass die Normen der Industrie auf Krankenhäuser übertragen werden, obwohl es um Menschenleben geht. Der Mensch im Krankenhaus ist heute kein Mensch mehr, sondern eine Fallpauschale. Es ist ein verdichtetes System entstanden, das ein hohes Risiko für die Patienten mit sich bringt. Das wird besonders stark in privaten und auch kirchlichen Kliniken sichtbar. Das Schlimme dabei ist, dass dieser Markt zu 100 Prozent von der Solidargemeinschaft finanziert wird und private Klinikträger das Geld mit beiden Händen heraustragen. Das sind letztlich private Entnahmen aus einem solidarisch finanzierten System. […] Private Träger passen höllisch auf, dass Patienten so kurz wie möglich und exakt so lange wie nötig im Haus bleiben, um mit ihnen Geld zu verdienen. Die Matratzen dürfen nicht kalt werden, es dürfen erst recht keine Betten leer stehen. Jeder Chefarzt, der Betten nicht belegt, bekommt Personal gekürzt. Die Isolation bestimmter Patienten ist unter einem solchen Druck manchmal gar nicht mehr möglich, die Hygiene leidet.“

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Hans Monath: Der Hochmut der Vernünftigen – Der Tagesspiegel und Theodor Wolff Preis

„Die Klügeren unter den Atheisten bestreiten zwar die Existenz Gottes, akzeptieren aber Religion als soziale Tatsache. Ähnlich sollten die Klügeren unter den Verteidigern des Fortschritts sich verhalten: Sie können mehr erreichen, wenn sie die Ablehnung der kulturellen Moderne als Tatsache akzeptieren und deshalb viel genauer auf die Wirkung der eigenen Überzeugungsversuche schauen können. Wer aber ein Monopol der eigenen Urteile im öffentlichen Diskurs durchsetzen will und damit den Eindruck von Indoktrination erweckt, macht die Gegenkräfte stark. […] Wer als Scheinselbstständiger zwölf Stunden am Tag Amazon-Pakete ausfährt, wer das Geld für die Klassenfahrten seiner Kinder nicht aufbringen kann, auch wer ein gutes Einkommen hat, aber von Abstiegsängsten geplagt wird, empfindet die Emanzipationsideale der gut ausgebildeten, linksliberalen Eliten schnell als Kriegserklärung von oben. […] Mit anderen Worten: Wer statt existenzielle soziale Fragen zu beantworten, damit das Tempo des Kulturkampfes steigert, muss sich über ein Ergebnis wie das bei den US-Präsidentschaftswahlen nicht wundern. Es gibt auch in Deutschland viele Millionen Menschen, die nie in einem Uni-Seminar über Gender-Politik debattiert haben und statt Aufsätze von Judith Butler zu lesen lieber ‚Dschungelcamp‘, ‚Frauentausch‘ oder ‚The Biggest Loser‘ schauen. Womöglich stehen wir vor einer Wahl: Entweder die existierende liberale Gesellschaft gegen ihre Verächter zu halten oder aber deren Gegnern durch einen fortgesetzten moralischen ‚imperial overstretch‘ zu stärken.“

Journalistenpreis der deutschen Zeitungen: Die Nominierungen 2017 – Theodor Wolff Preis

Stifter: Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V. – Thema/Kriterien: Texte, die ein bedeutsames Thema behandeln oder wegen ihres Neuigkeitsgehalts und der Art der Präsentation für einen wachen Journalismus beispielhaft erscheinen.

 

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Rhetorik von Politikern: Worthülsen und Sprechblasen – Deutschlandfunk Kultur

„Reden, ohne etwas zu sagen: Kaum eine Berufsgruppe hat das so perfektioniert wie unsere Politiker. Oder etwas so auszudrücken, dass es nicht verstanden wird – beziehungsweise nicht verstanden werden kann oder soll. Steckt dahinter vielleicht ein System? […] Ein Auftreten, das nur darauf ausgerichtet sei, Schlüsselworte und Programmsätze unterzubringen, gepaart mit einer floskelhaften, starren und äußerst unkonkreten Sprache fördere die Politikverdrossenheit, davon ist Sammy Stauch überzeugt: ‚Ja, absolut, absolut. Nehmen wir mal eine Familie, wenn da einer permanent Quatsch erzählt, gibt’s auch Knatsch in der Familie. Das Problem ist, wenn Kommunikation nicht mehr dazu da ist, um etwas gemeinsam zu erörtern oder sich über etwas zu verständigen, wenn dieses Verständnis fort ist, dann geht man getrennte Wege. Und so ist das, glaube ich, in großen Teilen der Gesellschaft, die sagen: Okay, dann gehe ich eigene Wege.‘ […] Der Journalist Stephan Hebel ist davon überzeugt, dass viele politische Begriffe ideologische Botschaften aussenden, die den Blick auf die Realität verändern.“

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Cum-Ex-Skandal: Bedingt zur Aufklärung bereit – Zeit-Online

„Opposition und Koalition streiten über Konsequenzen aus dem größten Steuerraub der deutschen Geschichte. SPD und Union sehen keinen Handlungsbedarf für die Politik.“

Illegal, aber ohne Folgen – Frankfurter Rundschau

„Mehr als ein Jahr hat ein Untersuchungsausschuss die Cum-Ex-Aktiendeals unter die Lupe genommen. Von Fehlern der Finanzverwaltung ist im Abschlussbericht keine Rede.“

Ministerium auf Autopilot – Zeit-Online

„Warum agierte das Finanzministerium im Cum-Ex-Skandal so hilflos? Weil man eher mit Lobbyisten spricht als mit Kollegen, sagt die Politikwissenschaftlerin Thurid Hustedt.“

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Regisseur der Judenhass-Doku: Mit uns spricht seit sechs Monaten keiner – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Belege für unsere Vorwürfe existieren selbstverständlich. Sie sind veröffentlicht und zugänglich. Wir haben uns auf die Skandale konzentriert – und nicht auf die positiven Auswirkungen von Hilfsarbeit. Wir stellen im Film die von unseren Steuergeldern finanzierte antizionistische Begleitmusik vor Ort dar. Wenn über Flugzeugunglücke berichtet wird, dann verlangt auch niemand, dass man gleichzeitig die vielen geglückten Landungen erwähnt. […] Brot für die Welt wird in dem Film als Geldgeber für die israelische NGO B’Tselem genannt. Unlängst geriet die Vereinigung in die Kritik, weil einer ihrer Aktivisten dem amerikanisch-israelischen Publizisten Tuvia Tenenbom vor laufender Kamera sagte, der Holocaust sei „eine Lüge“ und „eine Erfindung der Juden“. B’Tselem dementierte die Äußerung zunächst, dann erfolgte eine halbherzige Distanzierung und schließlich die Ankündigung, sich von dem Mitarbeiter zu trennen. […] Das Gespräch zwischen dem B’Tselem-Mitarbeiter und Tuvia Tenenbom wurde gefilmt und ist öffentlich zugänglich. Die Szene wurde bereits auf ausländischen Nachrichtensendern gezeigt. Nicht in Deutschland. […] An diesem Abend wird der Film viele von der Dringlichkeit des Themas überzeugen. Die Mehrheit der zuschauenden Gebührenzahler wird das verstehen, davon bin ich überzeugt.“

Nicht die hellste Kerze auf der Menorah – Salonkolumnisten

„Nicht jedoch Blüm, der sich deswegen selbstredend auch gegen die ‚Antisemitismuskeule‘ verwahrte und außerdem darauf bestand, Israel und den ‚Finanzkapitalismus‘ (sic) kritisieren zu dürfen, ohne gleich des Antisemitismus geziehen zu werden, wie dies der notorisch hysterische Zentralrat bereits einmal getan hatte. Gegen diese explosive Kombination aus unendlicher Ahnungslosigkeit und grenzenloser Selbstüberhöhung kamen ein tapferer Ahmad Mansour und ein gegen Ende verständlicherweise genervter Michael Wolffsohn qualitativ durchaus an, quantitativ hatten sie gegen eingeschossene Dampfplauderer vom Schlage Blüms und Pörzgens keine Chance. Klar, sie hatten ihre Momente: Als Rolf Verleger etwa erklärte, so wie bisher ‚geht es bei uns Juden nicht weiter‘, denn ‚wir‘ müssten viel stärker Israels Völkerrechtsverletzungen kritisieren, brachte Mansour ihn mit der einfachen Nachfrage, woher bei ihm die ständige Verbindung zwischen Juden in Deutschland und Israel rühre, doch arg ins Schwitzen.“

Abgelehnt und ausgestrahlt – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Haben Sie nicht!“ – „Haben wir doch!“ – Süddeutsche Zeitung

Gesendet und vergessen – Jüdische Allgemeine

Muss ein Film gegen Antisemitismus in Europa pro-jüdisch sein? – Welt

Die Antisemitismus-Doku bei „Maischberger“ – ein Debakel für den WDR auf allen Ebenen – Meedia

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Lobby Control zieht Bilanz: Schlechtes Zeugnis für die Große Koalition – Deutschlandfunk

„Die Organisation Lobbycontrol stellt der Großen Koalition in ihrem dritten Bericht ein schlechtes Zeugnis aus: noch immer kein verbindliches Lobbyregister für Abgeordnete, Interessenskonflikte durch Tätigkeiten außerhalb des Bundestags oder der „zahnlose Umgang mit der Autolobby‘.“

Lobbyreport 2017: Aussitzen statt anpacken Eine Bilanz von vier Jahren Schwarz-Rot – Lobby Control

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Bassam Tibi: Wann wacht Europa auf? – Basler Zeitung

„Leider haben bestimmte Kreise in Deutschland aus dem Konzept einer säkularen europäischen Leitkultur eine deutsche und christliche Leitkultur gemacht, ohne zu erkennen, dass muslimische Migranten sofort blockieren, wenn sie das Wort «christlich» hören, weil sie Missionierung befürchten. […] Im Interesse der Demokratie und eines friedlichen Zusammenlebens mit den Muslimen ist es eine Notwendigkeit, über diese Gefahren für den inneren Frieden frei zu denken, zu schreiben. Es ist schlicht eine bösartige Verdrehung, wenn die Aufklärung über diese Gefahren mit dem propagandistischen Vorwurf «Islamophobie» stigmatisiert wird.“

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Religiöser Beistand im Gefängnis: Mit Allah hinter Gittern – Der Tagesspiegel

„Im Umgang mit Salafisten sei es wichtig, dass Seelsorger den Insassen nicht als akademische Gelehrte begegnen, die ihnen den Koran erklären, sagt Köhler: ‚Der Islam kennt viele Auslegungen. Ein guter Imam zeigt Alternativen auf und beharrt nicht auf der eigenen Auslegung.‘ In den Augen der Radikalen stehen die hiesigen Imame im Verdacht, verwestlichte Muslime zu sein. Wer jungen Gläubigen mit salafistischen Ansichten vorhalte, sie seien einem Irrglauben aufgesessen, bestätige in ihren Augen nur diesen Vorwurf. Stattdessen sollten Imame verschiedene Auslegungsmöglichkeiten des Korans aufzeigen. ‚Am Wichtigsten ist es, ein Vertrauensverhältnis zu den Gläubigen zu schaffen; gemeinsam zu beten und einen Zugang zu ihnen zu bekommen.‘ Seelsorger sollten als eine Art Sozialarbeiter fungieren. Wenn ihnen dies gelinge, würden sie effektiv helfen, die Radikalisierung in Gefängnissen einzudämmen.“

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Über die Psychologie der Gaffer: „Super, ich war dabei, als es Tote gab!“ – Deutschlandfunk Kultur

„Woher kommt die sich steigernde Respektlosigkeit vor den „Guten“, den Helfern? Es ist ein mörderischer Neid auf diejenigen, die Gutes zu tun in der Lage sind – wenn man selbst diese Fähigkeit nicht besitzt. Und auf diejenigen, denen diese Hilfe zuteil wird. Ein primitiver, sadistischer Neid aus frühster, schrecklichster Kindheit. […] Empathie und Respekt lernt man in frühester Kindheit, wenn die Eltern auf die Bedürfnisse der Kleinsten und Schwächsten eingehen. Sind sie dazu nicht in der Lage oder werden zunehmend durch eigenen Medienkonsum abgelenkt, kann sich dieses tiefe menschliche Gefühl nur unzureichend entwickeln. Weswegen eine lebenslange Wut wächst: Wut zu kurz gekommen zu sein, Wut auf Helfer und Autoritätspersonen wie die Polizei, die als Stellvertreter der eigenen Eltern wahrgenommen werden und nun anderen Menschen helfen und versuchen, das Recht durchzusetzen. […] Aggressive Gaffer sind weder erwachsen noch reif. Sie agieren wie wütende Trotzkinder oder hormongesteuerte Pubertierende mit „dümmlichem Anstarren“ und irrationalen Attacken auf der Ebene sofortiger Triebbefriedigung, Schadenfreude und neidischer Gehässigkeit, wenn sie Rettungsfahrzeuge behindern und Helfer angreifen.“

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Populismus: Die Hasser und die Heuchler – Neue Züricher Zeitung

„Eine Weile lang konnten sich die internationalen Wirtschaftseliten als Avantgarde einer neuen globalen Ordnung jenseits staatlicher Strukturen wähnen. Damit aber ist es seit 2008 vorbei. Als die globale Finanzwirtschaft in Schockstarre geriet und im Euro-Raum die Staatsschuldenkrise ausbrach, standen die Internationalisten als Zauberlehrlinge da, und es waren überwiegend die alten Institutionen des Nationalstaates, die für ihre Rettung aufkommen mussten. Damit aber gerieten die nationalen Politikeliten in Geiselhaft der internationalen Wirtschaftseliten. Letztere gingen, abgesehen vom havarierten Ruf, gestärkt aus der Krise hervor. Ihre Drohung, bei hartem Durchgreifen in Länder mit nachsichtigeren Regimen abzuwandern, wirkte. In Amerika und Europa sorgten die staatstragenden Parteien dafür, dass die Krisensymptome bekämpft, die Krisenursachen verdrängt, die Krisenverursacher verschont und die Kosten auf künftige Generationen überwälzt wurden.“

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Welchen Fakten können wir trauen? – Philosophie Magazin

„Der Boden der Tatsachen gerät derzeit ins Wanken. Dabei sind die Verfahren, mit denen wir Fakten überprüfen, seit Jahrhunderten bestens erprobt. Die Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston und der Investigativjournalist Georg Mascolo über die Krise der Wahrheit in der Ära Trump.“

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Glücklicher Alexis – unglückliches Griechenland – Makroskop

„Noch schlimmer wäre, wenn er von Anfang an zwar große Töne in Richtung Troika gespuckt hat, um an die Macht zu kommen, tief in seinem Herzen aber überzeugt war, dass Griechenland all die strukturellen Reformen braucht, die ihm die Troika aufgedrückt hat. Am allerschlimmsten wäre es aber, und das ist tatsächlich der wahrscheinlichste Fall (wie ich gerade am Wochenende von einigen Leuten, die früher in seiner Nähe arbeiteten, erfahren habe), dass sowohl er wie auch alle seine Berater von Anfang an überhaupt keinen Schimmer von den wirtschaftspolitischen Zusammenhängen hatten, um die es im Fall Griechenland ging. Sie wussten zwar, dass die Masse der Griechen wegen der Bedingungen der Geldgeber wütend ist, sie hatten aber keine Ahnung, wie man unter den spezifischen Bedingungen einer Krise in der Europäischen Währungsunion würde agieren müssen, um die dann eingetretene Katastrophe zu verhindern.“

Die gefährlichste Idee Europas – Tages-Anzeiger

„Kein Zweifel, Austerität ist die wichtigste politische Idee der Gegenwart. Das Erschreckende daran ist: Es ist eine Idee, die keine Theorie im Rücken hat, keine nachweisbaren Erfolge zeigt, dafür aber direkt zur grössten politischen Katastrophe des letzten Jahrhunderts führte. […] Was immer mit Griechenland noch wird, das Ergebnis ist klar: Die Austerität steht als Doktrin fester denn je. Es ist egal, dass ihre Resultate vernichtend sind, dass ihre Sprache langsam sowjetisch klingt und dass niemand auch nur das geringste Vergnügen an ihr hat. Oder an Europa. Es ist die einzige Idee, die der Politik noch geblieben ist. Und auf sie setzt ein ganzer Kontinent seine ­Zukunft.“

Europäische Kleingeister – Gegenblende

„Griechenland wird so jedoch genau das verweigert, was es und mögliche Investoren dringend bräuchten: eine klare Perspektive. So müssen die Griechen ein weiteres Jahr hoffen und bangen. Und Investoren werden ein weiteres Jahr abwarten und Tee trinken – während die Wirtschaft weiter daniederliegt, die Arbeitslosigkeit steigen und die Renten sinken werden. Das ist eine ökonomisch so unsinnige und wie unmenschliche Politik. Wenn Merkel, Schäuble & Co sie weiter verfolgen, sollten sie nicht mehr von europäischer Solidarität sprechen, sondern lieber eine alte Bauernweisheit variieren: Schlägt der Blitz ‚nen Griechen tot, spart sein Weib ein Abendbrot.“

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Debatte Finanzkasino: FDP und CDU belügen die „Mitte“ – taz

„Die FDP ist also ganz die alte: Sie bleibt eine Partei für Zahnärzte und Anwälte. Die ‚Mitte‘ interessiert nur als Stimmvieh, um Privilegien für die Besserverdienenden zu sichern. Leider scheint dieses Konzept aufzugehen, denn FDP-Chef Christian Lindner ist aktuell weitaus beliebter als etwa SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.[…] Natürlich gibt es auch Haushalte, die den Spitzensteuersatz zahlen. Momentan sind dies etwa 2,69 Millionen Steuerpflichtige, wie das Bundesfinanzministerium schätzt. Aber diese Spitzenverdiener sind eben keine ‚Facharbeiter‘, wie Linnemann behauptet, sondern Ärzte, Notare oder Manager. Die CDU betreibt klassische Klientelpolitik, will dies aber als ‚Entlastung‘ für die ‚Mitte‘ verkaufen. […] Nicht die Steuern an sich sind das Problem, sondern ihre Struktur. In den letzten Jahrzehnten wurden die Reichen entlastet – und die Geringverdiener belastet. Denn die ‚direkten‘ Steuern, die progressiv auf das Einkommen und Vermögen erhoben werden, sanken. Gleichzeitig stiegen die ‚indirekten‘ Steuern, die auf den Verbrauch entfallen und von allen gezahlt werden. Vor allem die Mehrwertsteuer kletterte von einst 10 auf inzwischen 19 Prozent. Das irritierende Ergebnis: Allein die Steuerreformen seit dem Jahr 2000 führten dazu, dass das ärmste Zehntel der Bevölkerung jetzt 5,4 Prozentpunkte mehr Steuern auf sein Bruttoeinkommen zahlt – während umgekehrt das reichste Tausendstel 4 Prozentpunkte sparen konnte.“

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Deutschland spricht: „Wir haben unser Bürgergefühl entdeckt“ – Zeit-Online

„Hat Deutschland zu viele Flüchtlinge aufgenommen? Diese und vier weitere Ja-Nein-Fragen (etwa: ‚Geht der Westen fair mit Russland um?‘) haben wir den Lesern von ZEIT ONLINE vier Wochen lang gestellt – und sie anschließend eingeladen, sich mit jemandem in ihrer Region zu treffen, der ganz anders geantwortet hat als sie selbst. Mehr als 12.000 Leserinnen und Leser haben sich für die Aktion ‚Deutschland spricht‘ registriert, etwa 600 Paare haben sich an diesem Sonntag getroffen […]. Am Anfang von ‚Deutschland spricht‘ stand die Idee, Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten wieder ins Gespräch zu bringen. Ist uns das gelungen? Seit dem Nachmittag sind in der Redaktion mehr als 100 Mails von Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingegangen. Hier dokumentieren wir einige der ersten Reaktionen.“

Deutschland spricht: Einen Mirko gibt es hier nicht – Zeit-Online

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Helmut Kohl über Werte: „Linke wird es immer geben“ taz (2003)

„Die Linke wird es immer geben, weil ihre Ideologie eine gewisse Anziehungskraft hat. Auch heute wiederholt sich die geschichtliche Tatsache, dass Revolutionen nicht von den unterprivilegierten Klassen gemacht werden. Nach meiner Beobachtung kommen in unserer Zeit die ideologisch geprägten Zeitgenossen aus gehobenen Elternhäusern. Sie haben mit 20 Jahren schon ihre Wohnung und der Papa zahlt für das Auto und vieles mehr. In diesen Kreisen ist es auch „in“, links zu sein. Aber das war nie meine Sache. Ich habe mir mein Studium über drei Jahre während der Semesterferien als Schichtarbeiter bei der BASF verdient, unter kommunistischen Arbeitern und Steinhauern. Das waren sehr schwere Berufe, mit erheblichen Gesundheitsgefahren. Wenn ich dagegen diese ganzen piekfeinen Gestalten sehe, die sich heute in der Bundesrepublik und hier in Berlin als Linke tummeln, dann kann ich nur sagen: Dafür habe ich gar nichts übrig.“

Helmut Kohl – im Halbdunkel – dbate

„Im Jahr 2003 stellte sich Helmut Kohl einem ungewöhnlichen Gespräch. Es dauerte vier Tage. Und wurde Kohls letztes großes TV-Interview.“

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Islamischer Staat: Dschihad auf Ecstasy – Zeit-Online

„Wie die Strategie der Salafisten bei radikalisierten Jugendlichen auf der Straße ankommt, weiß André Taubert. Er leitet eine Ausstiegsberatung und war zehn Jahre Straßensozialarbeiter in Bremen. ‚Das wird dann Halal-Abziehen genannt. Die Jugendlichen glauben dann, wenn sie Ungläubige überfallen, sei das in Ordnung.‘ Dass die in Berlin festgenommenen mutmaßlichen Islamisten mit Kokain, Haschisch und Ecstasy gehandelt haben sollen, überrascht Taubert nicht: ‚Alles wird systematisch schöngeredet. Drogenverkaufen sehen sie in ihrem Fanatismus nicht als Problem, weil sie damit ja den Ungläubigen schaden. Und wenn die Konsumenten Muslime sind, dann reden sie sich auch das schön, indem sie sagen: Wahre Muslime hätten die Drogen erst gar nicht gekauft.'“

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