Presseschau KW 27

++ Ironie der Digitalisierung ++ Auf einen Tee in Holstein ++ Die Wohnungsnot ist politisch gemacht worden ++ Politiker mieten: Geht immer noch ++ Leichen im grünen Keller ++ Mit Gesichtserkennung gegen Klopapierdiebstahl ++ Die bizarren Verhandlungen ums TV-Duell ++ John Lennon ist tot ++ Wir müssen Migranten auswählen ++ Was abweicht, wird nicht geduldet ++ Wie Israel in palästinensischen Schulbüchern dargestellt wird ++ Da kommt Europas gestiefelter Messias ++ Die Leute haben pure nackte Scheissangst ++ Lassen wir die Erfolge weg ++ Wem will die FDP helfen? ++ Russland hat einen Cyberkrieg gewonnen ++ Warum Eltern und Kinder ihre innere Ruhe wiederfinden sollten ++ Die Diskussion über die Antisemitismus-Dokumentation ++

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Ironie der Digitalisierung – weswegen Steuerungsphantasien zu kurz greifen: Sozialtheoristen

„Das Konzept der Digitalisierung gilt in der Wirtschaft als ein neues Heilsversprechen. Digitale Geschäftsmodelle verheißen neue Gewinnchancen. Wenn man sich schon nicht zu ganz neuen Ufern aufmacht, so will man wenigstens die Leistungsreserven der bestehenden Organisation heben. Durch digitale Transformation soll die Automatisierung betrieblicher Prozesse vorangetrieben werden. Die Idee: Je vernetzter und schneller die Prozesse strukturiert sind, desto effizienter und wirtschaftlicher die Wertschöpfung. Aber wie realistisch sind diese Vorstellungen einer grundlegenden Veränderung durch Digitalisierung? Werden wir es in Zukunft mit Unternehmen zu tun haben, in denen Personen stören, weil Bots alle regelmäßig anfallenden Aufgaben ohne Reibungsverluste und Kaffeepausen abarbeiten? Müssen Manager gar nicht mehr entscheiden, weil Big Data das nächste Geschäftsmodell ausrechnet? Sicherlich – wie andere Techniken auch, ermöglicht die Digitalisierung die Entlastung von Routinetätigkeiten. Aber gleichzeitig – und auch das kennt man von anderen Technologien – produzieren digitale Technologien verschiedene nicht intendierte Effekte.“

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Auf einen Tee in Holstein: „Politik is‘ was für Schietbüddel“ – n-tv

„Nördlich von Neumünster gibt es keine Terroristen, keine Flüchtlinge, und Nazis schon gleich gar nicht – sagt jedenfalls Bauer Till. Warum er trotzdem seit fast 40 Jahren nicht mehr wählen geht, erklärt der alte Mann bei einer heißen Tasse Tee.“

Auf einen Schnack im Taxi: „Integration ist in Deutschland nur ein Wort“ – n-tv

„Selçuks politische Vorbilder heißen Gerhard Schröder, Christian Wulff und Recep Tayyip Erdoğan. Warum das so ist, erklärt der Taxifahrer auf seinem Weg durch den dichten Hamburger Innenstadtverkehr.“

Auf einen Fleischkäs‘ in Calw: „Du kannst Deutschland nicht einzäunen“ – n-tv

„Der Nordschwarzwald ist ein Musterbeispiel für politische Toleranz: Hier können ein linksalternativer Gitarrenhändler und ein strammer AfD-Wähler mit steilen Thesen in aller Ruhe über Politik diskutieren, ohne sich gegenseitig zu zerfleischen.“

Auf eine Schorle in Dortmund: „Die Kanzlerin hat mich nie gefragt“ – n-tv

„‚Ghetto‘, ‚No-go-Area‘, ‚Problembezirk‘: Die Dortmunder Nordstadt ist ein vielzitiertes Negativbeispiel von missglückter Integration. Vor allem eine Bevölkerungsgruppe erregt den Zorn der Bewohner – auch den des Alt-Hippies Dieter.“

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Volker Eichener: „Die Wohnungsnot ist politisch gemacht worden“ – Deutschlandfunk

„Wenn man für den Klimaschutz etwas tun will, dann ist sowieso der Neubau gar nicht so relevant, sondern dann ist es die Masse der Bestandswohnungen, wo man mit Modernisierung, wo man mit Dämmung vorankommen muss. Und es ist eine ganz einfache Rechnung, dass man sagt, wenn wir die Vorschriften immer weiter anziehen, sodass es nicht mehr bezahlbar, nicht mehr finanzierbar ist, dann wird weniger gedämmt, werden auch weniger gut gedämmte Neubauwohnungen gebaut, als wenn wir die Vorschriften etwas mildern und es dadurch erschwinglich machen. Denn am Ende ist es ja der Mieter, der für die Umweltauflagen zahlt. […] Es gibt eine ganz, ganz alte Regel. Jede Wohnung, die neu gebaut wird, entlastet den Markt und hilft. Und wir brauchen in der Tat eine Vielzahl unterschiedlicher Wohnungstypen. Wir brauchen altersgerechte Wohnungen, wir brauchen preisgünstige Sozialwohnungen, wir brauchen aber auch Eigentum. Aber auch die Luxuswohnung, die gebaut wird, hilft, auch den Markt zu entlasten. […] Luxuswohnungen helfen auch, weil sie dem einkommensschwächeren Haushalt einen Wettbewerber ersparen. Deshalb hilft jede Wohnung, die neu gebaut wird, und deshalb muss das wohnungspolitische Instrumentarium auch an verschiedenen Stellschrauben ansetzen.“

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Politiker mieten: Geht immer noch – Lobby Control

„Dietmar Nietan hatte auf dem Höhepunkt des Rent-a-Sozi-Skandals im Bundestag politische Konsequenzen angekündigt: Die SPD werde jetzt bei der Sponsoring-Transparenz vorangehen und noch in der laufenden Legislaturperiode ein Gesetz machen. Dabei appellierte er ausdrücklich an die Union, winkte aber auch mit dem Zaunpfahl der rechnerischen rot-rot-grünen Mehrheit im Bundestag: ‚An der SPD wird es jedenfalls nicht scheitern.‘ Gescheitert ist es aber doch, und dies liegt auch an der SPD. […] Zwar hat die SPD-Fraktion einen Gesetzentwurf erarbeitet und beschlossen. Der Beschluss kam aber erst in der vorletzten Sitzungswoche – und führte nur dazu, das Papier zu den Akten zu legen. In den Bundestag reichte die SPD es nicht ein. Zur Begründung hieß es, der Widerstand der Union sei zu groß gewesen. Tatsächlich ist die Unionsspitze (im Unterschied zu ihrer Basis) extrem hartleibig in Sachen Sponsoring. Doch für einen Alleingang mit Unterstützung der Opposition reichte der sozialdemokratische Ehrgeiz nicht aus. Hätte sich die SPD tatsächlich so ins Zeug gelegt, wie sie dies unter dem Druck sich reinzuwaschen angekündigt hatte, wäre angesichts der Positionen von Linken und Grünen nicht nur eine ‚Ehe für alle‘, sondern auch ‚Transparenz für alle‘ möglich gewesen.“

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Leichen im grünen Keller – Salonkolumnisten

„Beispiel Bio-Landbau: Als 2011 in Deutschland 4000 Menschen an EHEC-Bakterien erkrankten, 855 dadurch unter lebensgefährlichen Nierenfunktionsstörungen litten und 53 starben, kamen keinerlei Zweifel an der Bio-Landwirtschaft auf. Obwohl Bio-Salatsprossen die Ursache dieser schlimmsten Lebensmittelkatastrophe in der Geschichte der Bundesrepublik waren. […] Der Abbau und die Verarbeitung der Seltenen Erde Neodym, die beim Bau der Rotoren [von Windrädern] verwendet wird, ist eine hochgiftige Angelegenheit. Die Umgebung der Fabriken, die Neodym vom Erz trennen, sei verseucht, wird aus aus China berichtet. Die Gewässer seien vergiftet und viele Menschen erkranken. Die meisten Opfer grüner Ideologie starben in tropischen Ländern. Weit weg vom Manufactum-Wohnzimmer im schönen deutschen Altbau. In den 80er und 90er-Jahren führten grüne Aktivisten aus Europa und Nordamerika einen globalen Feldzug gegen das Insektizid DDT. Aus nachvollziehbaren Gründen: Das Gift hatte durch übermäßigen Einsatz in der Landwirtschaft Vogelsterben verursacht. Man hätte es jedoch weiterhin in Dörfern einsetzen können, um Malariamücken abzutöten, ohne Vögel zu gefährden. Anti-DDT-Lobbyisten bestanden jedoch auf ein Totalverbot. Die meisten Entwicklungsländer gaben nach und setzten den Stoff nicht mehr ein, um Malaria zu bekämpfen. Die Zahl der Fiebertoten schnellte hoch auf über 830.000 im Jahr 2000. Durch neue Präventionsmaßnahmen wurde sie seither glücklicherweise halbiert. Im Jahr 2001 drangen Nachrichten nach Europa, mit welchen Methoden der internationale Emissionshandel zur Rettung des Klimas in manchen Entwicklungsländern durchgesetzt wird. In Uganda und Honduras wurden Tausende Menschen aus ihren Dörfern vertrieben, einige auch ermordet, weil auf ihrem Ackerland Bäume gepflanzt werden sollten. Als Ausgleichsmaßnahme für Kohlendioxid-Emissionen in Europa.“

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China: Mit Gesichtserkennung gegen Klopapierdiebstahl – Netzpolitik

„Wer in manchen chinesischen Städten versucht, bei Rot über die Straße zu gehen, muss damit rechnen, in Echtzeit an den öffentlichen Pranger gestellt zu werden. Vergleichsweise harmlos erscheint es dagegen, bei einem Ladenbummel in Peking von maßgeschneiderten Werbeeinblendungen begrüßt zu werden, die ein System automatisch anhand von ‚Alter, Geschlecht, Stimmung, Attraktivität und der größten Ähnlichkeit mit einer Berühmtheit‘ ermittelt. Dahinter steckt Videoüberwachung mit Gesichtserkennung, die in China keine dystopische Zukunftsvision mehr ist, sondern zunehmend Teil des Alltags wird […]. Dabei ist die flächendeckende Überwachungsmaschine noch längst nicht fertiggestellt: Bis 2020 will China ein ‚Social Credit‘-System errichten, das jedem Bürger einen Score zuweist – je nachdem, wie man sich in der Öffentlichkeit oder am Arbeitsplatz verhält.“

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Merkel macht’s nur zu sechst: Die bizarren Verhandlungen ums TV-Duell – Übermedien

„Eindeutig soll jedenfalls während der Verhandlungen gewesen sein, dass Merkel das Duell im Zweifel nicht braucht – im Gegensatz zu Schulz. Das haben die Merkel-Vertreter die anderen deutlich spüren lassen. Und so kommt es nach diesen bizarren Auseinandersetzungen um dramaturgische Details nun wieder zu der kaum weniger bizarren, aber in Deutschland etablierten Form des TV-Duells: Vier Moderatoren, die 90 Minuten lang zwei Kandidaten gegenüberstehen und immer wieder abwechselnd fragen müssen. Weil die Kanzlerin es so will.“

TV-Duell Merkel vs. Schulz Die Kanzlerin bestimmt die Dramaturgie – Der Tagesspiegel

„Wie um die eigene Autorität doch noch zu behaupten, teilten die TV-Anstalten mit, dass die Journalisten die Sendung wie in der Vergangenheit ohne weitere Absprachen über konkrete Fragestellungen unabhängig gestalten – Donnerwetter!“

„Sie kennen mich“ – nicht: Merkels Furcht vorm TV-Duell – DWDL

„Neben Vertretern von Grünen, Linken, FDP und AfD darf dort auch ein Teilnehmer der CSU Platz nehmen. Was zunächst logisch erscheint, weil die CSU mit gut sieben Prozent der Stimmen bei der letzten Bundestagswahl ja tatsächlich zu den kleinen Parteien zählte, entpuppt sich letztlich jedoch als schöner Vorteil für die Union, weil sie so in gleich beiden Sendungen vertreten ist. […] Der Vorteil für eine der beiden großen Bundestags-Fraktionen bleibt, und man kann ganz gut ahnen, wie groß der Aufschrei der Union wäre, säße die CSU nicht mit am Tisch.“

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John Lennon ist tot – Internationale Politik und Gesellschaft

„Kurz gesagt ist der Mangel an liberalen Ansichten unter den Arbeiterschichten in der Peripherie nicht auf eine zivilisatorische Rückständigkeit oder moralische Unreife zurückzuführen, wie es einige liberale Chauvinisten aus westlichen Metropolen annehmen, sondern auf die globale kapitalistische Wirtschaft mit ihrer ungerechten strukturellen Ordnung, die Widerstand gegen den flachen westlichen Liberalismus hervorruft, ganz gleich ob er links oder rechts eingefärbt daherkommt.“

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Ruud Koopmans: „Wir müssen Migranten auswählen“ – Basler Zeitung

„Wie meine empirische Forschung zeigt, funktioniert Multikulti nicht, sondern führt zu abgeschotteten Parallelgesellschaften. Für die Integration in den Arbeitsmarkt ist die kulturelle Annäherung an die Mehrheitsgesellschaft wichtig. Dazu gehören die Sprache und soziale Kontakte. Bei der Assimilation geht es nicht darum, dass die Migranten ihre eigene Sprache und Kultur aufgeben. Wer aber nur unter seinesgleichen bleibt, der kann die Sprache des neuen Wohnlandes nicht, der weiss nicht, wie es auf dem Arbeitsmarkt läuft. Und wenn er dann noch glaubt, Frauen müssen zu Hause bleiben, den Kontakt zu Männern meiden, dann ist die Integration schwierig, wie dies vor allem bei Muslimen der Fall ist. […] Religion, zumindest wenn sie konservativ gelebt wird, ist die grösste Barriere für die Integration, weil sie immer Regeln im Umgang mit Andersgläubigen und dem anderen Geschlecht enthält. Strenggläubige Muslime zum Beispiel, die darauf bestehen, sich auch während der Arbeitszeit streng an den Ramadan zu halten, fünf Mal am Tag zu beten und dem Kontakt mit dem anderen Geschlecht aus dem Weg zu gehen, sind in unserer Arbeitswelt kaum integrierbar. Solche Strenggläubigen können und wollen auch kaum soziale Kontakte zum Rest der Gesellschaft entwickeln, weil da Dutzende von religiös begründeten Regeln und Verbote im Weg stehen. Deshalb ist es wichtig, dass wir klare Regeln setzen. Eine misslungene Integration ist in niemandes Interesse und auch moralisch nicht vertretbar.“

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Was abweicht, wird nicht geduldet – neues deutschland

„Nicht die öffentliche Zurückweisung dieses Arguments ist das Problem, sondern der Furor, mit dem diese Zurückweisung der totalitären Meinungsgleichschaltung das Wort redet. Für das Online-Lifestylemagazin ‚Vice‘ ist der ‚FAZ‘-Gastbeitrag ein Beispiel eines ‚reaktionären Journalismus‘. 80 Prozent der Bevölkerung seien schließlich ‚FÜR die Ehe für alle. Es könnte aber genauso gut heißen: Laut Umfragen sind 20 Prozent der Bevölkerung NICHT FÜR die Ehe für Alle.‘ Das sei immerhin jeder Fünfte, empört sich ‚Vice‘. Die Versalien-Schreibweise des ‚für‘ und des ’nicht für‘ sagt uns: Erst wenn die letzte Nein-Meinung verschwunden ist, ist die Emanzipation der Schwulen und Lesben vollbracht. Eine beängstigende Vorstellung, dass die Emanzipation des Menschen mit der totalitären Gleichschaltung der Meinung verbunden sein soll.“

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Nahostkonflikt: Wie Israel in palästinensischen Schulbüchern dargestellt wird – Der Tagesspiegel

„Kinder im Westjordanland und im Gazastreifen werden sich womöglich verwundert die Augen reiben. Vielleicht nehmen die Mädchen und Jungen aber auch das Gesehene als Selbstverständlichkeit hin. Denn wenn sie zum Beispiel ihre Bücher für den Geschichtsunterricht aufschlagen und sich eine Karte der Region anschauen, wird ihnen mit Sicherheit eine Besonderheit auffallen: Die Abbildungen zeigen nur Palästina, aber kein Israel. Der Staat der Juden, mit dem sie tagtäglich auf die eine oder andere Art zu tun haben, existiert einfach nicht. Auch die Stadt Tel Aviv ist in der Darstellung nicht zu finden. Israelische Orte wie Safed, Haifa oder Akko werden kurzerhand optisch zu touristischen Zielen in Palästina erklärt. Und wer sich mit dem Jerusalemer Tempelberg beschäftigten will, dem wird das Heiligtum allein als islamisches Erbe präsentiert. Was in palästinensischen Schulbüchern gelehrt wird und welche Botschaften sie transportieren, ist schon seit Jahren ein Stein des Anstoßes. Immer wieder monieren Kritiker, mithilfe der Lehrmittel würde der Hass auf Juden und Israel geschürt. Dabei sollten Schulbücher doch Werte und Wissen vermitteln, dabei helfen, den Anderen zu verstehen. Also Orientierung geben. Aber im Gazastreifen und im Westjordanland ist das offenkundig bis heute nicht der Fall.“

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Emmanuel Macron: Da kommt Europas gestiefelter Messias – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Die Frauen und Männer der République en Marche sind politisch gar nicht so jungfräulich, viele von ihnen haben durchaus schon Erfahrungen mit politischen Nebentätigkeiten oder Ehrenämtern. Sie stammen oft aus der zweiten Reihe der klassischen Rechten oder der bisher regierenden Sozialistischen Partei, und manche sind erst in letzter Minute auf den Zug der von Macron neugegründeten Bewegung und Partei als Katalysator ihrer politischen Karrieren aufgesprungen. Was auch immer sie für den Job als Abgeordnete qualifiziert haben mag – die meisten von ihnen erliegen der Faszination, die von dem jüngsten französischen Präsidenten der Geschichte ausgeht. Macron war vor fünf Jahren noch Berater François Hollandes. Dessen Rhetorik eines ‚Nicht rechts, nicht links‘ geht in einer nicht so ganz neuen Form von politischem Engagement auf, die sich vor allem in einem absoluten Vertrauen auf den Mann an der Spitze begründet. […] Solche neoliberalen Floskeln entsprechen also uralten Illusionen und dominieren heute im Repertoire des Storytellings für Emporkömmlinge, in Frankreich und anderswo.“

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Seyran Ates: „Die Leute haben pure nackte Scheissangst“ – Neue Züricher Zeitung

„Aber leider Gottes gab es seither neben den vielen positiven Reaktionen auch negative Reaktionen bis hin zu Morddrohungen, weshalb ich persönlich jetzt unter erhöhtem Schutz stehe. Wir haben aus Kairo eine hässliche Fatwa bekommen, weil unsere Moschee nicht islamisch sei. Und in der Türkei erklärten das Amt für Religionsangelegenheiten und türkische Fernsehsender die Moschee zu einer Fethullah-Gülen-Kirche – und uns damit zu Terroristen. Es wurde dazu aufgerufen, uns mit allen Mitteln zu bekämpfen.“

Seyran Ateş: Die Kopfhinhalterin – Zeit-Online

„Die muslimische Anwältin Seyran Ateş wäre für ihr Engagement fast gestorben. In Berlin eröffnet sie eine liberale Moschee. Radikale wie Liberale greifen sie dafür an.“

Seyran Ates über konservative Muslime: „Das sind keine dialogbereiten Menschen“- Deutschlandfunk

„Mit der Gründung einer Moschee, die für alle offen steht, wollte Seyran Ates ein Zeichen setzen – für das friedliche Miteinander der Religionen. Jetzt wird die Anwältin mit dem Tode bedroht. Zurückrudern und den Kopf in den Sand stecken werde sie aber nicht, sagte Ates im Deutschlandfunk.“

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Norbert Lammert: „Lassen wir die Erfolge weg“ – Welt

„Die Fraktionen haben in der Regel kein Interesse daran, Abgeordneten, die eine andere als die jeweilige Mehrheitsmeinung in der Fraktion vertreten, Gelegenheit zur Rede im Plenum zu geben. Genau zu dieser Frage habe ich in der vorigen Legislaturperiode einen Grundsatzstreit mit allen Fraktionen ausgetragen. Ich bestreite den Alleinvertretungsanspruch der Fraktionen zur Bestellung von Rednern. Ich bestreite auch die Klugheit der Erwartung, dass der Öffentlichkeit immer nur eine Position vermittelt werden soll. Den Streit habe ich aus genau diesem Grunde geführt: Wenn Teile der Bevölkerung eigene Besorgnisse und Anliegen nicht mehr vertreten sehen, suchen sie sich dafür neue Adressen. Deshalb muss es im Interesse eines existierenden Parlaments und seines Anspruchs auf Repräsentation des Volkswillens liegen, die von großen Teilen der Bevölkerung erwarteten Abwägungen gerade im Parlament erkennbar zu machen.“

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Stromsteuer: Wem will die FDP helfen? – Zeit-Online

„Eine Kilowattstunde Strom kostet im Schnitt knapp 30 Cent, für die Stromsteuer zahlt man dabei gerade zwei Cent. Rechnet man das auf den Jahresverbrauch um, so würde ein Haushalt mit zwei Personen im Schnitt nur rund 71 Euro pro Jahr an Kosten sparen. Plus die Mehrwertsteuer, die noch auf die Stromsteuer aufgerechnet wird, sind das gut 83 Euro. Macht also gerade mal rund drei Euro pro Person im Monat, die man zusätzlich zur Verfügung hätte. Natürlich gibt es Menschen, die jeden zusätzlichen Euro im Monat gut gebrauchen können. Stark entlasten würde es ihr Budget aber nicht. […] Falsch war Christian Lindners Behauptung also nicht. Eine Abschaffung der Stromsteuer entlastet auch Rentner und Bafög-Empfänger. Mehr als sie würden allerdings Besserverdiener und Unternehmer profitieren. Klassische FDP-Wähler also.“

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US-Historiker Timothy Snyder: „Russland hat einen Cyberkrieg gewonnen“ – Der Tagesspiegel

„Etwa 25 Prozent der Bevölkerung sind außerhalb der Reichweite eines auf Fakten basierenden investigativen Journalismus. Sechs US-Reporter könnten Trump dabei beobachten, wie er eine Milliarde Rubel von Putin annähme – vor laufender Kamera. Einem Viertel der US-Bevölkerung würde das nichts ausmachen. Hannah Arendt hat betont, dass eine Verschwörungstheorie in sich stimmig ist. Wenn sich jemand entschieden hat, dass Trump das Opfer ist und alle hinter ihm her sind, scheint alles, was diese Geschichte eigentlich schwächt, sie noch zu bestätigen. Trump ist darin ein Meister. Alles, was wahr ist, nennt er ‚Fake News‘. […] Der russischen Propaganda geht es nicht darum, dass die Leute etwas glauben. Ziel dieser Propaganda und des modernen Autoritarismus generell ist es, dass niemand mehr irgendetwas glaubt und niemand mehr weiß, was die Wahrheit ist. Denn wenn es keine Wahrheit gibt, kann man auch keine Zivilgesellschaft organisieren. Das Postfaktische ist unglaublich gefährlich. Es ist zu einer Waffe geworden.“

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Warum Eltern und Kinder ihre innere Ruhe wiederfinden sollten – Deutschlandfunk Kultur

„Also insgesamt hat sich der Erwachsene verändert und in den letzten Jahren dramatisch, das hat sich noch mal verstärkt durch die Smartphones. Gehen Sie mal in die Stadt, schauen Sie in die Gesichter – gehetzt, genervt, gereizt, depressiv –, und wenn Sie mal einen haben, der strahlt und entspannt ist, denken Sie schon übertrieben, er hat Drogen genommen. Das heißt, der Erwachsene kommt immer mehr in einen Ausnahmezustand rein, dass er gehetzt ist. Er wird morgens wach, schon rattert der Kopf, muss daran denken, man ist in der einen Situation, gedanklich in der nächsten. Das liegt an der Überfrachtung der Problematik in der digitalen Welt. Wir empfangen viel zu viel Meldungen, wir müssen viel zu viele Entscheidungen treffen.“

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These und Gegenthese: Die Diskussion über die Antisemitismus-Dokumentation – epd

„Es gibt aber mehrere Belege, die auf ein antisemitisches Motiv hinweisen. Diese haben die Autoren auch schriftlich vorgelegt, wie der vom WDR online veröffentlichte Frage- und Antwortkatalog bezeugt. Auf Twitter entgegnete der WDR einem Nutzer, der sich tief erschüttert von der Darstellung des Senders zeigte: ‚Der Beweis für ein antisemitisches Anschlagsmotiv fehlt. Deshalb bieten wir – ebenso ohne Beweis – eine Gegenthese an.‘ Interpretation schlägt Tatsachen: So geht der ‚Faktencheck‘ beim WDR. Anspruch eines Faktenchecks müsste aber sein, eine Objektivität herzustellen, auf deren Grundlage eine Diskussion über Antisemitismus stattfinden kann. Weil dieser Faktencheck nicht der Sache diente, hat er den Journalismus und dessen Glaubwürdigkeit massiv beschädigt.“

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