Presseschau KW 30

++ Ich plädiere für extrem hohe Strafen ++ Verordnete Verarmung ++ Den Nobelpreis würde ich nehmen, wenn es kein Geld dafür gäbe ++ Bist du nicht weltoffen, wird dein Lokal geschlossen ++ Zur Reaktion der Politik auf überhöhte Abgaswerte ++ „Spiegel“ löscht heimlich Skandalbuch aus Bestsellerliste ++ Leben wir bald in einer Technokratie? ++ Sind Frauen die besseren Rechtspopulisten? ++ Schlagt dieser Schlampe den Kopf ab ++ Amoktaten sind kaum vorhersehbar ++ Wir, die Bürger(lichen) ++ Wie Medien über die Flüchtlingskrise berichteten ++ Zeigt nicht auf den dicken Mann! ++ Wie Journalisten der AfD zum Erfolg verhelfen ++ Das System hat aber angefangen! ++ Linke Politik braucht ein Preisschild ++ Was ich in der rechten Filterblase lernte ++ Berichte über Neonazis bei G20: Viele Gerüchte, keine Beweise ++ Das Rätsel um Schabas Al-Aziz‘ Tod ++ Insektensterben – und keiner will es gewesen sein ++

***

Ahmad Mansour: „Ich plädiere für extrem hohe Strafen“ – Zeit-Online

„Im Gegenteil, denn die Ideologie bleibt. Sie verbreitet sich weiter über soziale Medien und über bestimmte Moscheen. Es wird auch weiterhin Jugendliche geben, die für radikale Tendenzen anfällig sind. Ich finde sogar, dass der IS ohne feste Strukturen für Europa und die Welt noch viel gefährlicher ist. Jetzt werden die radikalisierten Jugendlichen beweisen wollen: Wir sind immer noch in der Lage, in Europa Anschläge zu verüben. Deswegen halte ich Präventionsarbeit für viel wichtiger als Deradikalisierungsarbeit. Wir brauchen moderne Sozialarbeit, Schulreformen, digitale Aufklärung, neue Konzepte und natürlich endlich eine ehrliche innerislamische Debatte, die zur Reform dieser Religion führen muss. Damit haben wir gerade erst anfangen.“

***

Griechenland: Verordnete Verarmung – Blätter für deutsche und internationale Politik

„Es ist wirtschaftswissenschaftlich (und übrigens auch rein logisch) völlig unbegreiflich, wie schockartig verabreichte rigide Sparprogramme eine Volkswirtschaft, die sowieso schon in einer schweren Krise steckt, auf Wachstumskurs bringen sollen. So kann in der Wirtschaftsgeschichte kein einziger Fall angeführt werden, bei dem eine solche Politik nicht immer tiefer in die Krise geführt hätte statt aus ihr heraus. […] Bei alledem wird klar, dass Griechenland niemals ohne eine fundamentale Schuldenerleichterung auf die Beine kommen wird. Die Forderung des IWF, die griechischen Staatsschulden mehrere Jahrzehnte lang zins- und tilgungsfrei zu stellen, ist als erster Schritt völlig richtig – denn schon das käme einem massiven Schuldenschnitt gleich. Worauf die Gläubiger dabei ‚verzichten‘ würden, wäre nicht etwas, was sie je gegeben hätten, sondern allein die weitere Ausbeutung der griechischen Bevölkerung durch die Eintreibung von Zins und Zinseszins – denn zu nichts anderem sind die griechischen Staatsschulden über die Jahre der Umschuldungen geworden: zu akkumulierten, exponentiell wachsenden Zinseszinsen. […] Allein die über 50 Mrd. Euro an Zinsen, die Griechenland seit 2010 an seine Gläubiger zahlen musste, wären ein gigantisches Konjunkturförderungsprogramm geworden und hätten die Staatseinnahmen massiv verbessert.“

***

Harald Schmidt: „Den Nobelpreis würde ich nehmen, wenn es kein Geld dafür gäbe“ – profil

„Mit Inhalten belaste ich mich schon lange nicht mehr. Ich kenne in meinem Umfeld keinen Top-Entscheider oder Leistungsträger, der sich noch mit Inhalten belastet. Die Inhalte wechseln ja auch ständig. Das ist mir zu hektisch. […] Ich finde einfach, dass sie [Angela Merkel] das sensationell macht in ihrer Unaufgeregtheit und ihrer Devise: Abarbeiten, was auf den Tisch kommt. Mittlerweile lässt sie Angriffe auch mit einer Meisterschaft abtropfen – mit Halbsätzen, Augenbrauen-Hochziehen, mit einem: „Ach, ne?“ Grandios! Ich hoffe sehr, dass sie Bundeskanzlerin bleibt. […] Schmidt: Die Mehrheit der Deutschen will keine Veränderung. Man fährt in Urlaub. Die Kinder gehen in die Schule, die zwar marode ist, aber das ist Ländersache. Man will keine großen Konzepte. Es hält sich ja auch kaum ein Thema länger als drei Tage.“

***

Posse um Pegida-Stammtisch in München: Bist du nicht weltoffen, wird dein Lokal geschlossen – Neue Züricher Zeitung

„Zur Überraschung des Rechtsextremismus-Beauftragten Dill hat der sizilianische Wirt jedoch kein Einsehen. ‚Ich habe dem gesagt, dass ich mit Politik nichts am Hut habe‘, erzählt Giovanni Costa. Die Pegida-Leute hätten Bier getrunken, Spaghetti gegessen und niemanden belästigt. ‚Warum soll ich die rausschmeissen?‘ […] Von der Schliessung des ‚Casa Mia‘, was ‚mein Zuhause‘ heisst, sind zwei Familien betroffen, Costas eigene und die seines ältesten Kellners, der seit 20 Jahren für ihn arbeitet. Was er als Nächstes mache, wisse er nicht, sagt der Wirt. ‚Ich weiss nur, wem ich das alles zu verdanken habe.'“

***

Zur Reaktion der Politik auf überhöhte Abgaswerte – Sozialtheoristen

„Was als politische Maßnahmen – sicherlich in oder kurz vor den Sommerferien – vorgestellt werden wird, deutet sich jetzt schon an: Es wird eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs gefordert, und es werden ein paar zusätzliche Millionen dafür freigegeben. Parallel wird der Ausbau von Ladestationen für Elektroautos propagiert und dafür öffentliche Finanzierung in Aussicht gestellt. Dann wird die Abwrackprämie reaktiviert, und Autofahrern, die ihre alten Autos gegen neue eintauschen, wird ein steuerfinanzierter Kaufanreiz in Aussicht gestellt. Die Autoindustrie wird symbolisch zu Maßnahmen zur Senkung des Ausstoßes von Stickoxiden verpflichtet, die sie nicht durch Einbau zusätzlicher Filter umsetzen wird, sondern durch ein erneutes Software-Update. Schließlich hatte der Trick mit dem in Aussicht gestellten Software-Update – so etwas wie das umweltpolitische Pendant zum alten alchemistischen Trick der Umwandlung von Blei in Gold – zur großen Überraschung der Führungsspitze der Automobilkonzerne schon beim VW-Abgas-Skandal ausgereicht, um das Verkehrsministerium und das Kraftfahrtbundesamt zufriedenzustellen. Dann gibt man dem Ganzen einen peppigen Namen wie ‚Luftreinhaltung jetzt‘, ‚Chance zum Atmen‘ oder ‚Bündnis für bessere Luft‘ und tut so, als ob sich durch diese Maßnahmen die Stickoxid-Emissionen und die Feinstaubbelastung in den nächsten vier, fünf Jahren halbieren ließen, darauf hoffend, dass sich dann niemand mehr an diese in Aussicht gestellte Verbesserung erinnert.“

***

Der rechte, rechte Platz ist frei: „Spiegel“ löscht heimlich Skandalbuch aus Bestsellerliste – Übermedien

„Hätte der ‚Spiegel‘ das Buch wenigstens transparent entfernt, wäre ihm Kritik aus der rechten Ecke gewiss gewesen, doch zumindest hätte er sich in vielen anderen Ecken Glaubwürdigkeit bewahrt. So aber untergräbt er diese nicht nur selbst, sondern gießt auch weiteres Öl ins ‚Lügenpresse‘-Feuer — und verschafft dem Buch einmal mehr Aufmerksamkeit.“

Wie das Skandalbuch „Finis Germania“ von der Bestsellerliste verschwand – Welt

Kritik an mangelnder Transparenz – Meedia

„Finis Germania“ und die SPIEGEL-Bestsellerliste – Spiegel Online

Der Spiegel rechtfertigt Eingriff in seine Bestseller-Liste und macht alles nur noch schlimmer – Meedia

Der „Spiegel“ und seine Angst vor der Wahrheit – Übermedien

Der Bärendienst des Spiegel – Deutschlandfunk Kultur

Was steht eigentlich in «Finis Germania»? – Neue Züricher Zeitung

„Diese Passagen sind dermassen zusammengesponnen, dass vorrangig eher der Vorwurf eines dadaistisch-de­li­rie­renden Stammtischgeblubbers in Buchform greift als der des Antisemitismus. Wer in ‚Finis Germania‘ antisemitische Töne finden will, wird sie je nach Antisemitismus-Definition aus diesem Behauptungs-Aquarium sicherlich herausfischen können. Doch erwischt er damit nur einen Aspekt eines kaum aufzudröselnden Bündels von eklektischer antimodernistischer Pauschal-Rhetorik. […] Die Verbannung aus jeglichem öffentlichen Diskurs wäre dennoch fatal, da man dann durch eine ebenso blinde Brille blickt wie der Autor. Die Zeit für eine Lektüre ist verschwendet. Für die Aufregung darüber allerdings ebenso.“

Das verschwundene Buch – Cicero

***

Politische Macht der Technik: Leben wir bald in einer Technokratie? – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Wo politischer Wettbewerb zum technodarwinistischen Wettkampf wird, kommen rechtsstaatliche Elemente unter die Räder. Eine Art Bestandsschutzgarantie für die Demokratie wird es in einer Plattformökonomie nicht geben. Die Entscheidung, wer als politischer Akteur zugelassen wird, obläge dem Plattformbetreiber. Die Entrepreneure aus dem Silicon Valley wollen politische Prozesse nicht demokratischer, sondern programmierbar machen. Ist das System erst mal unter Kontrolle, kann die Festplatte der Politik viel leichter mit ihren Inhalten überschrieben werden. Allein, Daten können nicht der einzige Treiber von politischen Entscheidungen sein. Auch nicht ihr einziger Maßstab.“

No-Go-rithmen: Kabelbündel fürs Grobe – taz

„Für das Überprüfen unerwünschter Inhalte wollen immer mehr Unternehmen künstliche Intelligenz einsetzen. Maschinen sollen Menschen dabei nicht ersetzen, sondern durch Vorsortieren die Arbeit erleichtern“

***

Sind Frauen die besseren Rechtspopulisten? – Zeit-Online

„Es ist anzunehmen, dass Le Pen und Petry mit dieser Skepsis jeden Tag konfrontiert sind. Ihre Parteien treten für eine traditionelle Rollenverteilung ein und lehnen den Feminismus als eine Form des ‚Genderwahnsinns‘ ab. So sind Frauen wie sie gefordert, in einem ständigen Selbstwiderspruch zu agieren. Ihnen muss der Spagat gelingen, sich machtbewusst an der Spitze einer Partei zu behaupten und auch, wenn nötig, gegen männliche Konkurrenten und Widersacher durchzusetzen. Ein auch nur im Ansatz weibliches Anliegen oder eine emanzipatorischen Anspruch aber dürfen sie dagegen weder formulieren noch sich selbst mit einem verbinden. Sie dürfen in einer Partei, die über Fremde, Andersdenkende und Flüchtlinge gerne pauschal und kollektiv urteilt, nur für sich allein stehen. Sonst würden sie sofort an die Grenzen ihrer eigenen Weltanschauung stoßen. Je erfolgreicher sie sich aber in diesem Selbstwiderspruch, der einer Selbstverleugnung gleichkommt, behaupten können, desto erfolgreicher werden sie und ihre Parteien auf Dauer sein.“

***

Da steht: Schlagt dieser Schlampe den Kopf ab – Tages-Anzeiger

„Nein, ich übertreibe nicht. Was passiert denn hier gerade? Man sagt, die hat halt mal ein Kopftuch an, dann kriegen sie halt Gebetszeiten in der Schule, dann geben sie eben nicht die Hand, dann machen wir eben Halal-Essen, und es gibt an der Schule kein Schweinefleisch mehr. Man glaubt, damit sei das Problem gelöst. Sollen die Mädchen eben mit dem Burkini ins Bad, sollen sie halt nicht mehr auf Klassenfahrten gehen, was ist denn dabei so schlimm. Und so gehts weiter. Das zeigt, wie sich der Extremismus in Europa breitmacht. […] Es reicht jetzt einfach. Die rote Linie ist schon ziemlich lange überschritten. Die deutsche Linke, die so tolerant sein möchte, hadert dermassen mit der Vergangenheit, dass sie die Entstehung des grössten Extremismus zulässt. Es gibt 2800 Moscheen in Deutschland, und die allerwenigsten davon sind integrativ. Das ist so oft schon nachgewiesen worden. Die Feindseligkeit, die ich jetzt erlebe, bestätigt das.“

***

Franz Joseph Freisleder: „Amoktaten sind kaum vorhersehbar“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Man sollte in der Familie, im Freundeskreis, in der Schule darauf achten, dass niemand ausgeschlossen oder gemobbt wird und sich womöglich Frustrationen und daraus auch Hassgefühle entwickeln können. Die Botschaft muss immer sein: ‚Es gibt für alles eine Lösung.‘ Psychische Erkrankungen kann man behandeln, schwierige Lebenssituationen kann man meistern. Verdachtsmomenten sollte man aber unbedingt nachgehen. Das gilt für die Prävention von Amoktaten und auch für die Suizidprävention. Denn das ist der häufigste Grund, warum wir Jugendliche aufnehmen: wegen Suizidgefahr. […] Über Suizide wird wegen des ‚Werther-Effekts‘ kaum mehr berichtet, was ich gut finde. Bei den Amoktätern könnte man aber zumindest die Namen der Täter nicht nennen. Denn dafür empfängliche Personen könnten auf die Idee kommen: ‚So wie XY mach ich es auch! Und ich setz noch eins drauf!‘ Nach Erfurt, Winnenden und nach der Tat von München wurden auch zu uns Jugendliche gebracht, manche von der Polizei, weil das Umfeld ein Risiko sah, oft nach entsprechenden Äußerungen. Jeder Fall wurde abgeklärt, und wir sahen Jugendliche mit unterschiedlichen Risikoprofilen und individuellem Therapiebedarf. Nachfolgetaten gab es glücklicherweise nicht.“

***

Christoph Möllers: Wir, die Bürger(lichen) – Merkur

„Ob liberale Demokratien überleben, erscheint heute überraschend ungewiss. Vielleicht hat eine Ordnung, an der Mehrheiten kein Interesse haben, weil sie bloß versorgt und unterhalten werden wollen, keine Zukunft – schon gar nicht, wenn sich die Ordnung selbst als Mehrheitsherrschaft versteht. Doch ist offen, ob die, die sich heute auf eine Mehrheit berufen, um deren Herrschaft aus den Angeln zu heben, tatsächlich in der Mehrheit sind. Denn Präsident Trump, der Brexit oder die knapp gescheiterte Wahl von Norbert Hofer in Österreich, der einen höheren Stimmenanteil erhielt als Trump, sind nur unter zwei Bedingungen möglich: Sie bedürfen einer nicht mehrheitsfähigen Linken, die Kandidaten wie Corbyn oder Mélenchon unterstützt und so rechtsautoritäre Siege wahrscheinlicher macht. Vor allem gäbe es den Vormarsch des Rechtsautoritarismus nicht ohne eine politisch schwach mobilisierte bürgerliche Mitte, die erschrocken zusieht, wie die Welt zerfällt, an der sie hängen sollte, weil sie in ihr ordentlich bis sehr gut, jedenfalls überdurchschnittlich, lebt. Das Weltbild dieses potentiell einflussreichen Teils jeder Bevölkerung scheint auf politische Auseinandersetzung nicht recht eingestellt zu sein. Man mag sagen: So war es immer schon. Aber das wäre zu pauschal und mit Blick auf viele historische Momente geradezu falsch. Warum aber stimmt es heute? Vielleicht, weil die bürgerliche Mitte es sich angewöhnt hat, an eine Welt ohne Politik zu glauben, oder zumindest an eine, in der Politik ihr weder etwas nehmen noch geben kann.“

***

Wie Medien über die Flüchtlingskrise berichteten – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Journalisten seien ihrer Rolle als Aufklärer nicht gerecht geworden, resümiert der Studienleiter Michael Haller. Statt kritisch zu berichten, habe der ‚Informationsjournalismus die Sicht, auch die Losungen der politischen Elite‘ übernommen und sei selbst mehr als politischer Akteur denn als neutraler Beobachter aufgetreten. Sorgen und Ängste der Bevölkerung seien hinter der großen Erzählung von der ‚Willkommenskultur‘ fast völlig zurückgedrängt, Andersdenkende seien diskursiv ausgegrenzt worden. Haller geht davon aus, dass dies eine ‚Frontbildung‘ in der Gesellschaft befördert habe. […] In der Gesamtschau aller untersuchten Medien aber hält er fest, dass es zu einer Verengung des Blickwinkels gekommen sei. Kritik und abweichende Ansichten hätten kaum noch durchdringen können. Erst nach der Silvesternacht 2015 habe der Diskurs sich erweitert – und hätten manche Journalisten den Eindruck vermittelt, sie wollten nun übereifrig nachholen, was sie zuvor versäumt hatten.“

Journalismus-Studie: „Die überregionalen Medien haben die Bevölkerung vergessen“ – Deutschlandfunk

„Während der Flüchtlingskrise sei zu unkritisch über die Zuwanderung berichtet worden – das ist das Ergebnis einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung. Die Medien hätten sich mit den Ansichten der politischen Eliten gemein gemacht, sagte der Leiter der Studie, Michael Haller, im Deutschlandfunk.“

Flüchtlinge in den Medien: Mit dem Strom – Zeit-Online

„Eine Studie beleuchtet die Rolle der Medien in der Flüchtlingskrise. Ihr Ergebnis: Zeitungen waren eher Volkserzieher als kritische Beobachter. Stimmt das?“

Alles Versager? Die mediale Sturzgeburt einer Studie – Übermedien

„Aber seit vorgestern scheint es, als könnte man die ganze Arbeit in dem einen schlichten Satz zusammenfassen: ‚Die Medien haben in der Flüchtlingskrise völlig versagt‘. Das muss man vielleicht als das normale Missverhältnis zwischen wissenschaftlichen Arbeiten und ihrer öffentlichen Rezeption abtun, aber Haller ärgert sich darüber. Er hatte das eigentlich anders geplant. Und ganz besonders ärgert er sich über die ‚Zeit‘, die er exklusiv vorab in die Arbeit hineinschauen ließ und die er dafür verantwortlich macht, dass seine Studie nun auf einen schlichten Satz reduziert wird, den er ablehnt.“

Die „Flüchtlingskrise“ in den Medien – Otto Brenner Stiftung

Neue deutsche Medienmacher kritisieren besorgten Wissenschaftler (mit Reaktion) – Neue deutsche Medienmacher

***

Zeigt nicht auf den dicken Mann! – Der Tagesspiegel

„Seit dem Rechtsrock-Konzert am Wochenende erntet das Bild eines korpulenten Teilnehmers Spott und Häme in den Sozialen Medien. Das ist nicht nur aus rechtlicher Sicht äußerst kritisch, sondern offenbart eine eklige Tendenz. […] Was hier mit der Verbreitung des Fotos geschieht, ist eine Form von Lookismus, also der Annahme, dass das Aussehen ein Indikator für den Wert einer Person ist. Kennt jeder von uns. Wer nicht den Ansprüchen der werbegeprägten Vorstellungen von Schönheit genügt, hat es nicht leicht in der Gesellschaft.“

***

Wie Journalisten der AfD zum Erfolg verhelfen – vorwärts

„Auf der Suche nach einer guten Story seien viele Medienschaffende bereit, auf die Provokationen der Rechten einzugehen. Journalisten setzten in ihren Geschichten oft auf ‚Emotionalisierung und Personalisierung‘, um möglichst viele Menschen anzusprechen – genau solche Themen bieten die Rechtspopulisten. Der ‚kluge Journalist‘, schreibt Gäbler, dürfe sich deshalb von den rechten Provokateuren nicht missbrauchen lassen wie der Pawlowsche Hund, der auf jeden Reiz reagiert: ‚So verständlich es auch ist, dass Journalisten Tabubrüche und Ungeheuerlichkeiten der AfD festgehalten wissen möchten, eine reflexhafte Ad-hoc-Empörung ist nicht die beste journalistische Reaktion.‘ Die Presse dürfe nicht über jedes Stöckchen der AfD springen. […] Auch rät Gäbler den Redaktionen, sich kritisch mit der Rhetorik der AfD auseinanderzusetzen, um den Rechtspopulisten nicht auf den Leim zu gehen und in deren ‚Framing-Falle‘ zu tappen. Gemeint ist: Die AfD versuche, ihre reaktionäre Sprache langsam aber sicher in den Wortschatz der Journalisten einzuführen. Wenn in Zeitungsartikeln etwa das AfD-Wort ‚Altparteien‘ übernommen wird […], sei das ein Erfolg für die Rechten.“

Baby im Wahlkampf – Basler Zeitung

„Auf einem AfD-Plakat posiert Frauke Petry mit ihrem Säugling Ferdinand. Kritiker sprechen von Tabubruch. […] In der allgemeinen Aufregung um das Plakat mit dem Petry-Baby geht aber vergessen, dass eine solche Provokation nicht so neu ist, wie Kritiker suggerieren. Dass Kinder auf Wahlplakaten auftauchen, kommt immer wieder vor. Schliesslich geht es in der Politik um die Zukunft unserer Kinder, wie Kandidierende gern betonen. Selbst prominente deutsche Politiker haben sich nicht gescheut, ihre Kinder für ihren Wahlkampf zu instrumentalisieren.“

***

Linksautonome Gewalt: Das System hat aber angefangen! – Neue Züricher Zeitung

„Die wiederkehrenden Argumente lassen sich so zusammenfassen: Linke Gewalt reagiert nur auf die dem Kapitalismus innewohnende Gewalt (etwa in Form eines Wasserwerfers). Linke Gewalt wendet sich, wenn schon, dann gegen die Starken (autoritäre Regime, Grosskonzerne oder Faschisten). Linke Gewalttäter mögen fehlgeleitet sein, aber ihre Absicht ist dennoch in der Regel edel. Die Problematisierung linker Gewalt ist, wenn sie nicht von Linken vorgenommen wird, fast immer ein Versuch, von den Gefahren rechter Gewalt abzulenken. […] Was reicht, um die öffentliche Ordnung für Stunden oder sogar Tage ausser Kraft zu setzen, ist eine kleine, gut organisierte und auch über Ländergrenzen hinaus vernetzte linksextreme Szene. Und was hilft, ist ein linkes Milieu, das solche Ereignisse im Herzen immer noch als Akte der Verteidigung verklärt.“

Tom Strohschneider: Mächtig gewaltig – neues deutschland

„Hier Ruf nach Distanzierung, da Schuldzuweisung ans kapitalistische System: Über den Begriff der Gewalt und Neues aus der Sozialforschung.“

Die neue Linke und die alte Gewaltfrage – Blätter für deutsche und internationale Politik

Linksextremismus: Eine unterschätzte Gefahr? – Tagesschau

Umfaller – neues deutschland

„Leo Fischer über die G20-Proteste und vormals Linksliberale, die ihre Liebe zur harten Hand entdeckten.“

Anonymes Schreiben an die FNP-Redaktion: Die Wut der linksradikalen Szene – Frankfurter Neue Presse

„Nach den Ausschreitungen beim G 20-Gipfel in Hamburg hat diese Zeitung über ein „Auswertungstreffen“ der linksradikalen Szene berichtet. Den Gastgebern der Zusammenkunft im Frankfurter Café Exzess passt das nicht. In einem anonymen Schreiben an die Redaktion fordern sie die Löschung des Artikels.“

Frankfurts Linksradikale feiern Krawalle in Hamburg als Erfolg – Frankfurter Neue Presse

***

Plädoyer für Pragmatismus: Linke Politik braucht ein Preisschild – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Die politische Linke tritt gegenwärtig in zwei Grundformen auf: zum einen als sozialdemokratische Linke, die eine moderate Veränderung der heutigen Verhältnisse anstrebt; zum anderen als eine Linke, die klare Alternativen zu diesen Verhältnissen verspricht. Beide haben beträchtliche Probleme. Die sozialdemokratische Linke versucht, ihr Profil im Wesentlichen damit zu gewinnen, dass sie in den wirtschaftlichen Prozessen eine soziale Komponente sicherstellen will. Aber dabei ist, im Vergleich zu konservativen Ansätzen, kein markanter Unterschied auszumachen. Man folgt den Imperativen der Ökonomie kaum weniger als die Konkurrenz, nur mit schlechtem Gewissen. Die andere Linke hat in diesem Punkt kein Problem: Ihre Forderungen entfernen sich deutlich vom Status quo, und zwar auf allen Politikfeldern, von der Sozialpolitik bis zur Sicherheitspolitik. Dennoch bleibt der Zuspruch begrenzt. Offenbar trauen ihr die meisten nicht zu, so große Veränderungen mit all ihren politischen Kosten und Nebenwirkungen verantwortlich zu gestalten.“

***

Facebook: Was ich in der rechten Filterblase lernte – Süddeutsche Zeitung

„Obwohl ich keine Likes an Seiten verteilt habe, die eindeutige Falschmeldungen verbreiten und bewusst Hass gegen Fremde schüren, tauchen sie regelmäßig in meinem Newsfeed auf. Immer wieder sehe ich etwa Links zu Anonymousnews.ru, den Netzfrauen oder Halle Leaks, die teils erfundene, teils grob verzerrte Meldungen verbreiten. Die meisten Nutzer scheinen nur die Überschriften zu lesen. Kaum jemand bezieht sich auf Inhalte im Text, niemand prüft die Faktengrundlage der Nachrichten oder interessiert sich für Originalquellen. […] Wer den Meldungen hinterherrecherchiert, wird schnell skeptisch – für Zweifel oder gar Widerspruch ist in Tims Echokammer kein Platz.“

***

Berichte über Neonazis bei G20: Viele Gerüchte, keine Beweise – Tagesschau

„Für die Anwesenheit von Neonazis bei den G20-Krawallen in Hamburg liegen bislang keine belastbaren Hinweise vor. Möglich, dass entsprechende Beweise noch auftauchen, doch bislang spricht wenig dafür.“

***

Das Rätsel um Schabas Al-Aziz‘ Tod – taz

„Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Schabas Al-Aziz starb, weil er vergessen wurde. Vom Staat, der ihn in der Herberge im Wald zurückließ. Vom Pflegedienst, der weiterfuhr, wenn Al-Aziz nicht da war. Vom Heimleiter, der endlich einmal abschalten wollte. Von den Ärzten, die froh waren, ihn los zu sein. Und von seinem Betreuer, dem AfD-Kreisrat Steffen Frost, der drei Wochen wartete, bis er ihn vermisst meldete. Vermutlich machte sich Schabas Al-Aziz, kurz bevor er starb, auf den Weg nach Klingenberg, um dort seine kurdischen Bekannten zu treffen. Wahrscheinlich war sein Medikamentenspiegel niedrig, weil er die Tabletten nur sehr unregelmäßig genommen hatte. Vielleicht erlitt er einen Anfall, als er durch den Wald lief, und er wurde bewusstlos, wie so oft. Er muss dann eine Weile im Schnee gelegen haben, so lange, bis er nicht mehr aufstehen konnte.“

***

Insektensterben – und keiner will es gewesen sein – Spektrum

„Ja, das Insektensterben ist also real und kein Medienhype, der von den Grünen geschickt im Wahlkampf platziert wurde! Jetzt gilt es, die Entwicklung umzukehren und die Beteiligten an einen Tisch zu holen. In der Landwirtschaft muss es ebenso ein Umdenken geben wie bei Privatleuten (als Verbraucher oder Gartenbesitzer). Dass viele Bauern durchaus gewillt sind, dem Negativtrend etwas entgegenzusetzen, zeigt sich unter anderem bei der Aktion ‚Ein bunter Meter für den Stieglitz‘ – ein Vogel zwar, aber er ist wie viele Insekten auf blütenreiche Nahrungsreviere angewiesen. Es wäre schön, wenn die Krefelder Studie dieses Umdenken beschleunigen könnte, selbst wenn sie nicht für ganz Deutschland repräsentativ ist.“

Aus der letzten Presseschau: Angeblicher Insektenschwund: Wie die Medien in die grün-rote Wahlkampffalle tappten – Meedia

Ohne Bienen keine Gurken, Äpfel und Erdbeeren – Der Tagesspiegel

„Sie appelliert an die Bezirke, Parks und Grünflächen bienenfreundlicher zu gestalten und auch solche Grundstücke zu aktivieren, die Brachland sind. ‚Eine wilde Wiese in einer Baulücke, ein bunt blühender Mittelstreifen, wie man ihn in Spandau oder Charlottenburg sieht – das sind so Mosaiksteinchen, die schon ausreichen, um einer Art das Überleben zu sichern.‘ Auch privat kann jeder zum Schutz der Biene beitragen: etwa indem er sich bei der Bepflanzung seines Gartens für Obstbäume und Beerensträucher, Löwenzahn oder Gänseblümchen entscheidet. Sie bieten langhaltige Nahrungsquellen.“

***

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: