Blaue Narzisse: Wenn ein Rechter mal recht hat

21. Oktober 2014

Der Rechte der recht hat ist Felix Menzel, der im Blog der neurechten Blauen Narzisse die rhetorische Frage stellt: „Warum sind Rechte nur so dumm?“ Den Hintergrund aufzubröseln habe ich keine Lust, der besagte Artikel findet sich aber hier. Mit der rhetorischen Frage hört das recht haben aber auch schon wieder auf und Menzel verrät auch noch einiges über sich und seine Sichtweisen. Es geht um eine heruntergelassene Hose und das schickt sich eben nicht in der Öffentlichkeit. Im konkreten Fall heißt das für Felix Menzel, es sei dumm, als Idenditäre Bewegung Hooligans zu unterstützen und es sei dumm als Hooliganzusammenschluss einen sehr rechten Sprecher zu haben.

Dumm ist dabei aber lediglich die Öffentlichkeit dieser zwei Beispiele, man mache sich zum einen angreifbar und brauche sich zum anderen über die „Nazikeule“ nicht zu wundern. Besser wäre es also heimlich zu unterstützen und den ganz Rechten keine Sprecherfunktionen zu geben. Der schöne Schein muss bewahrt bleiben, nicht das noch jemand auf die Idee kommt, dass in diesen Bereichen die Übergänge fließend sind. Man könnte die Leute fast in Schutz nehmen und ausrufen: Lieber dumm als verlogen! Aber dumm hin oder her, für mich ist das alles einfach nur rechter Humbug und vor allem falsch. Und Herr Menzel braucht sich nun nicht zu wundern, um in seinem Tonfall zu bleiben, wenn ihn nun die „Mimikrykeule“ trifft.

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Im März 2010 habe ich übrigens bereits in ähnlicher Sache geschrieben, da hatte ein rechtsextremer Blogger das Herz auf der Zunge getragen und wurde dafür kritisiert, dabei ging es allerdings „immer nur um die Art und Weise, um die Wirkung seiner Aussagen. Denn man möchte natürlich “wählbar” erscheinen und die Deutschen nicht verschrecken, also eine Alternative anbieten. Ähnlich verhält es sich auch seit Jahren mit dem “Hitlergruß”. Wer ihn macht und dabei erwischt wird (im Sinne einer Berichterstattung in den Medien), der wird meistens nur für das erwischt werden kritisiert, nicht für den “Hitlergruß” selbst.“


AfD – Retter des Abendlandes?

16. Oktober 2014

Björn Höcke ist Fraktionsführer der AfD im Thüringer Landtag, im Interview mit Sezession im Netz skizziert er einen am Volkswohl orientierten Politiker als den idealen Typus eines solchen. Auf die Frage, worauf sich seine Politik zu richten hätte antwortet er: „[…] Das ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil durch die technischen Möglichkeiten und die wirtschaftlichen Interdependenzen ein entfalteter Globalisierungstotalitarismus erstmals als reale Option angesehen werden kann. Daher muß der Verteidigung der ethnokulturellen Diversität höchste Priorität eingeräumt werden.“

Zum einen ist da die Wortneuschöpfung Globalisierungstotalitarismus, von Höcke nicht weiter erläutert, wohl aber als negatives Endstadium einer globalisierten Welt zu interpretieren, zum anderen – und da wird es dann wirklich interessant – die ethnokulturelle Diversität. Hier muss etwas ausgeholt werden. Die so genannte Neue Rechte hat den Begriff des Ethnopluralismus maßgeblich geprägt und stützt sich dabei, ich versuche mich wieder kurz zu fassen – auf die These, dass den verschiedenen Völkern eine bestimmte kulturelle Identität eigen sei und es diese unbedingt zu bewahren gelte. In diesem Zusammenhang wird dann das „Abendland“ als kultureller Großraum betrachtet, den es gegen fremde Einflüsse aus anderen „Kulturräumen“ zu verteidigen gelte. Originär rassistische Begriffe vermeidet man dabei, indem man von der Kulturgemeinschaft des Abendlandes spricht und den Menschen aus anderen Kulturkreisen sogar ihre Daseinsberechtigung zuerkennt, natürlich nur in den Grenzen ihres eigenen „Kulturraumes“.

Mit der Theorie vom Ethnopluralismus findet also eine Abgrenzung vom herkömmlichen Rassismus statt, indem man die Biologie hinten anstellt und sich auf angeblich unüberbrückbare kulturelle Differenzen beruft. Anzumerken ist allerdings, dass im Abendland natürlich die Weißen wohnen. Inwieweit sich hier also pure Demagogie und tatsächliche Überzeugung an dieser Stelle überschneiden, muss jeder selbst beurteilen. Diese Konzept hat inzwischen offenbar auch die Propagandaabteilung der NPD für brauchbar befunden und so heißt es in der Präambel des Europawahlprogramms folglich: „Ja zu Europa, Nein zu dieser EU – weil Europa auch in Zukunft Lebensraum der Europäer bleiben soll! […] Die NPD bekennt sich daher zu einer nationalen und europäischen Freiheitstradition, deren inhaltlicher Kern die Verteidigung der ethnokulturellen Identität der europäischen Völker ist […].“ Und diese Identität ist natürlich nicht zufällig weiß. Es hat sich also in diesem Fall die NPD im Fundus der Neuen Rechten bedient um vielleicht auch in etwas gemäßigteren rechten Kreisen Wählerstimmen zu erhalten.

Wenn Höcke nun also von der Verteidigung der ethnokulturellen Diversität spricht, dann meint er damit eigentlich, neben den obigen Ausführungen, den rechten Klassiker vom „Wir und die anderen“. Also nicht Integration, Anpassung oder Aufgehen in einer globalisierten Welt, sondern Verteidigung des eigenen und im größeren Maßstab die Verteidigung ethnokulturellern Verschiedenheiten um der Verschiedenheit willen. Im Falle der AfD ließe sich dies beispielhaft am fast schon krampfhaften klammern am Christentum festmachen, einer prägenden Größe der abendländischen Kultur.

Was das alles nun bedeutet: Herr Höcke argumentiert stringend rechts, das Interview gibt er Götz Kubitschek im – man könnte salopp sagen führenden – Organ der Neuen Rechten und Höck bedient dabei offenbar ganz bewusst ein sich selbst als rechtsintellektuell verstehendes Publikum mit ihrem beliebten Kernthema, der Rettung des Abendlandes.

Mehr zur so genannten Alternative für Deutschland


Blaue Narzisse: Kuck mal, wer da (nicht) spricht

6. Juni 2012

Felix Menzel, Chefredakteur der rechten Schülerzeitung Blaue Narzisse, schreibt:

„Die BILD berichtet heute, daß 60% aller Kinder an Frankfurter Kitas aus dem Ausland kommen. Verkauft wird uns das als buntes Multikulti. Die Kleinen sind doch so süß! Fast die Hälfte dieser Kinder spricht daheim kein Deutsch.“

Wenn ich nun davon ausgehe, dass Kitas für Kinder ab ein Jahr genutzt werden, dann stelle ich fest: Viele dieser Kinder sprechen überhaupt noch keine Sprache, weder „daheim“, noch in der Kita. Das richtige Sprechen beginnt doch erst im Laufe der Kita-Zeit. Und dann wäre es doch gerade gut, wenn die Kinder über die Kitas Deutsch lernen, immerhin verbringen sie ja dort viele Stunden. Ich selbst bin ausdrücklich kein Kita-Freund, aber dieser Vorteil, dass Kinder aus nicht deutschsprachigen Haushalten dort zumindest den sprachlichen Anschluss finden (können), ist einfach nicht von der Hand zu weisen. Man muss schon sehr rechts sein, um das nicht zu sehen. Und dann noch die BILD als Quelle…


Sezession voll krass: Verteidigung – Eroberung

16. Mai 2012

Bildquelle: Sezession.de

Zwei mal drei macht vier,
widewidewitt und drei macht neune,
ich mach mir die Welt,
widewide wie sie mir gefällt.
(Quelle: Hey, Pippi Langstrumpf!)

Und jetzt erklärt der Rechtsintellektuelle Götz Kubitschek auf Nachfrage mal einen Unterschied und lässt dann dreimal raten:

„die rechte gewalt, von der Sie und die ‚jungle world‘ schreiben, ist eine krasse form der ‚verteidigung des eigenen‘; ausländergewalt ist eine krasse form der ‚eroberung des anderen‘ – dreimal dürfen Sie raten, welche von beiden ich für ‚besorgniserregender‘ (Ihr wort) halte …“


Manfred Kleine-Hartlage und ein erlaubter Umkehrschluss

31. März 2012
Screenshot  “Pro und Contra”

Screenshot “Pro und Contra”

In der Sendung “Pro und Contra” des österreichischen Fernsehsenders Puls 4 wird der rechte Islamkritiker Manfred Kleine-Hartlage von einem islamischen Religionslehrer gefragt: „Was ist denn dann der Grund des rechtsextremistischen Terrors in Deutschland? Sie kommen ja aus Deutschland. Was ist der Grund?“ Kleine-Hartlage: „Der Grund für rechtsextremistischen Terror liegt jedenfalls nicht im Christentum. Das ist ja der Punkt über den wir hier diskutieren.“ Religionslehrer: „Und wo liegt es dann genau?“ Kleine-Hartlage: Um rechtsextremen Terror? Das müssen Sie die Rechtsextremisten* fragen, nicht mich. Ich weiß es nicht.“

Herr Kleine-Hartlage empfielt also Rechtsextremisten zu fragen, wenn es um rechtsextremistischen Terror geht und stellt sich damit selbst zur Disposition. Wäre nicht der Umkehrschluss folgender: Um islamistischen Terror? Das müssen Sie die Islamisten fragen, nicht mich. Ich weiß es nicht.“

Und an dieser Stelle wiederhole ich mich gerne nochmal: Eine Islamkritik ist nur dann vernünftig und angebracht, wenn sie in eine generelle Religionskritik eingebettet ist. Leute wie Kleine-Hartlage und seine neurechten Freunde der Sezession sind dabei völlig überflüssig.

* Kleine-Hartlage hätte natürlich auch auf Rechtsextremismusexperten verweisen können. Nur sind es ja genau diese, die auf diverse Verbindungen zwischen Neuer Rechten, „Islamkritikern“ und eben Rechtsextremisten hinweisen.


Sezession: Lichtmesz unerträglich

5. November 2011

Martin Lichtmesz ist ein unerträglicher, rechter Spinner. Aber eben auch exemplarisch für rechtsintellektuelle Realitätsverweigerung und selektive Wahrnehmung. Als hätten die Menschen heute keine anderen Probleme:

Screenshot 3sat Kulturzeit

„Ja, türkische und sonstige Freunde und Artgenossen! Deutschland mag für euch eine „fremde Heimat“ sein, für uns ist es inzwischen zur „entfremdeten Heimat“ geworden. (…) Am Ende sind wir alle, wir und ihr, Fremde ohne Heimat, und der Tag ist nicht mehr fern, da werden wir uns die Köpfe einschlagen, weil wir unsere Fremdheit und Heimatlosigkeit nicht mehr ertragen können.“


Sezession: Rechtsintellektuell (3)

19. August 2011

Vorgestern war es Götz Kubitschek, der uns als Rechtsintellektueller sein neurechtes Denken erklärte: „Das Deutschland, in dem ich leben möchte, das ist ein, also das ist das Land in dem die Deutschen leben.“ Gestern durfte dann Martin Lichtmesz ran, er erklärte – sehr präzise – was zu tun sei: „Wir müssen das Steuer umlegen. Und zwar so bald wie möglich. Es ist vielleicht schon Fünf nach Zwölf.“ Im dritten und letzten Teil darf nun Felix Menzel die Wichtigkeit der Neuen Rechten bei der kommenden Konservativen Revolution erläutern: „Und ich glaube aber, dass das ziemlich schnell gehen kann und von uns völlig unabhängig ist.“ Auch dieser Beitrag steht als mp3-Datei zur Verfügung, bitte dafür auf das Bild klicken.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass diese Neue Rechte wenig Neues zu bieten hat und die eigene Rechtsintellektualität gut zu verstecken weiß. Erst die uralte Parole „Deutschland den Deutschen“, dann die bekannte Beschwörung, dass es schon „Fünf nach Zwölf“ sei, statt Volkserwachen ist es hier allerdings das Ruder, welches umzulegen sei. Neu hingegen ist die realistische Selbsteinschätzung der eigenen Belanglosigkeit durch Felix Menzel.

Als kleinen Bonus gibt es hier eine weitere mp3-Datei. Götz Kubitschek spricht kurz über eines seiner Lieblingsthemen, den angeblich stattfindenden Bürgerkrieg, allerdings nennt er ihn hier einen „geistigen“ Bürgerkrieg. Man möchte ihm zurufen: „Eingebildeter Bürgerkrieg, Herr Kubitschek, Sie leben in einem eigebildeten, herbeigeredeten Bürgerkrieg!“

<< Mehr über diese Neue Rechte auf ÜBRIGKEITEN gibt es hier. >>

Quelle der mp3-Datei und des Screenshots ist auch hier wieder die kurze Reportage „Auf dem Rittergut – Eine Begegnung mit Deutschlands Neuen Rechten“ (3sat, Kulturzeit).