Presseschau KW 12/18

20. März 2018

++ Der Konservatismus steckt in einer gefährlichen Sinnkrise ++ „Framing“ – das Zauberwort beim Werbeverbot für Abtreibung ++ Sauber durch die Stadt ++ Gehört „der Islam“ zu Deutschland? ++ Im Stahlgezwitscher ++ Politische Radikalisierung? ++ Typisch deutsch ist Fleisch mit Soße ++ Jetzt haben wir ein Gebilde, das kaum noch steuerbar ist ++ Ein negatives Stück Fernsehgeschichte ++ Deutsche Platzangst ++ Den Rest des Beitrags lesen »

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Presseschau KW 09/18

26. Februar 2018

++ Ein Dorf macht dicht ++ Wir haben eine immer grösser werdende muslimische Minderheit, die sich radikalisiert ++ Wen soll Jörg Sartor wählen? ++ Wir lassen uns nicht von der Kanzlerin rügen ++ Familien gehören zusammen, aber nicht immer ++ Rollentausch ++ Rettet den Bindestrich! ++ Ich will meinen Körper zurück! ++ Die Dresdenisierung der Flüchtlingspolitik ++ Was das Leben kostet ++ Die gefährliche Illusion des Grundeinkommens ++ Fundamentalisten haben keinen Humor ++ Wie ein Kommunist und ein Werbeguru die AfD stark machen ++ Den Rest des Beitrags lesen »


Was bereits gesagt wurde (2) – „Die Wut wird zwar noch größer, aber die intellektuelle Verwirrung lässt nach“

3. August 2014

Stellen Sie sich einen Augenblick vor, wir züchten Idioten. Dann lösen sich eine Menge Widersprüche auf. In keinem Land Europas entscheidet die soziale Herkunft eines Kindes derart über sein späteres Bildungsniveau wie in Deutschland. Allein das ist schon ein Skandal. Aber was bedeutet diese Tatsache in einem Land, in dem die Armut explodiert? Das Land züchtet einen soliden Stamm von schlichten Gemütern. Und den Verbraucherzentralen wird das Geld seit Jahren gekürzt. Auch das keine Fehlentwicklung. Der Pöbel soll gar nicht vergleichen, zögern, nachdenken. Er soll einfach den erstbesten Dreck kaufen, der angeboten wird. Das hat doch eine innere Logik. Mir hat das geholfen. Die Wut wird zwar noch größer, aber die intellektuelle Verwirrung lässt nach.

Wir brauchen Idioten, sonst frisst keiner das Gammelfleisch. Halbwegs vernunftbegabte Schüler würden mit dem Handy nur telefonieren. Das wäre nicht gut für eine Wachstumsbranche. Wenn junge Eltern ihren Kindern normale Nahrung zubereiten würden, wäre das eine Wachstumsbremse. Aber wenn Eltern ihren Blagen fünf BigMac-Döner-Cola in den Fettwanst drücken, dann ist das gut fürs Bruttosozialprodukt. Jeder BigMac-Döner-Cola ist gut für die Nahrungsindustrie, und wenn sie den kleinen Fettwanst kurz vorm Platzen zum Arzt und in die Klinik bringen, ist das gut für die Gesundheitsindustrie. Und wenn es lang genug so läuft, dann wird das Wachstum so groß, dass wieder alle Arbeit finden. Um das ungestraft sagen zu dürfen, braucht das Land ziemlich viele Idioten.

Fazit: Geistige Beschränktheit kann gesellschaftlich sinnvoll sein und für den Einzelnen eine Gnade – mit dem Satz könnte ich sogar Katholik werden. Das war eine Polemik.

Quelle: Schramm, Georg: Lassen Sie es mich so sagen: Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit, 1. Aufl. (S. 177f)

Anmerkung: Der Artikel wurde hier bereits im August 2011 veröffentlicht und weil er so schön ist, jetzt nochmal.


Ängste, Stress und Wut: Die Jugend Europas

18. April 2011

Steffen Vogel trägt in der aktuellen Ausgabe der Blätter für deutsche und internationale Politik wichtige Fakten über „Europas Jugend: Abstieg und Wut“ zusammen. Jeder fünfte Jugendliche in der EU sei arbeitslos. Hinzu komme, dass junge Menschen erheblich häufiger zu den working poor, den arbeitenden Armen, gehören würden als Erwachsene.

In Griechenland habe sich die Rede von der „600-Euro-Generation“ eingebürgert, „benannt nach dem monatlichen Bruttoverdienst junger Arbeitnehmer. Und nur etwa jeder Zehnte findet sofort nach der Ausbildung überhaupt Arbeit; jeder Dritte sucht vier bis fünf Jahre.“ Ein ähnliches Bild zeige sich in Spanien, dort kenne man „seit längerem das Phänomen der Mileuristas: junge, oft gut qualifizierte Arbeitnehmer, die ein Monatssalär von gerade 1000 Euro brutto nach Hause tragen und sich davon kaum eine eigene Wohnung leisten können.“ Inzwischen sei fast jeder zweite spanische Jugendliche ohne Job. In Schweden sei mehr als jeder fünfte Jugendliche arbeitslos, ebenso wie in Frankreich, wo zudem die prekäre Beschäftigung zunehme. In Großbritannien liege die Jugendarbeitslosigkeit bei 20 Prozent und auch in der Bundesrepublik seien diese Probleme nicht unbekannt. „Zudem finden sich heute doppelt so viele junge Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen wieder wie noch vor zehn Jahren. So haben fast 40 Prozent der oft schlecht bezahlten Leiharbeiter das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet.“

Ängste und Stress seien das Resultat ungewisser Zukunftsaussichten. „Gleichzeitig sorgen der prekäre Normalzustand und das Ausbleiben von Antworten seitens der politischen Elite für Wut. In Griechenland entlud sich der Unmut über fehlende Perspektiven bereits im Dezember 2008 in einer heftigen Revolte  (…) In Frankreich sind in den vergangenen Jahren wiederholt tausende Jugendliche auf die Straße gegangen (…) in Großbritannien und Italien haben seit dem Herbst große Studentenbewegungen von sich reden gemacht.“

Die derzeitige staatliche Krisenpolitik stelle den Gesellschaftsvertrag grundlegend auf die Probe, zitiert Steffen Vogel die Internationale Arbeitsorganisation und kommt zu dem Schluss: „Wenn Prekarität jedoch schon für Jugendliche zum Normalzustand wird, wenn Ungleichheit und Arbeitslosigkeit immer weiter zunehmen, dann wächst auch der soziale Sprengstoff – mit heute bereits unkalkulierbaren Folgen.“

Bild: 4wallz


Zitierfähiges: Kriminalität und Armut

7. Juli 2010

Diese Ausführungen zeigen im Zusammenhang u.a. mit einer gewissen Konservenfabrik aus Schnellroda (Neue Rechte), dass 1. rechtes Denken doch immer auch kompatibel ist mit eben dieser neoliberalen Politik, und 2. der „linke Zeitgeist“ auch weiterhin eine Einbildung bleibt. Die entsprechenden Hervorhebungen sind von mir.

„Eine zentrale These des Buches lautet: Das in den USA durch die neoliberale Streichorgie im sozialen Bereich eingesparte Geld wird stattdessen in eine ausufernde Strafverfolgung (re-)investiert. Diese Politik benötigt eine ideologische Rechtfertigung, die davon ausgeht, dass Kriminalität und Armut in der bürgerlichen Gesellschaft keine gesellschaftlichen Ursachen besitzen, sondern eine Frage des individuellen/biologischen Charakters der Betroffenen ist. Deshalb muss zum einen der Delinquent rechtzeitig und unmittelbar hart bestraft sowie anschließend (präventiv) überwacht werden. Zum anderen werden so Armut und Verelendung zu einem individuellen und kulturellen Problem des Einzelnen (Stichwort: Eigenverantwortung) umgelogen. Entsprechend wird inzwischen die Resozialisierung von Straftätern und staatliche Armutsbekämpfung in den USA als überflüssig und unnütz angesehen. Begleitet wird diese Entwicklung durch eine reißerische Berichterstattung über Verbrechen im Privatfernsehen. Dies erzeugt wiederum eine allgemeine Furcht in der Bevölkerung vor einer angeblich allgegenwärtigen und stetig wachsenden Kriminalität, die jedoch mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung und -gefährdung nicht übereinstimmt. Es stellt aber die breite Zustimmung zur Law-and-Order-Politik sicher.“

Quelle: Nachdenkseiten – Über den rassistischen Hintergrund der Workfare-Politik in den USA


Lesetipp: Die Maske ist gefallen

8. Juni 2010

„Es ist so gekommen, wie es vorher zu sehen war: Drastische Einsparungen bei den Ärmsten der Armen, vage Ankündigungen über Belastungen von Banken und der Wirtschaft, das ist das Ergebnis der Sparklausur von Schwarz-Gelb. Wer je das Märchen geglaubt haben sollte, Merkel vertrete sozialdemokratische Ansichten, der sieht sich nach dem gestern vorgestellten Sparpaket eines besseren belehrt. Hartz IV wird verschärft, das Fördern vollends abgeschafft, Altersarmut für Arbeitslose programmiert, die Streichung des Elterngelds für Hartz-IV-Empfänger kann man nur noch als als soziale Eugenik bezeichnen.
Mit der sog. Brennelementesteuer wird ein winziger Bruchteil der Gewinne für die Laufzeitverlängerung der abgeschriebenen Atomkraftwerke abgeschöpft. Die Heranziehung der Banken wird auf die lange Bank einer internationalen Verständigung verschoben. ()“

NachDenkSeiten: „Die Maske ist gefallen“ von Wolfgang Lieb


Die Arroganz der Macht (2)

30. Oktober 2009

Einfallslos aber wenigstens praktisch: Der Gutschein als Geburtstagsgeschenk.

Arrogant und asozial: Der Bildungsgutschein.

Kindern soll also via Gutschein Bildung geschenkt werden, oder zumindest die Möglichkeit auf Bildung. Da steckt ja wenigstens die Erkenntnis dahinter, dass mit unserem Bildungssystem etwas nicht stimmt und Kinder aus finanziell schwachen Familien der Zugang zur Bildung fehlt oder erschwert ist. Warum nun aber nur Gutscheine?

Liegt das vielleicht an Typen wie Herrn Sarrazin (SPD), dessen Unterschichtenhass ich bereits zum Thema hatte? Oder sind es Typen wie Herr Mißfelder (CDU)? Philipp Mißfelder hat ja eine HartzIV-Erhöhung als „Anschub für die Alkohol- und Tabakindustrie“ gesehen. Also lieber Gutscheine damit die Eltern nicht die Kohle verrauchen und versaufen?

Den Mächtigen der Republik scheint es ja sehr gut zu gehen. Ihre Macht sehen sie wohl auch nicht in Gefahr, wenn sie sich immer öfter in dreister Arroganz aus den Fenster lehnen und solchen Schwachsinn unters Volk bringen.

Ist es dann eigentlich eine Tragödie oder nur die Dummheit großer Teile der Bevölkerung, wenn solche Politik einen Rückhalt in der Gesellschaft findet?

Man könnte ja z.B. in Museen einen kostenlosen Eintritt gewähren, generell. Dann muss sich kein Kind schämen*, mit einem Gutschein zu „zahlen“. Gleiches wäre bei vielen anderen (Bildungs)Einrichtungen auch möglich, aber: Wer soll das bezahlen, wer hat sooo viel Geld? Die ganze Kohle ist doch bei der Bankenrettung draufgegangen…

* Alleine die Scham der Armut ist doch schon ein lärmendes Warnsignal!!