Presseschau KW 38

17. September 2017

++ Perfekt ist nicht gut genug ++ Vielleicht handeln wir bald mit Devisen ++ Für mich ist das Pöbeln ein Hilfeschrei ++ Europäische Identität ++ Wie konnte das passieren? ++ Der brillante Performer ++ Was entscheidet die Wahl? ++ Die geräuschvolle Sprachlosigkeit des Wahlkampfes ++ Das Volk als homogene Einheit? ++ Den Rest des Beitrags lesen »

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Presseschau KW 32

7. August 2017

++ Viagra für Politikverachtung ++ Was in dem„sexistischen Google-Dokument“ wirklich steht ++ Energetische Modernisierungen sind teuer – aber wenig effektiv ++ Dauerkanzlerschaften sollten verhindert werden ++ Die Plakate zur Bundestagswahl 2017 ++ Der Kitt menschlicher Gemeinschaften ++ Die Freiheit darf nicht verschleiert werden ++ Vom Ende der Sprachlosigkeit ++ Über den Gipfeln ist Ruh‘ ++ Eigentlich alles wie im Wendland ++ Seid euch nicht zu sicher! ++ Im Tal der Heuchler ++ Unsere schöne imperiale Lebensweise ++ Innere Sicherheit als Thema parteipolitischer Auseinandersetzung ++ Kühe sind gefährlicher als Autos ++ Den Rest des Beitrags lesen »


Henryk M. Broder kandidiert (2): doch nicht

1. November 2009

Am 25. Oktober berichtete ich über die Kandidatur von Henryk M. Broder für den Vorsitz des Zentralrats der Juden in Deutschland. Ich fühlte ich mich errinnert an Horst Schlämmer.

Insgesamt hat die Kandidatur von Broder irgendwie einen Beigeschmack. Woran erinert mich das?

schlaemmerBroder

Ist Horst Schlämmer zur Bundestagswahl angetreten, oder war das alles nur eine (durchaus lustige) Werbung für seinen Kinofilm (nicht so lustig), also purer Selbstzweck? Naja, Herr Broder hatte jedenfalls seine Aufmerksamkeit und kandidiert jetzt doch nicht. Aber schön mal darüber gesprochen zu haben, nicht wahr, Herr Broder?


Die NPD – Also doch Neonazis?

24. Oktober 2009

Der folgende Artikel ist wieder schon einige Wochen alt. Er sollte eigentlich kurz vor der Bundestagswahl erscheinen, dies geschah allerdings aus verschiedenen Gründen nicht. Die in diesem Text genannte Band Hassgesang ist inzwischen nicht mehr auf der genannten Schulhof-CD vertreten. Allerdings liegt dies an einer Forderung der GEMA, da das Lied unerlaubt von der amerikanischen Bank Blink 182 gecovert wurde. Für den Inhalt des Artikels, den Vorwurf des Neonazismus, ist dies nicht relevant.

Also doch Neonazis?

Warum die NPD und ihr Umfeld eben doch im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus stehen

Glaubt man der NPD und ihren Funktionären, so besteht zwischen der Partei und der Zeit des Nationalsozialismus kein Zusammenhang. In vielen Artikeln dargestellte Zusammenhänge seien demnach konstruiert oder gar erfunden, nur um der NPD zu schaden. Und tatsächlich ist es manchmal schwer, der NPD beizukommen. Anhand nur eines Beispiels soll eine kleine Beweisführung stattfinden, die man weder wegdiskutieren, noch als Lüge diffamieren kann. Dieser Beitrag ist als Ergänzung, vieler guter Veröffentlichungen gedacht, die sich in der Vergangenheit mit diesem Thema beschäftigt haben.
Da in wenigen Tagen Bundestagswahl ist, kann man den folgenden Inhalt auch als praktische Argumentationshilfe verwenden, um den Wahlkämpfern der NPD mal einige unangenehme Fragen zu stellen.

Das Wahlkampfmittel Schulhof-CD

Im MiGAZIN-Kommentar „Eine vergessene Strategie“ hat der Autor bereits auf das Drei-Säulen-Konzept der NPD hingewiesen und ihren Versuch, gerade bei sehr jungen Menschen anzukommen. Die vielen hauptsächlich in naher Umgebung von Schulen verteilten Schulhof-CDs sind für die NPD ein wichtiger Werbeträger für diese Zielgruppe. In Sachsen und Thüringen wurde dieses Jahr die neue Schulhof-CD verteilt: „Pünktlich zum Schuljahresbeginn in Sachsen und Thüringen gibt es eine neue Schulhof-CD der NPD zum Schrecken aller linken Pauker und Spießer! Neue Noten, neue Texte! Die NEUE Schulhof-CD zum Herunterladen und Weiterverbreiten“

Ein kurzer Blick auf die Titel und Interpreten dieser CD reicht eigentlich aus, um zu erahnen, wessen Geistes Kind man in der NPD ist. Der Autor hat etwas genauer geschaut.

Um nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen hat die NPD einige Bandnamen lediglich abgekürzt, so heißt die Band „AoV“ ausgeschrieben „Act of Violence“, was weniger nach netten Wahlkampf klingt. Die Band „HG“ ist noch interessanter. „HG“ sind nämlich eigentlich „Hassgesang“. Als wenn Hass nicht schon reichen würde, so bevorzugt die Band in ihrem Bandlogo die SS-Runen um ihren HaSS ideologisch zu verorten. Neuere Veröffentlichungen der Band sind juristisch geprüft und in Deutschland erhältlich, ihre alten CDs, deren Texte auf Zweideutigkeiten verzichten sind verboten und sprechen eine sehr deutliche Sprache.
Zwei Kostproben ihrer Texte: „Ist der Schmerz auch noch so groß, niemals werd ich’s akzeptieren, dass Fremde dort auf deutschem Boden unsere alte Heimat ruinieren. (…) Dann sind die Polen sicher vor Schreck ganz bleich, denn dann holen wir den Osten zurück ins Reich.“ „Adolf Hitler – Im Kampf für unser Land! Adolf Hitler – sein Werk verteufelt und verkannt! Adolf Hitler – du machtest es uns vor! Adolf Hitler – Sieg Heil tönt zu dir empor!“
Auf der Schulhof-CD der NPD besingen HaSSgesang dann eher sozialkritisch als „H.G.“ „Brot und Spiele“, ihr Bekenntnis zu Adolf Hitler fällt unter den Tisch.
Ein weiterer interessanter Interpret der Schulhof-CD ist „Lunikoff“. Hierbei handelt es sich um Michael Regener, den Sänger der als terroristische Vereinigung eingestuften Band „Landser“. Als „Die Lunikoff Verschwörung“ hat auch er gelernt, wie man seine Ideologie legal besingen kann. „Landser“ waren da hingegen immer sehr direkt: „Afrika für Affen, Europa für Weiße, steckt die Affen in ein Klo und spült sie weg wie Scheiße“ „Die ganzen Scheiß Kanacken, die stinken wie die Pest und wie die Fußball spielen, das gibt mir den Rest. Keine Ahnung vom Lederkicken, dafür vom Knoblauch fressen und Esel ficken. “ „Punker, Schwule, Kommunisten, steh’n auf unser’n schwarzen Listen. Am Tage X, zur Stunde null, da retten Euch auch keine Bull’n! Wir sind arische Kämpfer, weiße Patrioten, Nationale Sozialisten – gegen die Roten!“
Natürlich hält sich „Lunikoff“ auf der Schulhof-CD mit solchen Texten zurück. Michael „Lunikoff“ Regener ist übrigens sogar Mitglied der NPD und hat aus seiner Meinung (Siehe Landser) nie ein Geheimnis gemacht.

Man kann also alleine durch diese eine Schulhof-CD aufzeigen, dass die NPD problemlos in einen Kontext zum Nationalsozialismus gestellt werden kann. Oder haben die Bands, hat die CD nichts mit der NPD zu tun? Wie kann man sich da wieder rausreden? Natürlich sind die Funktionäre der NPD nicht so dumm und verbreiten ihre Meinung in solcher Direktheit wie die angesprochenen Bands, aber zwischen den Zeilen lässt sich dennoch einiges erfahren. So ist es sicherlich kein Zufall, dass Udo Pastörs auf seiner Aschermittwochsrede in Bezug auf die BRD von einer „Judenrepublik“ gesprochen hat. Ebenso kann es kein Zufall sein, dass immer wieder mal Fotos auftauchen, die NPD’ler mit erhobenen rechten Arm zeigen.
Dies alles sind Fakten die sich nicht verleugnen lassen und geeignet sind, wie eingangs erwähnt, um den Wahlkämpfern der NPD mal einige unangenehme Fragen zu stellen.


Jochen-Konrad Fromme – Direktkandidaten

29. Juli 2009
In der Reihe „Die Kandidaten – 18 Fragen an…“ steht heute Jochen-Konrad Fromme dem Regionalressort Wolfenbüttel der Braunschweiger Zeitung Rede und Antwort. Eigentlich alles nicht der Rede wert. Wäre da nicht Frommes Antwort auf die Frage nach seiner Erklärung für die Politikverdrossenheit. „Leider sehen viele Menschen nicht, dass Nichtwähler auch wählen, nämlich indirekt die radikalen Parteien an den Rändern. Diese bekommen ihr Klientel zu 100-Prozent an die Wahlurnen. Wenn es bei den anderen Parteien viele Nichtwähler gibt, erhalten die Radikalen mehr Mandate, als ihnen nach dem wahren Anteil an der Wählerschaft zustehen. (…)“ Wenn man davon absieht, dass „die Radikalen“ Gott sei Dank nicht ihr Klientel zu 100-Prozent an die Wahlurne bekommen und Nichtwähler nicht ausschließlich Nichtwähler bestimmter Parteien sind, dann kann man Fromme durchaus ein Stück begleiten. Wenn nun aber die Nichtwähler nicht wählen, weil sie die Nase voll haben, generell, bekommen dann nicht alle Parteien, durch die Bank weg, mehr Mandate als ihnen zustehen? Dass Herr Fromme und seine Kollegen der etablierten Parteien gerne unter sich sind, das ist kein Geheimnis, sonst hätte man die 5-Prozent Hürde ja längst abgeschafft. Dass Herr Fromme und seine Kollegen der etablierten Parteien aber regelmäßig ausgerechnet die Nichtwähler für „Radikalenmandate“ verantwortlich machen, das ist eine Unverschämtheit!
An dieser Stelle sei nochmal an den Aufruf zum aktiven Wahlboykott erinnert. Ungültig wählen statt nicht wählen. Dann bekommt jede Partei was ihr zusteht. Bei der Europawahl wären das übrigens für die Fromme CDU stolze 16,4% gewesen! Hier übrigens noch die anderen Direktkandidaten für den Wahlkreis Salzgitter-Wolfenbüttel: Sigmar Gabriel (SPD), Jürgen Selke-Witzel (Grüne), Thomas Keller (FDP), Hermann Fleischer (Linke), Rolf Vorberger (Rentnerpartei RRP), Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg (NPD) und (im Artikel benannt, daher zum Schluss) Jochen-Konrad Fromme (CDU). Und jetzt beliebig durcheinander: Sigmar Keller (CDU), Hermann Selke-Witzel (NPD), Friedrich-Werner Fleischer (Rentnerpartei RRP), Jochen-Konrad Graf von der Vorberger (Linke), Jürgen Schulenburg (SPD), Thomas Gabriel (FDP) und Rolf Fromme (Grüne). Beliebig austauschbar. Nicht nur deshalb: Aktiver Wahlboykott!