Presseschau KW 28 und 29

16. Juli 2017

++ Die Tea Party lässt grüßen ++ Ist die Linkspartei „integraler Bestandteil“ des schwarzen Blocks? ++ Schwarzseher und Schönredner ++ Von Kuscheltieren und linkem Rassismus ++ Die Doppelmoral des Politikerpaares Petry und Pretzell ++ Linkes Plädoyer gegen Sachzwänge ++ Die Agenda 2010 war überflüssig ++ Wettstreit der Worte ++ Die Heuchelei der Weinerlichen ++ Verdreht, geschönt, bearbeitet ++ Sind Sie auch … gegen Genfood? ++ Die Hölle von Regensburg ++ Ohnmacht vergiftet die Seele ++ Gewaltlosigkeit als Waffe ++ Wir befinden uns nicht in einer bunten Multi-Kulti-Welt ++ Eine Linke braucht es nicht mehr ++ Flüchtlingskrise? Bitte erst wieder nach der Wahl ++ Bürgerliche Linksradikale ++ Plündern mit Heinrich Heine ++ Warum linke Randalierer nicht besser sind als rechte ++ Angeblicher Insektenschwund ++ Europa am Abgrund ++ Wie ich von links nach rechts gelangte ++ Den Rest des Beitrags lesen »

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Sezession: Offensiv keine Ahnung

24. März 2010

Götz Kubitschek fragt aktuell zum neunten Mal „Wie weiter?„. Er zitiert dabei die Frage einer Leserin nach „Finanz- und Wirtschaftsthemen„, die sie vermisse. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf und ein Motto der guten, wahren und schönen Rechten doch lautet „Right is right and left is wrong„, wird das Armutszeugnis schön verpackt und als „Privileg“ verschenkt.

Ich habe zur Wirtschaftsordnung keine Meinung und kann Fragen danach nur ganz kleinteilig, konkret, lebenspraktisch beantworten, mithin: subjektiv, mithin: mit beiden Füßen in der ‚Beispielfalle‘.

Das heißt doch eigentlich, Hand auf’s Herz, er hat keine Ahnung. Aber auch „keine Meinung“ ist ehrlich und ein Eingeständnis, das so schon lange mal überfällig war.  Nur hätte man sich dann auch vor einiger Zeit die Unabhängigkeitserklärung in Form einer dürftigen Kapitalismuskritik des Herrn Wolfschlag sparen können, das wirkte damals schon halbgar und jetzt sowieso. Aber zur schönen Verpackung:

(…) Abstraktion oder Beispiel, das ist das, was wir können (oder „nur“ können), und das ist das, was erwarten kann, wer dieses Netztagebuch liest oder die um vieles konzentriertere Druckausgabe: das Grundsätzliche und das Konkrete, und nur zu Themen, von denen wir etwas verstehen. Denn zum Glück haben wir es so einrichten können, daß wir nicht zu allem etwas sagen müssen.

Und hier irrt Kubitschek, oder er hat ein Problem mit dem Wort „konkret“. Wenn innerhalb der Neuen Rechten überhaupt etwas „konkret“ ist, dann höchstens ihre Diagnosen, ihre selektiven Wahrnehmungen. Wenn es um Lösungen geht, dann findet man nur wenig konkrete Vorschläge, dafür aber viel Eiertanz. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass man „Finanz- und Wirtschaftsthemen“ meidet, weil man dort den Teufel, in Form des „linken Zeitgeistes“, nicht so einfach an die Wand malen kann.

Ob eine Metapolitik, in diesem Fall ja quasi ausgehend von einer bestimmten Weltanschauung (Metapolitik kann auch „objektiv“ sein), überhaupt noch Daseinsberechtigung hat oder einfordern kann, wenn man offensichtlich nicht in der Lage ist, Politik und Wirtschaft zu verknüpfen, ob es nicht geradezu eine Voraussetzung für „Staatspolitik“ ist, eben auch wirtschaftliche Zusammenhänge angemessen erklären und deuten zu können, diese Fragen möchte ich zumindest mal in den Raum stellen. In Frage stünden dann allerdings auch die Themen, von denen man vorgibt etwas zu verstehen, aber das stelle ich hier ja ohnehin schon regelmäßig „zur Debatte“.


Sezession, Zuerst! – Eine Meinung

24. Dezember 2009

Wenn man die Debatten im Tagebuch der guten, wahren und schönen Rechten (Sezession im Netz) verfolgt, dann kann man schon interessante Entdeckungen machen. Zur Zeit wird in gleich zwei Debatten über das Monatsheft „Zuerst!“ diskutiert, man könnte auch sagen gestritten. Nachdem die erste von Götz Kubitschek gestartete Debatte wohl einen unerwünschten Verlauf nahm, legte er noch eine weitere Debatte nach, einige Ergänzungen zu seinem ersten Text, bzw. Klarstellungen bilden den Rahmen. Inhaltlich ist für mich eigentlich nur eine Sache interessant, nämlich: Wer mit wem und wie wird damit umgegangen? Aber das wird in diesen Debatten natürlich nicht richtig erfasst.

Es ist eigentlich alles ganz einfach:

1.) Wer mit dem rechtsextremen Verleger Dietmar Munier ins Bett steigt, der macht sich schmutzig, im braunen Sinne. Punkt und fertig.

2.) Ob das Magazin „Zuerst!“ einen moderaten Kurs fährt oder die Karten erst im Laufe der nächsten Ausgaben auf den Tisch gelegt werden ist nicht relevant und ändert nichts am Hintergrund (Munier – NPD – Versand „Lesen und Schenken“ – „Nation und Europa“ – um nur mal einige Stichworte zu geben).

3.) Es gibt nur das Gesamtpaket: Es braucht sich in Zukunft niemand zu wundern, wenn über die „Zuerst!“ weitere „Scharniere“, also Verbindungen von konservativ, rechts bis rechtsextrem (oder sogar offen neonazistisch), hergeleitet werden. Es war allen Beteiligten alles vorher bekannt, wer etwas anderes behauptet, der lügt!

4.) Alles andere (Konkurrenz, Preis etc.) ist doch einfach nur Geschwätz!


Lesetipp: Politische Korrektheit

5. Dezember 2009

Über das Blog Politblogger wurde ich auf einen sehr guten Artikel im Rheinischen Merkur aufmerksam. Anselm Neft lässt in seinem Artikel mit der Überschrift „Politische Korrektheit“ auch kein gutes Haar an den PI-News (Politically Incorrect – Hier auch bekannt als neuer Waffenbruder der Sezession). Und er hat recht, seine Aufschlüsselung einer „politisch unkorrekten“ Denkweise treffen nicht zuletzt auch auf die Neue Rechte und ihre Kameraden zu. Ich zitiere einen Auszug, Hervorhebungen sind von mir:

„() Der Musel in der Vorstellung von PI hasst das Abendland und seine Werte. Auch moderaten Muslimen ist nicht zu trauen: Entweder sind sie zu schwach, um sich dem im Kern totalitären Islam entgegenzustellen, oder sie haben sich nur scheinbar an den Westen angepasst und warten auf die Chance, die Scharia im „Wirtsland“ einzuführen. Diese politisch unkorrekte Schein-Argumentation kann niemand widerlegen.

Wer darauf hinweist, dass diese Festlegung im Kern rassistisch ist, fällt in die zweite Feindkategorie. Der „Gutmensch“ und seine Extremform, der „Bessermensch“, verharmlosen die islamische Gefahr und werden ihr Werkzeug. Auf PI zeigt sich, wie vielfältig der Begriff „politisch korrekt“ instrumentalisiert wird. Durch die Unterstellung, dass die „politisch Korrekten“ eine Meinungsdiktatur begründen, lässt sich die eigene Ansicht als befreiend und mutig verkaufen, wohingegen Einwände als unterdrückerisch gebrandmarkt werden. In dieser Art von „Neusprech“ wird der gute Mensch zum schlechten, der Antifaschismus faschistisch und der Totalitäre zum Befreier. Dem politischen Gegner wird vorgeworfen, dass er jede Diskussion ersticke.

Dabei fungiert „Gutmensch“ und „politisch korrekt“ als Ad-hominem-Angriff, der jede sachliche Debatte zunichtemacht. Eine differenzierte Sicht auf soziale Hintergründe von Kriminalität lässt sich mit einem knackigen „politisch korrekt“ disqualifizierend vom Tisch wischen (…) Menschen mit großen Bildungslücken und enormem Lektürerückstand können so ein Stückchen Diskurshoheit zurückgewinnen und sich als verschworene Elite wider den Mainstream fühlen. ()“


Sezession jetzt mit Unabhängigkeitserklärung

23. November 2009

Es gibt im Tagebuch der wahren, guten und schönen Rechten einen neuen Autor, Claus Wolfschlag: „() Für Sezession im Netz wird Wolfschlag unregelmäßig schreiben, und auf ein Thema kann ich ihn auch nicht festlegen: So beweist sich die Unabhängigkeit, und in genau diesem Sinne erweitert Wolfschlag unsere Gespräche tatsächlich.“ Hat eigentlich jemand die Unabhängigkeit der Sezession in Frage gestellt, oder sollte das einfach mal gesagt werden?

Wolfschlags erster Artikel trägt dann auch den Titel „Kapitalistische Amokfahrt“ und ist eine kurze Kapitalismuskritik. Neues gibt es zwar nicht im genannten Artikel, aber immerhin. Immerhin unabhängig. Und immerhin hat man jetzt auch mal was zu diesem Thema gesagt. Der Artikel ist „zur Debatte gestellt“ und findet bislang nur mäßigen Anklang, aber das kann ja noch werden. Mal schauen wie die alte/neue Unabhängigkeit so ankommt. Und mal schauen ob sich die guten, wahren und schönen Rechten tatsächlich in einer Kapitalismuskritik verrennen wollen. „Links“ hat dieses Feld ja bereits ausgiebig beackert, viel kann man da wohl nicht mehr gewinnen, vieleicht noch einen Blumentopf, wenn man es bei der Kritik belässt. Lösungsvorschläge – ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster – werden jedenfalls an der Glaubwürdigkeit einer Neuen Rechten kratzen, allerdings nur in Abhängigkeit zum Weltbild. Das behaupte ich, unabhängig.