Stressbewältigung und relevante Gefahren der Atomkraft

4. Mai 2011

Einem so genannten „Stresstest“ sollten die europäischen Atomkraftwerke unterzogen werden. Vernünftig, könnte man meinen. Aber würde dies nicht unangenehme Wahrheiten ans Licht bringen? Die Süddeutsche Zeitung über die „Debatte um Sicherheit von Atommeilern“:

„Terrorangriffe? Menschliches Versagen? Für die EU keine relevanten Gefahren, wenn es um Meiler-Sicherheit geht. Brüssel hat dem Druck der Atomlobby nachgegeben und verzichtet auf strenge AKW-Stresstests. (…) Ursprünglich hatten sich die 27 europäischen Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel Ende März darauf geeinigt, die 146 in der Europäischen Union betriebenen Reaktoren auf alle durch die Fukushima-Katastrophe offenbar gewordenen zusätzlichen Unfallszenarien zu überprüfen. Zudem sollte getestet werden, ob Stromversorgung, Kühlung und zusätzliche Aggregate nach Terrorangriffen, menschlichen Bedienfehlern oder in unverhofften Notsituationen sicher funktionieren. Das lehnen die westeuropäischen Aufseher strikt ab.“

Viel „Stress“ möchte man sich dann also doch nicht machen. Und menschliches Versagen ist ja nun auch wirklich nicht relevant. Immerhin könnten sich die europäischen Politiker im Falle eines Falles genau darauf berufen, sie sind ja schließlich auch nur Menschen (und Versager).

Bild: Heinz-Josef Lücking

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Ängste, Stress und Wut: Die Jugend Europas

18. April 2011

Steffen Vogel trägt in der aktuellen Ausgabe der Blätter für deutsche und internationale Politik wichtige Fakten über „Europas Jugend: Abstieg und Wut“ zusammen. Jeder fünfte Jugendliche in der EU sei arbeitslos. Hinzu komme, dass junge Menschen erheblich häufiger zu den working poor, den arbeitenden Armen, gehören würden als Erwachsene.

In Griechenland habe sich die Rede von der „600-Euro-Generation“ eingebürgert, „benannt nach dem monatlichen Bruttoverdienst junger Arbeitnehmer. Und nur etwa jeder Zehnte findet sofort nach der Ausbildung überhaupt Arbeit; jeder Dritte sucht vier bis fünf Jahre.“ Ein ähnliches Bild zeige sich in Spanien, dort kenne man „seit längerem das Phänomen der Mileuristas: junge, oft gut qualifizierte Arbeitnehmer, die ein Monatssalär von gerade 1000 Euro brutto nach Hause tragen und sich davon kaum eine eigene Wohnung leisten können.“ Inzwischen sei fast jeder zweite spanische Jugendliche ohne Job. In Schweden sei mehr als jeder fünfte Jugendliche arbeitslos, ebenso wie in Frankreich, wo zudem die prekäre Beschäftigung zunehme. In Großbritannien liege die Jugendarbeitslosigkeit bei 20 Prozent und auch in der Bundesrepublik seien diese Probleme nicht unbekannt. „Zudem finden sich heute doppelt so viele junge Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen wieder wie noch vor zehn Jahren. So haben fast 40 Prozent der oft schlecht bezahlten Leiharbeiter das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet.“

Ängste und Stress seien das Resultat ungewisser Zukunftsaussichten. „Gleichzeitig sorgen der prekäre Normalzustand und das Ausbleiben von Antworten seitens der politischen Elite für Wut. In Griechenland entlud sich der Unmut über fehlende Perspektiven bereits im Dezember 2008 in einer heftigen Revolte  (…) In Frankreich sind in den vergangenen Jahren wiederholt tausende Jugendliche auf die Straße gegangen (…) in Großbritannien und Italien haben seit dem Herbst große Studentenbewegungen von sich reden gemacht.“

Die derzeitige staatliche Krisenpolitik stelle den Gesellschaftsvertrag grundlegend auf die Probe, zitiert Steffen Vogel die Internationale Arbeitsorganisation und kommt zu dem Schluss: „Wenn Prekarität jedoch schon für Jugendliche zum Normalzustand wird, wenn Ungleichheit und Arbeitslosigkeit immer weiter zunehmen, dann wächst auch der soziale Sprengstoff – mit heute bereits unkalkulierbaren Folgen.“

Bild: 4wallz