Presseschau KW 30

23. Juli 2017

++ Ich plädiere für extrem hohe Strafen ++ Verordnete Verarmung ++ Den Nobelpreis würde ich nehmen, wenn es kein Geld dafür gäbe ++ Bist du nicht weltoffen, wird dein Lokal geschlossen ++ Zur Reaktion der Politik auf überhöhte Abgaswerte ++ „Spiegel“ löscht heimlich Skandalbuch aus Bestsellerliste ++ Leben wir bald in einer Technokratie? ++ Sind Frauen die besseren Rechtspopulisten? ++ Schlagt dieser Schlampe den Kopf ab ++ Amoktaten sind kaum vorhersehbar ++ Wir, die Bürger(lichen) ++ Wie Medien über die Flüchtlingskrise berichteten ++ Zeigt nicht auf den dicken Mann! ++ Wie Journalisten der AfD zum Erfolg verhelfen ++ Das System hat aber angefangen! ++ Linke Politik braucht ein Preisschild ++ Was ich in der rechten Filterblase lernte ++ Berichte über Neonazis bei G20: Viele Gerüchte, keine Beweise ++ Das Rätsel um Schabas Al-Aziz‘ Tod ++ Insektensterben – und keiner will es gewesen sein ++ Den Rest des Beitrags lesen »

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„Aus meiner Sicht“…

10. November 2014
Florian Röpke

Florian Röpke

… und damit blase ich mal in das gleiche Horn wie der Wolfenbütteler CDU-MdL Frank Oesterhelweg im Schaufenster, ist es eine Schande, dass die CDU am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, gemeinsam mit Rechten der AfD und sogar Neonazis gegen eine rot-rot-grüne Koalition demonstriert hat. Aus reinem Machtkalkül wurde in Erfurt Geschichte instrumentalisiert, das Andenken dieses Gedenktages beschädigt und politisch missbraucht. Und wenn man dann in Erfurt Herrn Ramelow, einem gebürtigen Niedersachsen, auch noch „Bodo, geh heim!“ zuruft, dann hat man offensichtlich mit Mauerfall und Wiedervereinigung nicht wirklich viel im Sinn. Wer das Erbe der Diktatoren so missbraucht und instrumentalisiert, der handelt respekt-, instinkt- und verantwortungslos.


Nein, das gefällt mir nicht

26. August 2011

Gestern veröffentlichte das Antifaschistische Café Braunschweig eine Pressemitteilung, in der es um einen Neonazi aus Goslar ging. Dieser sei Mitarbeiter eines Autohauses und ein Aktivist des NPD-Kreisverbandes Goslar und kandidiere auch für die NPD zur Kommunalwahl am 11. September in Goslar. Zitiert wird dann Frau Anja Meier, Sprecherin des Antifaschistischen Plenums: „Wir haben uns entschlossen mit den Informationen über die NPD-Aktivitäten des Autohausmitarbeiters an die Öffentlichkeit zu gehen. Seine Kolleginnen und Kollegen, seine Kundinnen und Kunden und die Partner des Autohauses sollten wissen, mit wem sie es da zu tun haben. Wer für die NPD kandidiert, in der Nazi-Szene aktiv ist oder sich an Naziaufmärschen beteiligt, der muss damit rechnen, dass wir ihm mit solchen Öffentlichkeitsaktionen auf die Pelle rücken.“

Was mich daran stört, dass es offenbar überhaupt keinen Vorlauf gegeben hat, man also gezielt und als erste Handlung den Weg der Öffentlichkeit gewählt hat. Wobei natürlich anzumerken ist, dass man ja nicht heimlich für eine Partei kandidieren kann, der besagte Neonazi somit also von selbst bereits einen großen Schritt in die Öffentlichkeit getan hat, ebenso wenn er auf Aufmärschen anwesend ist. Frau Meier weiter: „Gerade manch jüngerer Sympathisant überlegt es sich da vielleicht zweimal, ob er in Zukunft für die NPD kandidiert oder an Aufmärschen teilnimmt, wenn er damit rechnen muss, dass das für ihn unangenehme Konsequenzen auf der Arbeit, in der Schule oder im Bekanntenkreis nach sich ziehen kann.“

Hierzu möchte ich mal folgende Fragen in den Raum stellen: 1. Ist es hilfreich, wenn Rechtsextremisten es sich lediglich aus Angst vor Konsequenzen nicht mehr trauen öffentlich in Erscheinung zu treten? 2. Ändert dies etwas an rechtsextremen Einstellungen, oder werden dadurch vielleicht nicht sogar bestehende Strukturen gestärkt? 3. Wird überhaupt das Ziel verfolgt, zumindest junge Neonazis, wieder in die Gesellschaft zu integrieren?

Heute hat nun das Autohaus, bzw. die Geschäftsleitung, reagiert. In einem Schreiben an das Antifaschistische Café Braunschweig heißt es (den Nachnamen habe ich gekürzt): „Sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank für die Information. Sie können sicher sein, dass uns diese Aktivitäten nicht bekannt waren und dass wir diese Aktivitäten- insofern sie denn auch tatsächlich zutreffen – aufs Schärfste verurteilen. Wir haben soeben das Anstellungsverhältnis mit sofortiger Wirkung beendet, wobei wir sagen müssen, dass wir in Nico H. einen sehr tüchtigen, kompetenten und in jeder Hinsicht höflichen Mitarbeiter verlieren. Dennoch ist die politische Einstellung von Nico H. in keiner Weise mit unserer Unternehmensphilosophie vereinbar.“

Nein, das gefällt mir nicht. Man hätte mit dem jungen Mann das Gespräch suchen müssen. Gerade bei jungen Neonazis besteht doch eine realistische Chance, sie noch von diesem Irrweg abzubringen. Eine Kündigung wäre die letzte Alternative gewesen und dann sicherlich auch nicht unbegründet.

Zu dieser hier angedeuteten, aber offenbar vergessenen Strategie der „Eingrenzung“ wurde von mir auf MiGAZIN vor knapp zwei Jahren ein entsprechender Artikel veröffentlicht, daraus ein kurzer Abschnitt: „Die Gesellschaft befindet sich hier im direkten Wettbewerb mit den rechtsextremen Parteien und Organisationen um die Köpfe dieser jungen Menschen. Die NPD ist da in ihrem Drei-Säulen-Konzept sehr deutlich. Neben dem Kampf um die Straße, dem Kampf um die Parlamente, geht es in der dritten Säule um nicht weniger als die Köpfe, also auch die Köpfe unserer Jugendlichen. Und diesen Kampf muss die Gesellschaft annehmen und gewinnen.“

Und diese Meinung vertrete ich noch immer.


Braunschweig: Die Dummen, Rohen und Unsympathischen

6. Juni 2011

Wenn man sich Neonaziaufmärsche so anschaut, in diesem Fall den in Braunschweig und speziell die jungen Männer, dann fällt mir immer eine kurze Passage aus Sebastian Haffners „Geschichte eines Deutschen“ ein, sie spielt 1920 nach dem Kapp-Putsch.

„Nur ein paar blieben der Politik treu, und zwar fiel es mir zum ersten Mal auf, daß das komischerweise mehr die Dummen, Rohen und Unsympathischen waren. Sie traten jetzt in »richtige« Bünde ein, in den Deutschnationalen Jugendverein zum Beispiel oder in den Bismarckbund (die Hitlerjugend gab es noch nicht), und bald zeigten sie in der Schule Schlagringe, Gummiknüppel oder gar »Totschläger« vor, rühmten sich gefährlicher nächtlicher Plakatanklebe– oder Plakatabreißpartien und begannen, einen bestimmten Jargon zu sprechen, der sie von allen anderen unterschied. Auch fingen sie an, sich unkameradschaftlich gegen die Juden unter uns zu benehmen.“

Komischerweise scheint es tatsächlich so zu sein und fast nur die Dummen, Rohen und Unsympathischen haben das Bedürfnis, einen Tag der deutschen Zukunft zu begehen.

Bild: Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), Bild 102-13377


Fundstück: Neulich in Bad Nenndorf

16. August 2010

via NPD-Blog


Den Rechten auf’s Maul geschaut (22)

5. Juli 2010

Felix Menzel suchtzwei Kunstwörter“ bei der Blauen Narzisse: „() ein Wort zu finden, in dem sich die ganzen Probleme des Abendlandes bündeln. Danach braucht es noch ein Wort, das die Vision für das neue Europa auf einen Nenner bringt. In großen Lettern müssen diese zwei Worte dann in allen großen Städten am Rathaus oder anderen repräsentativen Bauten angebracht werden.“ Leider werden keine „Kunstwörter“ genannt, sondern der übliche Schmu.  Menzel regt sich auf: „Sagt mal Leute, lest ihr überhaupt? Ich hatte von Kunstworten, Neo-Logismen bzw. Neuschöpfungen gesprochen und keinen alten Wein in neuen Schläuchen verlangt.“ Unfreiwillig komisch…

Der „Schriftleitung“ von Altermedia auf’s Maul geschaut: Die Aussage, am Ende zähle nur das Ergebnis, wird von einem Leser hinterfragt: „Wenn das die Meinung der Schriftleitung ist, warum den NS. Zur Erinnerung nach nur 12 Jahren haben die es geschafft eine Hochkultur Untergangs reif zu Führen.“ Die Antwort der „Schriftleitung“ fällt sehr deutlich aus: „Nö, die haben nur den Krieg verloren, den Kulturverfall haben erst die demokratischen Nachfolger zu verantworten. Der NS war die letzte Chance für Deutschland und Europa die abendländische Kultur überhaupt zu erhalten.“

Und das Mitteilungsbedürfnis diverser Neonazis erlaubt an dieser Stelle einen kleinen Einblick.



Sezession: Kalkulierte Verniedlichung (ergänzt)

6. Juni 2010

Die „Germanische WeltnetzgemeinschaftThiazi Forum ist ein Sammelbecken für Rechtsextremisten und Neonazis. Hakenkreuze und Hitler-Bilder sind dort jedenfalls keine Seltenheit, eher die Regel. Da finde ich es im ersten Schritt schon sehr bezeichnend, wenn die guten, wahren und schönen Rechten der Sezession dieses Forum in ihrer Presseschau (!!) überhaupt verlinken. Dann bringen sie aber noch eine ergänzenden Hinweis, dass das Thiazi-Forumleider zum Großteil von NS-Nostalgikern frequentiert wird“. Erstens sind das Neonazis ohne wenn und aber, keine NS-Nostalgiker. Zweitens, warum „leider„? Was erwarten die Damen und Herren der Neuen Rechten denn in dieser „Germanische(n) Weltnetzgemeinschaft“ sonst?

Wobei das verlinkte Thema natürlich einen schönen Schnittpunkt bildet, man könnte auch sagen ein schönes Scharnier. Nämlich zwischen eben dieser Neuen Rechten und Rechtsextremisten und Neonazis. Geht es doch mal wieder um „Überfremdung“ und „Landnahme„, also den „Bevölkerungsaustausch“ und das Aussterben der Deutschen Rasse. Da ergibt es natürlich Sinn, lediglich von „NS-Nostalgikern“ zu sprechen, immerhin sitzt man ja im selben Boot.

Ergänzung: Inzwischen wurde den „Röpkes dieser Welt“ mitgeteilt, dass „NS-Nostalgiker“ „im neurechten Sprachgebrauch eine abschätzige, deutliche Mißbilligung ausdrückende Bezeichnung für sogenannte Neonazis & Co“ ist.

Die Anrede „Röpkes dieser Welt“ ist übrigens neu. Hier mal der Werdegang: „Florian R.“, „Junge“, „herr röpke“, „Groupie“, „Aussteiger“, „Kerl“, „Antifa-Blogger“, „F.R. aus W.“ und „Sekundärdenker“.